Mexiko-Stadt - Hochlandmetropole

Mexiko - Lateinamerikanische Stadt

978-3-14-100800-5 | Seite 223 | Abb. 5 | Maßstab 1 : 500.000
Mexiko-Stadt | Hochlandmetropole | Mexiko - Lateinamerikanische Stadt | Karte 223/5

Überblick

Mexiko-Stadt ist der größte städtische Agglomerationsraum in Mittelamerika. In der Stadt selbst leben rund 9 Mio. Einwohner, in der Stadt und ihrem Umland rund 21 Mio. Der Agglomerationsraum ist mit 7866 Quadratkilometern knapp halb so groß wie Thüringen.

Auf den Trümmern des aztekischen Tenochtitlán erbaut, zählt Mexiko-Stadt heute zu den Megastädten der Erde. Die gravierenden Umweltprobleme, die sich aus der enormen Bevölkerungsballung ergeben, werden seit wenigen Jahrzehnten ganz gezielt und zum Teil auch erfolgreich bekämpft. Nicht minder groß sind in Mexiko-Stadt die sozialen Probleme, vor allem unter den Bewohnern der ausgedehnten Slums.

Relief und Klima

Mexiko-Stadt liegt in einem abflusslosen Hochtal der Kordilleren in einer Höhe von etwas über 2200 Metern. Die umrahmenden Gebirgszüge mit ihren Vulkanen erheben sich an der Ostflanke über 5000 Meter hoch (Ixtaccihuatl 5286 Meter), im Süden in der Sierra del Ajusco bis knapp 4000 Meter und im Westen in der Sierra las Cruces bis 3193 Meter Höhe.

Die Kessellage ist ein strukturelles Problem der Megastadt. Sie äußert sich bei zunehmender Bevölkerungs-, Autoverkehrs- und Industrieverdichtung in nicht ausreichender Ventilation:

• horizontal, indem die am Nordeingang des Hochtals freigesetzten Industrieemissionen mit der nordöstlichen Passatströmung in den Hochtalkessel hineingetrieben werden und nicht zurückfließen,

• vertikal, indem der so gerichtete Luftaustausch durch die nicht seltenen Inversionswetterlagen behindert oder gar unmöglich gemacht wird.

Zur Zeit der Azteken war dies kein Problem, aber im emissionsreichen Hauptstadtmilieu der Gegenwart – mit Wärmeinseln, Abgasen von Kraftfahrzeugen und Industrie, Smog, Staub und Schmutzpartikeln in der Luft – wird dies schnell zu einer starken Belastung.

Mexiko-Stadt liegt randlich zu den Tropen. Der jahreszeitliche Wechsel umfasst eine Regenzeit im Sommer (Mai bis Mitte Oktober) und eine Trockenzeit in den Wintermonaten (Ende Oktober bis April). Niederschläge von durchschnittlich 710 Millimetern pro Jahr ermöglichen unter normalen Bedingungen eine perennierende Wasserführung der Flüsse und einen Regenfeldbau ohne künstliche Bewässerung. Die potenzielle Verdunstung ist mit 1400 Millimetern pro Jahr sehr hoch.

Von jeher galten die Lebensbedingungen in dieser Region als einladend: die dank der Höhenlage relativ ausgeglichenen Temperaturen, die trocken-klare Luft, der Wechsel von fruchtbaren Ackerebenen und beeindruckenden schneebedeckten Sierren, nicht zuletzt das meist sonnige Wetter.

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Aktuelle Probleme der Stadtentwicklung

In den Phasen mit besonders starkem Bevölkerungswachstum – allein zwischen 1950 und 1970 wuchs die Bevölkerung von Mexiko-Stadt (nicht Ballungsraum) von 3,1 Mio. auf 6,8 Mio. – entfiel der größte Teil des Bevölkerungsgewinns auf Binnenmigration. Einen hoher Anteil der Zuwanderer lebte als marginalisierte Bevölkerung entweder am Stadtrand in „Ciudades Proletarias“ wie der eigenständigen Stadt Nezahualcóyotl (2010: 1,1 Mio. Einwohner) oder in „Ciudades Perdidas“ („verlorenen Städten“), die über das ganze Stadtgebiet verteilt liegen. Daraus resultieren starke soziale Spannungen.

Die Trinkwasserversorgung hat sich zu einem vordringlichen Problem entwickelt. Der natürliche Zufluss in das Hochtal (20 bis 25 m3/s) ist deutlich geringer als der Verbrauch (mehr als 60 m3/s). Das Defizit wird durch Wasserzuleitung aus benachbarten Hochtälern gedeckt.

