Europa - Europa am Ende der Herrschaft Karls des Großen um 814

Europa - Mittelalter

978-3-14-100870-8 | Seite 102 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 30.000.000
Europa | Europa am Ende der Herrschaft Karls des Großen um 814 | Europa - Mittelalter | Karte 102/1

Überblick

Als Karl der Große 768 n. Chr. die Herrschaft über das Frankenreich übernahm, umfasste es fast das ganze heutige Frankreich und die Hälfte des heutigen Deutschlands. Karls Vater Pippin III., der Jüngere, hatte 751 den Merowingerkönig abgesetzt und sich selbst zum König wählen und vom Papst legitimieren lassen. Dem Heiligen Vater überließ er im Gegenzug Gebiete, die er von den Langobarden erobert hatte, und legte damit den Grundstein für den Kirchenstaat ("Pippinschen Schenkung"). Innenpolitisch gelang es ihm, die durch Dialekte, Sitten und Bräuche unterschiedenen Herzogtümer der Bayern, Alemannen und Thüringer stärker in den fränkischen Machtbereich zu integrieren und zur Heeresfolge zu verpflichten.

Sein Sohn und Nachfolger Karl der Große zog fünf Jahre nach seiner Thronbesteigung über die Alpen und besiegte die Langobarden. Wenig später, im Jahr 778, kämpfte er gegen das maurische Spanien und errichtete im Nordosten der Iberischen Halbinsel die Spanische Mark. 787 setzte er den bayerischen Herzog Tassilo III. ab, wodurch Bayern seine Autonomie verlor. Die Sicherung der Ostgrenzen gelang ihm durch die Unterwerfung der Awaren (791-805), kriegerischer Reiterhorden aus Asien, die in Bayern eingefallen waren, und durch seine Kämpfe gegen die Böhmen, Sorben und die Lutizen (bis 812). Gleichzeitig behauptete er im Norden die Grenze zu Dänemark. Die größte militärische Kraftanstrengung seiner Regierungszeit waren jedoch die Kriege gegen die Sachsen, die 772 begannen und nach zahlreichen Kämpfen, Aufständen und Scharmützeln erst 804 mit ihrer Unterwerfung und Christianisierung endeten.

Durch die Beseitigung aller vormals selbstständigen Herzogtümer und Herrschaften gelang Karl dem Großen die Schaffung eines einheitlich organisierten Fränkischen Reiches, das nach außen durch die Einrichtung fränkischer Grenzmarken und fränkischer Einflussgebiete gesichert war. Gesetzestexte (Kapitularien) und die Aufzeichnungen älterer Volksrechte bezeugen seine gesetzgeberische Tätigkeit. Er förderte Bischofsschulen und Klöster, zog bedeutende Gelehrte an seinen Hof, sorgte für die Bewahrung lateinischer Überlieferungen und bewirkte durch die Verschmelzung von antikem Erbe und christlicher Religion nach den dunklen Jahrhunderten der Völkerwanderungen und des Frühmittelalters eine kulturelle Erneuerung ("Karolingische Renaissance") in West- und Mitteleuropa.

Die epochale Bedeutung des Frankenreichs beruhte auf der Verlagerung des politischen Schwerpunkts vom Mittelmeerraum in die Gebiete nördlich der Alpen. Nachdem Karl am 25. Dezember 800 in Rom zum Kaiser eines unter christlichen Vorzeichen erneuerten Römischen Reiches gekrönt worden war, war sein Status als Schirmherr und Oberhaupt aller Christen gänzlich unangefochten. (Erst unter Otto dem Großen, der 962 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde, bahnte sich jener Machtkampf zwischen Papst und Kaiser an, der später in den Investiturstreit mündete.)

Als die Enkel Karls des Großen 843 im Vertrag von Verdun das Reich unter sich aufteilten, erhielt Ludwig der Deutsche das Land östlich des Rheins und der Aare als Reich der Ostfranken. Weitere Teilungen folgten durch die Verträge von Meerssen (870) und Ribemont (880). Nach einer kurzen Wiederherstellung der Reichseinheit 885 kam es 887 zur endgültigen Trennung in das Westfränkische Reich, das Ostfränkische Reich, Burgund und Italien. Diese Teilung besiegelte das Ende des fränkischen Großreichs und markierte zugleich den Beginn einer eigenständigen Entwicklung der Teilreiche.

Der einsetzende Reichsverfall nach dem Tode Karls begünstigte Plünderungsfahrten, mit denen die aus Skandinavien stammenden Wikinger ab dem ausgehenden 8. Jahrhundert die Küsten Europas überzogen. Norwegische Wikinger überfielen zunächst die Nordostküste Englands und besetzten Nordschottland und Irland. Einige zogen die Atlantikküste in südlicher Richtung entlang und erreichten durch die Straße von Gibraltar die Mittelmeerküsten, andere besetzten die Shetland-Inseln, die Färöer-Inseln und Island. Dänische Wikinger überfielen England und das Frankenreich, später eroberten sie die Normandie. Schwedische Wikinger überquerten die Ostsee und gründeten entlang den slawisch besiedelten Küsten verschiedene Herrschaften.

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