Kalifornien - Wasserwirtschaft

USA - Kalifornien

978-3-14-100800-5 | Seite 221 | Abb. 6 | Maßstab 1 : 6.000.000
Kalifornien | Wasserwirtschaft | USA - Kalifornien | Karte 221/6

Überblick

Für das internationale Amerikabild ist Kalifornien in gewisser Weise der Antipode zu New York. Während die Stadt an der Ostküste wie keine zweite das moderne Großstadtleben repräsentiert, ist der bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA so etwas wie die der Inbegriff des American Way of Life. An der Küste des Pazifiks gelegen, verbinden sich hier, wie nur in wenigen Teilen der Erde, klimatische Gunst mit landschaftlicher Schönheit und ökonomischer Prosperität.

Kalifornien steht seit vielen Jahren unangefochten an der Spitze der Bundesstaaten der USA bei der agrarischen Wertschöpfung, außerdem weist der Küstenstaat aufgrund eines anhaltenden Bevölkerungswachstums die höchste Einwohnerzahl der US-Bundesstaaten auf. Die ausufernden städtischen Agglomerationen in San Francisco und Los Angeles, vor allem aber die Landwirtschaft, benötigen viel Wasser.

Zu einem starken Anziehungspunkt für Siedler, Farmer und Unternehmen wurde Kalifornien erst im 20. Jahrhundert durch umfangreiche Bewässerungsprojekte, die heute die Grundlage für den intensiven landwirtschaftlichen Anbau im Kalifornischen Längstal bilden. Vor allem in den südlichen Bereichen des Längstals, wo weniger als 250 Millimeter Niederschlag fallen, ist Pflanzenbau ohne Bewässerung nicht möglich. Die beiden Karten zeigen die Vielfalt der agrarischen Landnutzung in Kalifornien und die zu diesem Zweck erforderlichen technischen Maßnahmen in der Wasserwirtschaft.

Wassernutzung und Bewässerungsprojekte

Um 1830 war Kalifornien vom Menschen noch wenig beeinflusst, der Raum wies eine weitgehend natürliche Vegetationsbedeckung auf. Die Gebirge wurden von Hartlaubgehölzen bzw. Wald eingenommen, im Südwesten und östlich des Gebirgszuges der Sierra Nevada waren aufgrund des Regenschattens Halbwüsten und Wüsten zu finden. Das Kalifornische Längstal wurde größtenteils von Strauch- und Wüstensteppe eingenommen.

Die ursprünglich vorhandene Vegetation ist heute vielfach durch Bewässerungsland, Dauerkulturen und Weiden ersetzt worden. Ermöglicht wurde die intensive landwirtschaftliche Nutzung erst durch weitreichende technische Maßnahmen zur Sicherstellung der Wasserversorgung. Letztere war vor allem aufgrund der Sommertrockenheit ein großes Problem, sowohl für die agrarische Nutzung als auch für die Versorgung der Städte.

Etwa 75 Prozent des in Kalifornien verfügbaren Oberflächenwassers stammen aus der Region nördlich von Sacramento, wo die Niederschläge relativ hoch sind und die Verdunstung vergleichsweise geringe Werte aufweist. Die Nachfrage konzentriert sich jedoch zu rund 80 Prozent auf das Gebiet südlich von Sacramento, wo die Niederschläge weitaus geringer sind und die Verdunstung ungleich höher ist. Dadurch entstehen beträchtliche Wasserdefizite. Hinzu kommt, dass im Süden der Agglomerationsraum Los Angeles liegt.

Zu dieser räumlichen Ungleichverteilung der Wasserressourcen kommt das zeitliche Auseinanderklaffen von Wasserangebot und -nachfrage. Die Wasserführung der Flüsse erreicht zwischen August und November ihr Minimum. Daher ist im Spätsommer nur ein sehr geringes Wasserangebot verfügbar, während die Nachfrage nach Bewässerungswasser in dieser Zeit besonders hoch ist.

Um die Wasserversorgung zu gewährleisten, wurden große Anlagen zum Speichern, Transportieren und Verteilen des Wassers errichtet. Für die Landwirtschaft waren das Central Valley Project (CVP) und das California State Water Project (SWP) die bedeutendsten Maßnahmen. Das Central Valley Project geht auf Planungen zurück, die bereits 1873 vorgelegt, aber erst zwischen 1938 und 1951 realisiert wurden. Die in den Wintermonaten im Nordteil Kaliforniens anfallenden Wassermengen werden gesammelt und in großen Reservoirs – vor allem dem Shasta-Stausee – gespeichert. Über Kanäle von mehr als 560 Kilometern Gesamtlänge wird das Wasser in die Bedarfsgebiete geleitet.

Das wichtigste Reservoir des in den 1950er-Jahren begonnenen State Water Projects ist der Oroville-Stausee, der wichtigste Kanal ist der 700 Kilometer lange California Aquädukt, der die Anbaugebiete im südlichen Kalifornien (bei San José und in Teilen des San-Joaquin-Tales) versorgt. Der California Aquädukt verbindet 20 Stauseen und Reservoirs, fünf Kraftwerke, 17 große Pumpstationen und etwa 200 Kilometer Seitenkanäle.

Die Versorgung der städtischen Räume erfolgt teilweise durch zusätzliche Systeme. So bezieht beispielsweise der Raum Los Angeles auch Wasser aus dem unmittelbar östlich der südlichen Sierra Nevada gelegen Owens Valley.

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Vielfältiger Anbau

In Kalifornien werden rund 400 verschiedene Nutzpflanzen angebaut. Der Bundesstaat steht bei zahlreichen pflanzlichen Produkten an der Spitze im US-Vergleich. Bei zahlreichen pflanzlichen Erzeugnissen beträgt der Anteil Kaliforniens mehr als 90 Prozent, zum Beispiel bei Mandeln, Artischocken, Brokkoli, Sellerie, Aprikosen, Feigen, Kiwis, Nektarinen, Pistazien, Industrietomaten und Walnüssen. Hinzu kommen hohe Marktanteile von mehr als einem Drittel bei Produkten wie Weintrauben, Salat, Avocados, Zitronen, Honigmelonen, Blumenkohl und Spinat. Im südlichen Teil des Kalifornischen Längstals, dem San Joaquin-Tal, spielt der Anbau von Mandeln, Wein, Baumwolle, Tomaten und Zitrusfrüchten eine wichtige Rolle, im nördlichen Sacramento-Tal wird auch Reis angebaut.

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