Sahel-Zone - Halbnomadismus der Fulbe - Hindernisse

Afrika - Sahara und Sahel

978-3-14-100870-8 | Seite 189 | Abb. 5 | Maßstab 1 : 4.000.000
Sahel-Zone | Halbnomadismus der Fulbe | Afrika - Sahara und Sahel | Karte 189/5

Überblick

Entwicklung.

Das landwirtschaftliche Nutzungspotenzial der Region wird in starkem Maße durch die Verfügbarkeit von Wasser bestimmt. Das dargestellte Gebiet liegt deutlich südlich einer Linie mit Jahresniederschlägen von 250 Millimetern, die die Trockengrenze des Ackerbaus markiert. Traditionell wird südlich dieser Linie der Regenfeldbau ohne Bewässerung betrieben, Hauptprodukte sind Hirse, Mais, Erdnüsse und Baumwolle, aber auch Gemüse.

Die Viehhaltung richtet sich daran aus, wo im Laufe des Jahres geeignete Weiden zur Verfügung stehen (Saisonalität). Während der Regenzeit liegen solche Gebiete vorzugsweise im Norden, also im Bereich der Dornstrauchsavanne, während der Trockenzeit halten die Viehzüchter ihre Tiere in der Umgebung ihres Wohnorts oder in südlicher gelegenen Räumen (Feuchtsavanne). Auf Schwankungen der Jahresniederschläge und Dürrejahre reagieren sie traditionell durch Wanderungen nach Süden. Daraus resultiert eine halbnomadische Lebensweise, die auf Staatsgrenzen prinzipiell keine Rücksicht nehmen kann. Sie wird zum Beispiel von den Fulbe angewendet, einer 40 Millionen Menschen zählenden Bevölkerungsgruppe, die in ganz Westafrika lebt und deren wirtschaftliche Grundlage traditionell die Viehhaltung ist.

Aufgrund der geringen Anzahl und Dichte der Bevölkerung in diesem Gebiet brachte die beschriebene Form der Viehhaltung nur vergleichsweise geringe Eingriffe in das Ökosystem mit sich. Die heutige Situation zeigt fast überall einen über der Tragfähigkeit liegenden Viehbestand und eine weit nach Norden in die Halbwüste vordringende ganzjährige Beweidung. Diese ökologisch nicht angepasste Landnutzung überschreitet die Regenerationskraft der Vegetationsdecke, sodass es zu großräumiger Bodenzerstörung kommt und im Norden des Gebiets Desertifikation (Wüstenbildung) einsetzt.

Dabei kann auch der Rückgang nomadischer Bewirtschaftungsformen eine Rolle spielen. Im Zuge der zunehmenden Sesshaftigkeit der ursprünglich nomadischen Bevölkerung wurden zahlreiche neue Siedlungen und Tiefbrunnen errichtet, in deren Umkreis die Schäden durch Überweidung und Überkultivierung besonders hoch sind. Die starke Konzentration der Bevölkerung und des Viehbestands führt so zu einer Übernutzung der natürlichen Ressourcen.

Die Karte zeigt auch, dass die Wanderungsbewegungen der Fulbe zunehmend auf Hindernisse stoßen. Staatsgrenzen werden zeitweilig geschlossen, sodass die Weidegebiete nicht wie beabsichtigt erreicht werden können. In Großschutzgebieten wie Nationalparks und Naturreservaten wird die Beweidung als illegal eingestuft und daher unterbunden. In den verbleibenden Gebieten konkurrieren die Viehhalter mit den sesshaften Ackerbauern um Land, in der Folge kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

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