Reformation in Europa um 1570

Geschichte - Reformation und Dreißigjähriger Krieg

978-3-14-100382-6 | Seite 204 | Abb. 1
 | Reformation in Europa um 1570 | Geschichte - Reformation und Dreißigjähriger Krieg | Karte 204/1

Überblick

Nach der traditionellen Geschichtsschreibung wird der Beginn der Neuzeit vor allem durch zwei Ereignisse markiert: die Entdeckung Amerikas 1492 und Luthers Thesenanschlag 1517. Beide stellen einen Einschnitt in der Geschichte dar, weil sie die räumlichen und geistigen Grenzen des mittelalterlichen Abendlandes niederrissen. Zugleich lässt sich vermuten, dass die Schriften Luthers nicht annähernd solche Wirkung erzielt hätten, wenn nicht Johannes Gutenberg 1450 den Buchdruck mit beweglichen Metalllettern erfunden hätte.

Verbreitung der Reformation

Etwa ein Vierteljahrhundert nach Luthers Tod hing noch ein großer Teil Europas der katholischen Glaubenslehre an, dennoch hatte die Reformation eine schnelle Verbreitung gefunden. Für den Protestantismus gewonnen wurden die skandinavischen Länder, das Baltikum und Teile des Königreichs Ungarn. In Böhmen gab es zahlreiche Hussiten, die sich im 16. Jahrhundert teils den Reformierten, teils den Lutheranern anschlossen. Von den deutschen Territorien bekannten sich u. a. Schlesien, Württemberg, Ansbach, Hessen, Sachsen, Brandenburg, Pommern und Preußen zum Luthertum. In großen Teilen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, entlang des Mittelrheins, in der Republik der Vereinigten Niederlande und in Schottland setzten sich Zwinglianer und Calvinisten durch, die auch in anderen Ländern Glaubensgemeinschaften begründeten (Hugenotten in Frankreich). Eine andere reformatorische Gruppe war die der Täufer, die eine Erneuerung des Glaubens allein aus dem Geist und Wort der Schrift erstrebte. Die anglikanische Kirche in England war aus dem Bruch König Heinrichs VIII. 1534 n. Chr. mit Rom hervorgegangen. Abgesehen von der Verwerfung des Papsttums und der Auflösung der Klöster blieb sie zunächst in ihrer Liturgie dem Katholizismus treu. Erst unter Eduard-VI. (1547-1553) kam es zu Reformen im calvinistischen Sinne. Die Waldenser, Mitglieder einer im 12. Jahrhundert gegründeten Reformbewegung, teilten Grundsätze des Protestantismus und wurden als Ketzer verfolgt.