Erde - Agrarregionen

Erde - Reale Vegetation und Landnutzung

978-3-14-100800-5 | Seite 261 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 180.000.000
Erde | Agrarregionen | Erde - Reale Vegetation und Landnutzung | Karte 261/3

Überblick

Die Karte zeigt die Agrarregionen der Erde nach den jeweils vorherrschenden Formen der Landnutzung (Arten der Bodenbewirtschaftung und Viehhaltung, gemischte Formen). Zusätzlich ausgewiesen sind die Holzwirtschaft und Jagd in borealen Nadelwäldern. Dargestellt werden ausschließlich flächenhaft verbreitete Nutzungsformen in ihrer überwiegend zonalen Anordnung. Punktuelle Erscheinungsformen wie Oasen konnten nicht mit Einzelsignaturen berücksichtigt werden.

Grenzen des Anbaus

Die Anordnung und Verteilung der Agrarregionen ist in vielem ein Spiegelbild der natürlichen Gegebenheiten, insbesondere des Klimas. Die flächenhaft eingefärbten Agrarregionen der Erde finden ihre Grenzen dort, wo Kälte oder Trockenheit einen landwirtschaftlichen Anbau verwehren. Die Kältegrenze verläuft etwa auf der geographischen Breite des nördlichen Polarkreises bzw. in den höheren Lagen der Hochgebirge. Nördlich davon liegen einige extensiv durch Weidewirtschaft genutzte Gebiete, vor allem aber nicht nutzbare Räume (in der Karte weiß).

Auch die aufgrund ihrer Trockenheit unbewohnbaren Gebiete der Erde sind in der Karte als weiße Flächen ausgewiesen (Trockengrenze). Sie liegen überwiegend im Inneren der Kontinente, vor allem in Afrika, Asien und Australien. Weitere, allerdings weniger ausgedehnte Trockenwüsten finden sich an den Westküsten Afrikas und Südamerikas. Halbwüsten, Wüsten und die trockeneren Steppen Asiens erlauben keinen Ackerbau. An seine Stelle tritt hier eine extensive Wanderweidewirtschaft in Form der Viehhaltung, die traditionell mit nomadischen Lebensformen verbunden ist.

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Die Agrarregionen

Beiderseits des Äquators in den Gebieten des tropischen Regenwaldes herrscht die Landwechselwirtschaft vor. Da die Böden dieser Region von geringer Fruchtbarkeit sind, benötigen sie längere Brachzeiten. Eine für die letzten Regenwälder in dieser Region – bei mittleren und hohen Bevölkerungsdichten – sehr bedenkliche Folge der geringen Bodenfruchtbarkeit ist der Wanderfeldbau, bei dem durch Brandrodung ständig neue Freiflächen geschaffen werden, die dann für kurze Zeit dem Plantagen- und Ackerfeldbau dienen.

In den übrigen Tropen stehen die agrarischen Nutzungsmöglichkeiten und -formen in Abhängigkeit von Menge und Verteilung der Niederschläge. Sie reichen vom ganzjährigen Anbau mit mehreren Ernten in den immerfeuchten Tropen über den Anbau in der niederschlagsreicheren Jahreszeit mit ein bis zwei Ernten in der Feuchtsavanne bis zu Nutzungsformen der niederschlagsärmeren Trockensavannen. In der traditionellen Landwirtschaft der Tropen werden vor allem Feldpflanzen für die Nahrungsmittelversorgung angebaut. Hinzu kommen Marktprodukte unterschiedlicher Art. Die Durchmischung mit Viehhaltung nimmt in den trockeneren Regionen immer stärker zu. Ein wichtiges Element sind Plantagenerzeugnisse wie Bananen und Kakao, die für den Weltmarkt produziert werden.

Die Landnutzung in den Subtropen ist vielfältig. In den maritimen und kontinentalen Varianten dieses Landschaftsgürtels gibt es spezialisierte und gemischte Formen der Agrarwirtschaft. Eine besondere Form der Bewässerungswirtschaft ist der in Ost- und Südostasien weit verbreitet Nassreisanbau; regional bedeutsame Vorkommen finden sich auch an der Ostküste Südamerikas. Ansonsten wird in Südamerika, ähnlich wie im mittleren und westlichen Nordamerika, in Südwestafrika und in großen Teilen Australiens extensive, meist stationäre Weidewirtschaft betrieben. Verschiedene Formen spezialisierter Farmwirtschaft ergänzen die genannten Gebiete. Eine gemischte Landwirtschaft mediterraner Prägung ist rund um das Mittelmeer, in Kalifornien und Australien anzutreffen.

Große Räume nehmen die Agrarregionen der gemäßigten Breiten ein. Von den Trockengebieten Innerasiens und den intramontanen Becken Nordamerikas abgesehen, beherrschen drei Nutzungsformen das Landschaftsbild agrarischen Handelns. In Europa und Ostasien dominieren Varianten der gemischten Landwirtschaft mit unterschiedlichen Akzentuierungen in Ackerbau, Viehhaltung und Teilspezialisierungen, während in den ozeanisch geprägten Gebieten und den größeren Höhenlagen Europas, Nordamerikas und Südostaustraliens die intensive Grünlandwirtschaft vorherrscht. Die dritte Agrarregion ist die Zone des nördlichen Nadelwalds auf der Nordhalbkugel, die allerdings als nur eingeschränkt ackerbaufähig bewertet werden muss.

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Graphiken

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Wechsel von der shifting cultivation zur Agrarkolonisation

Der heutige tropische Ackerbau ist vielfach gekennzeichnet durch moderne Agrarkolonisation, wie zum Beispiel entlang der Transamazonica in Brasilien oder der Kakao- und Kaffeekolonisation in Westafrika. Damit einher gehen eine zunehmende Marktproduktion und Globalisierungsdruck. Dadurch nehmen die ökologischen und wirtschaftlichen Probleme der Bauern in der Regel zu. Dazu zählen unter anderem die Monokulturen mit einem relativ leichten Krankheitsbefall der jeweiligen Anbaufrucht, mit Bodenerschöpfung und Bodendegradation, was langfristig zur Zerstörung der ackerbaulichen Grundlage führt. Darüber hinaus bedeutet die Marktproduktion häufig Verschuldung bis Missernte und Abhängigkeit vom Markt, zum Beispiel durch wechselnde Preise und sich wandelnde Geschmäcker der Verbraucher.
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