Auch die Verbesserung der Luftqualität ist eine drängende Aufgabe. Industrie und Verkehr sind die Hauptverursacher der Luftbelastung. Inzwischen ist es gelungen, die extreme Zahl der Überschreitung von Grenzwerten zu verringern.

Unter dem mexikanischen Präsidenten Zedillo wurden ökologische Gesichtspunkte stärker in die Entwicklungspolitik des Agglomerationsraums einbezogen. Ein neues Umweltministerium wurde geschaffen, in dem die bis dahin zersplitterten umweltbezogenen Kompetenzen gebündelt wurden. Das ökologisch sanierte Texcoco-Gebiet wurde als ökologisch schützenswert klassifiziert und strikt von künftiger Besiedlung ausgenommen.

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Wasserbaumaßnahmen und ihre Folgen

Die in der Karte eingezeichnete Uferlinie des Texcoco-Sees um 1500 lässt erkennen, wie sehr sich die Stadt über ehemalige Wasser- und Feuchtflächen ausgebreitet hat. Voraussetzung dafür waren umfangreiche Wasserbaumaßnahmen, mit denen der See zurückgedrängt wurde.

Unter spanischer Herrschaft wurden Vorkehrungen zur Ausweitung des Siedlungslands und zur Verringerung der Überschwemmungsgefahr getroffen. Das Wasser des Texcoco-Sees wurde dafür durch neue Kanäle und Gebirgsdurchstiche in das nördliche Flusssystem abgeführt. Dabei gab es Rückschläge in Form verheerender Überschwemmungen, vor allem wenn in Starkregenperioden der Abfluss durch Erdbeben, Einstürze, Verschüttungen oder Unterspülungen blockiert wurde. Dann war das stark verkleinerte Seebecken dem enormen Wasserandrang nicht gewachsen. Das Wasser floss zurück bis in die Siedlungsbereiche auf ehemaligem Seegrund und in das alte Zentrum, entgegen der vorgesehenen Ablaufrichtung. Dieser Effekt verstärkte sich, weil der städtische Baugrund infolge der Absenkung des Grundwasserspiegels absackte und dadurch das Ablaufen von Oberflächenwasser verhinderte. Noch heute stehen Straßenunterführungen und Metroeingänge oft in kürzester Zeit unter Wasser. Das Absacken des Baugrunds wurde durch das Gewicht massiver Gebäude beschleunigt.

Die Wasserbaumaßnahmen dauern bis heute an. Südlich des Restsees wurde eine neue Entlastungsstraße quer durch das Becken angelegt. An ihren Flanken sind ein größerer und einige kleinere Seen zu erkennen. Es handelt sich um künstlich geschaffene Wasserbecken, die zur Sanierung des ehemaligen Seebodens beitragen sollen. Auf Tiefe angelegt und vertikal sehr aufnahmefähig, sollen diese neuen Seen das Problem der flächenhaften Seespiegelschwankungen eindämmen. Diese hatten eine Vegetationsbedeckung unmöglich gemacht und waren so die Ursache für Staubstürme („Tolvaneras“), die regelmäßig die Stadt heimsuchten. Das Problem der Staubauswehungen konnte dadurch verringert werden, dass der größte Teil des ehemaligen Seegrundes begrünt wurde bzw. von allein mit dem Gras zuwucherte.

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Wirtschaft und Industrie

Mexiko-Stadt ist eine der wichtigsten Industriestädte des Schwellenlandes Mexikos. Die Hauptstadt wird seit der Jahrtausendwende von „schmutzigen“ Industrien entlastet. Die Standorte werden in peripher gelegenen Industrieparks und -korridoren gebündelt. Ein industrieller Schwerpunkt ist der Raum Azcapotzalco – Cuautitlán im Norden, der verkehrsgünstig an Verkehrsachen liegt und dadurch in enger Verbindung mit der Maquiladora-Zone an der Grenze zu den USA steht. Eine weitere Industriekonzentration ist die von Iztapalapa am Ostrand der Stadt, gelegen an der Grenze zu Nezahualcóyotl. Durch ihren Autobahnanschluss in Richtung Osten und Süden orientiert sie sich primär nach Puebla (mit einem Volkswagenwerk) und zur Golfküste (Veracruz, s. 226.1).

Den wirtschaftlichen Transformationsprozess bestimmt gegenwärtig der tertiäre Sektor, in dem sich die Zahl der Beschäftigten mehr als verdoppelt hat. In der Hauptstadt sind repräsentative Leitungsfunktionen aus Industrie und Verwaltung konzentriert, insbesondere im nationalen Versorgungs- und Dienstleistungssektor (zum Beispiel Bankwesen, Börse und Telekommunikation).

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