Mecklenburg-Vorpommern - Nordische Vereisungen

Mecklenburg-Vorpommern - Naturraum und Ostsee

978-3-14-100381-9 | Seite 14 | Abb. 1
Mecklenburg-Vorpommern | Nordische Vereisungen | Mecklenburg-Vorpommern - Naturraum und Ostsee | Karte 14/1

Überblick

Das norddeutsche Tiefland erstreckt sich von der Nord- und Ostseeküste bis zu den deutschen Mittelgebirgen. Die Oberflächenformen des norddeutschen Tieflandes wurden maßgeblich durch die Eismassen der letzten Kaltzeiten (Eiszeiten) und ihre Schmelzwasser geprägt. In drei aufeinanderfolgenden Eiszeiten schoben sich skandinavische Inlandgletscher weit nach Süden vor und transportierten dabei große Mengen Gesteinsmaterial bis nach Norddeutschland. Benannt wurden die einzelnen Eiszeiten nach den Flüssen, die die weiteste Ausdehnung der jeweiligen Eisschilde markieren: Elster, Saale und Weichsel.

Glaziale Serie

Bei den einzelnen Gletschervorstößen entstand in Norddeutschland ein regelmäßiger eiszeitlicher (glazialer) Formenschatz. Diese glaziale Serie besteht aus der Grundmoräne, der Endmoräne, die bogenförmig um das Becken der Grundmoräne angeordnet ist, und den davor liegenden Sandern. Die Grundmoräne führt große Mengen Gesteinsmaterial (sogenanntes Geschiebe) mit sich, welches am Ende des Gletschers zur wallartigen Endmoräne zusammengeschoben wird. Sander sind weite Schotterebenen, die durch austretende Schmelzwasser der Gletscher entstanden sind. Die Schmelzwasser sammelten sich in breiten Urstromtälern und flossen mit dem Wasser der von Süden kommenden Flüsse parallel zum Eisrand nach Nordwesten ins Meer ab. Die Gletscher der ältesten Eiszeit (Elstereiszeit, vor ca. 350 000 Jahren) drangen bis an den Rand der deutschen Mittelgebirge vor. Die Spuren dieser Eiszeit wurden allerdings von den nachfolgenden Eiszeiten (Saale- und Weichseleiszeit) und den dazwischen liegenden Warmzeiten, den sogenannten Interglazialen, weitgehend überformt. Die typische Abfolge der glazialen Serie ist daher meist nur in Landschaften erhalten, die während der letzten Eiszeit, der Weichseleiszeit, geprägt wurden. Diese Landschaften nennt man Jungmoränengebiete. Das Inlandeis der Saaleeiszeit (vor ca. 230 000 bis 130 000 Jahren) blieb in Nordostdeutschland hinter dem Gletschervorstoß der Elstereiszeit zurück. Die Gletscher der Weichseleiszeit (vor ca. 115 000 bis 10 000 Jahren) drangen auch in ihrer weitesten Vorstoßphase nicht über die Saale hinaus.

Moränenlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern

90 Prozent der Landesfläche von Mecklenburg-Vorpommern werden von den Jungmoränenlandschaften der Weichseleiszeit eingenommen. Die Landschaft wurde von der Lage der Eisränder der verschiedenen Gletschervorstöße geformt. Diese treten teilweise als klar erkennbare Höhenzüge des Nördlichen Landrücken in Erscheinung. Teil des Landrückens, der das Land in nordwest-südöstlicher Richtung durchzieht, ist die Mecklenburgische Seenplatte. Die meisten Seen bildeten sich in Toteislöchern oder Schmelzwasserrinnen. Toteislöcher entstehen, wenn Eisblöcke verschüttet werden und anschließend abschmelzen. Die kleinen, runden Löcher bilden heute oftmals Gewässer. Den einzelnen Eisrandlagen sind die fächerförmigen Sanderflächen vorgelagert. Die saaleeiszeitlichen Ablagerungen im Südwesten des Landes (Altmoränengebiet) wurden von den Schmelzwasserrinnen der jüngsten Eiszeit teilweise zerschnitten. Die Altmoränengebiete wurden zudem durch Abtragung und Ablagerungen umgeformt. Die Küste wurde erst infolge des Meeresspiegelanstiegs nach den Eiszeiten geprägt.

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