Dorfformen

Deutschland - Wandel ländlicher und städtischer Siedlungen

978-3-14-100800-5 | Seite 77 | Abb. 5
 | Dorfformen | Deutschland - Wandel ländlicher und städtischer Siedlungen | Karte 77/5

Überblick

Den Dorfformen liegt eine Unterscheidung nach physiognomischen Merkmalen zugrunde, insbesondere sind die Lage der Siedlung innerhalb des umgebenden Naturraums, der Straßen- und Wegegrundriss, die Lage des Dorfplatzes, die Anordnung der Gehöfte und Flurstücke zu nennen.

In den einzelnen Teilregionen Deutschlands haben sich unter dem Einfluss von Naturraum, Tradition, Kultur und Gesetzgebung unterschiedliche Dorfformen herausgebildet. Sie sind häufig noch in den heutigen Siedlungsstrukturen erkennbar, allerdings überall stark überformt. Entwicklungen ländlicher Siedlungen in der Gegenwart, zum Beispiel die Suburbanisierung im ländlichen Raum (s. 77.6), werden von den Dorfformen nicht abgebildet.

Straßendörfer. Die Gehöfte liegen in zwei Reihen beiderseits eines Hauptwegs oder einer Hauptstraße. Sie beruhen auf einer planmäßigen Dorfanlage und kommen vor allem im Osten Deutschlands vor. Die oft streifenförmigen Flurstücke liegen direkt hinter den Höfen.

Streusiedlung (Weiler). Bei Streusiedlungen liegen einzelne Höfe oder kleine Hofgruppen relativ gleichmäßig verteilt im Kulturland. Sie haben keinen gemeinsamen Dorfkern. Dies ist zum Beispiel in Nordwestdeutschland oder im Allgäu (s. 59.8) der Fall. Die unregelmäßigen Flurstücke liegen in der Umgebung der Höfe.

Waldhufendorf. Waldhufendörfer sind typisch für die mittelalterlichen Rodungsgebiete in den Mittelgebirgen. Die Lage der Höfe und Flurstücke ähnelt den Straßendörfern, allerdings gibt es hier nur eine Häuserreihe.

Runddorf. Bei Runddörfern gruppieren sich die Höfe um einen zentralen runden oder hufeisenförmigen Dorfplatz. Sie kommen dort vor, wo im späten Mittelalter deutsche und slawische Bevölkerung aufeinander trafen. Rundplatzdörfer bieten Vorteile bei der Verteidigung. Der geschützte Dorfplatz bot ausreichend Raum, um zum Beispiel das Vieh aufzunehmen.

Angerdorf (Platzdorf). Sie sind wie die Straßendörfer als planmäßige Siedlungen entstanden, unterscheiden sich von diesen aber durch einen Dorfplatz mit linsenförmigem Grundriss, an dem sich der Hauptweg gabelt und auf dem zum Beispiel die Kirche, das Pfarrhaus und ein Dorfteich liegen. Der Platz war aber je nach Bedarf zum Beispiel auch Treffpunkt der Dorfbevölkerung oder temporäre Viehweide. Angerdörfer sind in Ostdeutschland weit verbreitet.

Haufendorf. Offensichtliches Merkmal ist der unregelmäßige Straßen- und Wegeverlauf, der auf eine ungeplante Besiedlung zurückzuführen ist. Die Höfe sind unregelmäßig angeordnet, die Flurstücke liegen verstreut außerhalb des Dorfes in der Feldflur. Haufendörfer sind die am weitesten verbreitete historische Siedlungsform zum Beispiel im Süden Deutschlands. Ein Beispiel ist Anspach (s. 76.2).

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