Nordatlantik - Fischfang

Erde - Agrarwirtschaft und Fischerei

978-3-14-100800-5 | Seite 263 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 36.000.000
Nordatlantik | Fischfang | Erde - Agrarwirtschaft und Fischerei | Karte 263/4

Überblick

Der Nordatlantik ist nach dem Nordwest- und dem Südostpazifik eines der fischereiwirtschaftlich wichtigsten Gewässer der Erde. Dies gilt besonders für den Nordostatlantik, der allerdings seit vielen Jahren als chronisch überfischt gilt. Während im Nordwestatlantik in erster Linie Speisefische wie Kabeljau und Rotbarsch erbeutet werden, spielen im Nordostatlantik auch reine „Industriefische“ wie die Lodde, ein kleiner Lachsverwandter, sowie Sandaal, Stintdorsch und Schellfisch eine wichtige Rolle. Industriefische sind für den menschlichen Verzehr kaum oder gar nicht geeignet, werden aber zu Fischöl und Fischmehl verarbeitet, das als Futtermittel in der Hühner- und Schweinemast, in den letzten Jahren vermehrt auch in Aquakulturen, Verwendung findet.

Fischereipolitik und Quoten

Auf Initiative Islands wurden seit Mitte der 1970er-Jahre mit den 200-Seemeilen-Zonen nationale Wirtschaftszonen geschaffen. Vorteile aus dieser Aufteilung der Fischgründe – die zu erheblichen internationalen Spannungen führten, weil viele Fischer ihre angestammten Fanggründe verloren – zogen neben Island und Irland vor allem Kanada und Grönland mit ihren hohen Küstenanteilen. Für die meisten Länder Europas hingegen brachte diese Regelung einen Verlust.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Druck auf die Fischbestände im Nordatlantik durch den Einsatz modernster Fangschiffe und Trawler bereits erheblich zugenommen. Erste Versuche in den 1960er-Jahren, die Bestände durch internationale Absprachen über eine Einschränkung der Fangzeiten und eine begrenzte Anzahl von Fischereischiffen zu schonen, blieben mangels systematischer Kontrollen ohne Wirkung. In den 1970er-Jahren erreichten die Fangmengen bei knapp 3 Mio. Tonnen im Nordwestatlantik und rund 6,5 Mio. Tonnen im Nordostatlantik ihren historischen Höchststand, doch schon bald darauf machten sich erste Anzeichen einer deutlichen Überfischung bemerkbar; die Erträge brachen ein. 1983 wurden im Rahmen der Europäischen Gemeinschaft die Grundlagen für eine gemeinsame Fischereipolitik gelegt, allerdings nur auf dem Papier. Da die Kommission nur Empfehlungen aussprechen konnte, aber völlig machtlos war, wenn sie nicht eingehalten wurden, ging die Überfischung weiter, sie nahm sogar zu: Allein in den Jahren von 1970 bis 1992 verdoppelte sich die Zahl der Fischtrawler, auch die Zahl der kleineren Fangschiffe nahm signifikant zu. Erst nachdem die Fangmengen Anfang der 1990er-Jahre dramatisch einbrachen, wurde das Ziel einer Stabilisierung der Bestände mit verschärften Kontrollen und Kontingentierungen konsequenter verfolgt.

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Aktuelle Situation im Nordostatlantik

Eine Art gilt als „überfischt“, wenn mehr Fische gefangen werden als nachwachsen können, wenn also die Biomasse an Laichtieren einen Wert unterschreitet, der als reproduktionsbiologisch notwendig gilt, um eine Befischung dieser Art dauerhaft zu gewährleisten. Die Karte 263.3 zeigt, dass die Fischbestände in den Küstengebieten Europas, Islands und Kanadas zum überwiegenden Teil überfischt sind. Dies zeigen die Diagramme in der Karte 263.4 indirekt durch Rückgänge bei den Fangmengen. Zwischen den einzelnen Arten gibt es dabei große Unterschiede. Als besonders kritisch gilt die Situation beim Kabeljau und Plattfischen wie der Seezunge, während sie beim Hering als deutlich besser eingeschätzt wird.

Gründe der Überfischung

Wichtigste Ursache für den einstigen Fischreichtum des Nordatlantiks ist die hohe Planktonproduktion in dieser Region. Diese wiederum wird durch die vertikale Durchmischung des Wasserkörpers und die Süßwasserzufuhr mit den mineralischen Nährstoffen aus den Flüssen erreicht. Diesen günstigen ökologischen Bedingungen stehen seit einigen Jahrzehnten, vor allem im biologisch höchst produktiven Schelfbereich, eine ganze Reihe ökologischer Belastungen entgegen, darunter die Einleitungen von Schwermetallen, Säuren, Nitraten, Phosphaten und die Verschmutzung durch Öl.

Zu dem starken Druck auf die Fischbestände durch den hemmungslosen Einsatz moderner Fangtechniken und durch Überkapazitäten der nationalen Fangflotten kommen weitere Probleme. Das ist zum einen die – auch im Nordatlantik verbreitete – illegale Fischerei, die nach Angaben des Internationalen Rats für Meeresforschung (ICES) inzwischen zu rund einem Drittel an der Plünderung der weltweiten Fischbestände beteiligt ist. Ein zweites gravierendes ökologisches Problem ist der immens große Anteil des aus Jungfischen und diversen anderen Meerestieren bestehenden Beifangs, der nicht verwertet werden kann oder darf und deshalb als „Trash-Fish“ tot ins Meer zurückgeworfen wird. Nach Schätzungen der Welternährungsorganisation (FAO) werden auf diese Weise noch immer jährlich 30 Mio. Tonnen Meerestiere sinnlos vernichtet. Vor dem weltweiten Verbot der Treibnetz-Fischerei lag dieser Wert sogar noch um ein Vielfaches höher. Bei der Fischerei auf die Seezunge, einem besonders beliebten Speisefisch, liegt der Anteil des Beifangs bei rund 80 Prozent, bei der Krabbenfischerei mit ihren sehr engmaschigen Netzen sogar noch darüber. Zudem gab und gibt es in der Industriefischerei extrem zerstörerische Fangmethoden wie die zum Fang von Plattfischen und Krabben eingesetzten Schleppnetze, die über den Meeresboden pflügen und alles Leben dort verwüsten.

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Fischfang in der Nordsee

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