Greifswald-Ostseesiedlung - Umbau einer Plattenbausiedlung

Mecklenburg-Vorpommern - Bevölkerung

978-3-14-100381-9 | Seite 25 | Abb. 3
Greifswald-Ostseesiedlung | Umbau einer Plattenbausiedlung | Mecklenburg-Vorpommern - Bevölkerung | Karte 25/3

Überblick

Rund zwei Millionen Wohnungen wurden vor der Wiedervereinigung in den östlichen Bundesländern errichtet. Der sogenannte sozialistische Wohnkomplex, auch „Plattenbau“, war dabei ein vorherrschendes Bild in ostdeutschen Städten. Mehrgeschossige Wohnblocks wurden im Wechsel mit Grünflächen errichtet. Die Art der Bauweise und die Größe der Wohnungen bestimmten feste Planvorgaben. Die Ostseesiedlung in Greifswald ist ein solcher Wohnkomplex. Es wurde ab 1969 vor allem für die Mitarbeiter des Kernkraftwerks Lubmin errichtet und umfasste rund 14 000 Wohnungen. Es liegt ca. 2,5 km östlich des Stadtzentrums und in unmittelbarer Nähe des Greifswalder Boddens. Nach der Wende und der Schließung des Kernkraftwerkes im Jahr 1990 sank die Einwohnerzahl Greifswalds und damit die Nachfrage nach Wohnraum. Aufgrund der wenig attraktiven Wohnqualität standen im Ostseeviertel 2002 rund 18 Prozent der Wohnungen leer.

Eine „sanfte Stadterneuerung“

Nach der deutschen Wiedervereinigung im Oktober 1990 rückte die Erneuerung ostdeutscher Städte auf den Plan ostdeutscher Stadtplanungsbehörden. Die Umgestaltung der Ostseesiedlung erfolgte schrittweise in den Jahren 2002 bis 2009. Bei den Planungen konnten die Einwohner ihre Ideen einbringen. So kam es zu einer „sanften Stadterneuerung“, die auf den Einbezug der dort lebenden Menschen setzte. Ziele waren die Reduzierung des Wohnungsbestandes um ein Drittel und eine demographische und soziale Mischung der Einwohner.

Gesteigerte Wohnqualität

Durch den Rückbau der oberen Etagen wurde überschüssiger Wohnraum beseitigt. So konnte zunächst der Wohnungsleerstand behoben werden. Ein weiterer Punkt war die Aufwertung des Wohnbestandes, die dem Ostseeviertel ein neues Erscheinungsbild gegeben hat. Dazu gehörte die Sanierung und Wärmedämmung von Fassaden sowie der Bau von Dachterrassen, Wintergärten und Aufzügen. Auch wurden einige Gebäude ganz abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Der Abriss einiger Gebäude in Innenhöfen sorgte für mehr Freiflächen. Auch der Umbau zu größeren Wohnungen hat dazu geführt, dass Wohnen im Ostseeviertel attraktiver geworden ist. Dazu wurden Wände versetzt oder abgerissen, um engen Wohnraum zu beseitigen. Nach dem Umbau ist die Nachfrage nach Wohnungen im Ostseeviertel gestiegen. Durch den Rück- und Umbau sind es zwar weniger Wohnungen als vorher, aber es stehen nun auch keine Wohnungen mehr leer. Durch die Zusammenarbeit von Verantwortlichen und Bürgern konnte ein ehemaliges Problemviertel in ein gefragtes Wohngebiet mit vielen Grünflächen und guten Einkaufsmöglichkeiten umgewandelt werden. Heute wohnen im Ostseeviertel mehrere Generationen nebeneinander.