Island - Wirtschaft

Skandinavien, Baltikum - Wirtschaft

978-3-14-100803-6 | Seite 108 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 6.000.000
Island | Wirtschaft | Skandinavien, Baltikum - Wirtschaft | Karte 108/1

Überblick

Islands Fläche entspricht mit 100 250 Quadratkilometern gut einem Viertel Deutschlands, dabei beherbergt das Land mit seinen 326 000 Einwohnern (Stand 2014) weniger als 0,5 Prozent der deutschen Bevölkerung. Mit 3,1 Einwohnern pro Quadratmeter ist die Insel dünn besiedelt, mehr als ein Drittel der Bevölkerung lebt in Reykjavik. Die natürliche Wachstumsrate der Bevölkerung ist mit 0,7 Prozent im europäischen Vergleich überdurchschnittlich hoch; rund 3,5 Prozent der Bevölkerung sind Ausländer (v. a. Dänen, Schweden, US-Amerikaner).

Nach einem beispiellosen wirtschaftlichen Boom, angetrieben vor allem von der Finanzwirtschaft, wurde das Land durch die internationale Finanzkrise 2008 vor die größte Herausforderung seiner jüngeren Geschichte gestellt. Der drohende Staatsbankrott wurde von einer scharfen Rezession und einer immensen Verschuldung von Unternehmen und Privathaushalten begleitet. Mithilfe des IWF, internationaler Kredite und eines umfassenden staatlichen Stabilisierungs- und Reformprogramms hat das Land die Krise weitgehend gemeistert, 2011 verzeichnete die Wirtschaft erstmals wieder ein moderates Wachstum von 2,6 Prozent.

Die Fischerei, traditionell das Rückgrat der isländischen Wirtschaft, trägt noch immer rund zehn Prozent zum BIP bei, hat aber gegenüber Industrie und Dienstleistung in den letzten Jahren an Bedeutung verloren. Weil Island aufgrund seiner geographischen Lage mithilfe von Wasser- und Geothermie-Kraftwerken sehr preisgünstigen Strom erzeugen kann, wurden die Energiewirtschaft und einige energieintensive Industrien, namentlich die Aluminiumherstellung, ausgebaut. Auf Island werden inzwischen fast nur noch regenerative Energien genutzt; die Gebäudeheizung wird zu 90 Prozent geothermisch betrieben, der Strom wird zu 75 Prozent aus Wasserkraft und zu 25 Prozent aus Geothermie erzeugt.

Die Region Reykjavik ist unumstritten das wirtschaftliche Zentrum der Insel. Schwerpunkte neben der Fischverarbeitung, Aluminiumverhüttung und der Eisen- und Stahlerzeugung sind IT- und Softwareprodukte, Maschinen für die Lebensmittelindustrie, medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse, aber auch Dienstleistungen. Zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweigen zählte in den letzten Jahren der Tourismus, der inzwischen der größte Devisenbringer des Landes ist. 2013 kletterte die Zahl ausländischer Besucher auf die neue Rekordmarke von gut 780 000.