Quartier Vauban (Freiburg) - Nachhaltige Stadtentwicklung

Deutschland - Nachhaltige Entwicklungspfade

978-3-14-100870-8 | Seite 83 | Abb. 6 | Maßstab 1 : 6.000
Quartier Vauban (Freiburg) | Nachhaltige Stadtentwicklung | Deutschland - Nachhaltige Entwicklungspfade | Karte 83/6

Überblick

Das im Süden Freiburgs gelegene "Quartier Vauban", einst ein Kasernengelände und 1994 von der Stadt erworben, ist heute ein besonders innovatives und familienfreundliches Wohnviertel, in dem rund 5500 Menschen leben.

In seiner heutigen Form ist Vauban das Resultat eines städtebaulichen Ideenwettbewerbs mit dem erklärten Ziel, ein modernes, abwechslungsreiches Wohngebiet unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit zu errichten. Zugleich sollten kleinparzellierte Grundstücke und die vorrangige Vermarktung an Einzelbauherren breiten Schichten der Bevölkerung die Möglichkeit geben, sich ein eigenes Zuhause zu schaffen.

Ein zentraler Bestandteil der städtebaulichen Planung war von Beginn an ein Verkehrskonzept, das auf eine Minimierung des privaten Autoverkehrs zielte. Die Straßen im Viertel sollten primär als Begegnungs- und Aufenthaltsraum für Erwachsene und Kinder dienen. Aus diesem Grund wurden großräumige Garagen und Parkplätze am Rand errichtet. Die Wohnstraßen können zum Be- und Entladen befahren werden, sind sonst aber weitgehend autofrei. Für eine gute Anbindung an die Innenstadt sorgen Busse und die Straßenbahn.

Teil der konzeptionellen Planung war auch eine eigenständige Infrastruktur mit Grundschule, Kindertagesstätten und Schülerhort. Durch die kleinräumige Gliederung sind alle Einrichtungen gut zu Fuß zu erreichen. Gesellschaftlicher Mittelpunkt ist der Alfred-Döblin-Platz, an dem sich das Bürgerzentrum befindet, der aber auch als Marktplatz, sozialer Treffpunkt und öffentlicher Veranstaltungsort für Flohmärkte oder Stadtteilfeste dient. Geschäfts- und Wirtschaftszentrum ist die Vauban-Allee, an der sich verschiedene Einzelhändler angesiedelt haben, vom Bio- und Back- bis zum Fahrrad- und Schreibwarenladen. Des Weiteren gibt es Ärzte und Therapeuten.

Weil der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen zu den Kernanliegen zählt, ist in Vauban eine Niedrigenergiebauweise mit weniger als 65 kWh/m² pro Jahr für alle Bauvorhaben verpflichtend. Daneben gibt es Häuser mit verbesserter Niedrigenergiebauweise (< 55 kWh/m² pro Jahr), in Passivhausbauweise (< 15 kWh/m² pro Jahr) und sogenannte Plusenergiehäusern, die im Laufe eines Jahres mehr Energie erwirtschaften, als sie selbst verbrauchen und ihren Energieüberschuss gegen eine Vergütung in das öffentliche Versorgungsnetz einspeisen. Überdies gibt es im Viertel eine Vielzahl von thermischen Solar- und Photovoltaikanlagen, die zusätzlich auf freiwilliger Basis installiert wurden. In der Solarsiedlung "Sonnenschiff" östlich der Merzhauser Straße sind alle Häuser als Plusenergiehäuser errichtet und mit Photovoltaikanlagen ausgestattet.

Die Fernwärme in Vauban stammt von einem Blockheizkraftwerk mit Holzhackschnitzelfeuerung und Kraft-Wärme-Kopplung. Das Regenwasser wird in Zisternen gesammelt, um es entweder zur Toilettenspülung, zum Waschen der Wäsche oder zum Gießen zu verwenden. Die begrünten Flachdächer haben den Zweck, den Wasserabfluss zu verzögern. Überschüssiges Regenwasser wird versickert, um auf diese Weise die Grundwasservorräte aufzufüllen.

Das Viertel mit seinen ausgedehnten öffentlichen Grünflächen und dem großen Altbaumbestand wird im Süden durch den Dorf- bzw. den Reichenbach begrenzt, der als ein besonders wertvolles Biotop ausgewiesen ist.

Im Jahr 2016 war die Bebauung des Quartiers weitgehend abgeschlossen. Die Bevölkerungszahl lag bei knapp 6000 Menschen (vorwiegend in Familien). Die Bevölkerungsdichte liegt mit 13 000 Einwohnern pro Quadratkilometer auf dem Niveau von Wohnvierteln in den Zentren deutscher Großstädte. Befragungen von Bewohnern des Stadtteils ergaben eine weitgehende Zufriedenheit mit den Lebensbedingungen vor Ort. Weltweit wird Vauban als Musterbeispiel für nachhaltige Stadtentwicklung und zukunftsorientierten Siedlungsbau wahrgenommen.

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