Deutschland - Migrationshintergrund

Bevölkerung und Migration

100849 | Seite 50 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 7.000.000
Deutschland | Migrationshintergrund | Bevölkerung und Migration | Karte 50/4

Überblick

Im Jahr 2011 lebten in Deutschland rund 16 Mio. Menschen mit einem Migrationshintergrund. Zwei Drittel dieser Personen (10,7 Mio.) waren selbst zugewandert, bei etwa einem Drittel handelte es sich um Migranten der zweiten oder dritten Generation, die schon selbst in Deutschland geboren wurden. Mehr als die Hälfte (54,9 %) dieser Bevölkerungsgruppe waren Deutsche (darunter Eingebürgerte, Aussiedler und Spätaussiedler, Nachkommen der vorgenannten Personengruppen usw.), die übrigen (45,1 %) waren Ausländer. Die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund ist von 2005 bis 2011 um etwa 1,2 Mio. Menschen gestiegen; lag ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung 2005 noch bei 17,9 Prozent, stieg er bis 2011 auf 19,5 Prozent. Ursächlich für diese relativ starke prozentuale Zunahme sind zwei gegenläufige Tendenzen: Während die Bevölkerung mit Migrationshintergrund in den letzten Jahren durch Zuzug und Geburten gewachsen ist, gibt es bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund Schrumpfungstendenzen (vgl.80.4, 81.5, 81.6). Alle Prognosen gehen davon aus, dass der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund mittelfristig steigen wird.

Verteilung nach Ländern

Die Karte zeigt, dass der Anteil von Personen mit Migrationshintergrund im Osten deutlich kleiner ist als im Westen. Vor allem in ländlich geprägten, peripheren Regionen mit geringer Wirtschaftsdynamik ist er verschwindend gering; im Durchschnitt lag der Anteil 2011 in Ostdeutschland deutlich unter 5 Prozent.

Rund 96 Prozent aller Personen mit Migrationshintergrund leben in Westdeutschland oder in Berlin. Räumliche Schwerpunkte finden sich sowohl im Westen als auch im Süden; sie sind noch immer weitgehend identisch mit den ehemals stark industrialisierten Städten und Regionen, in denen während des „Wirtschaftswunders“ und des Arbeitskräftemangels der forcierte Zuzug sogenannter Gastarbeiter begann (s. 80.4).

Die höchsten prozentualen Anteile an der Bevölkerung haben Menschen mit Migrationshintergrund in den Stadtstaaten Bremen (28,2 %) und Hamburg (27,0 %), gefolgt von den Flächenländern Baden-Württemberg (26,2 %) und Hessen (25,3 %); den fünften Rang belegte Berlin (24,8 Prozent), wo sich im Laufe der letzten Jahrzehnte die größte türkische Gemeinde außerhalb der Türkei herausgebildet hat. Nach absoluten Zahlen liegt allerdings Nordrhein-Westfalen im Ranking der Bundesländer deutlich an der Spitze; dort leben etwa 4,3 Mio. Personen mit Migrationshintergrund, das ist jeder vierte Mensch dieser Bevölkerungsgruppe in Deutschland.

Auf der Ebene der Gemeinden gilt in der Regel, dass der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund mit der Größe der Gesamtbevölkerung wächst. Während der Anteil in Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern 2011 in aller Regel deutlich unter zehn Prozent lag, stellten Personen mit Migrationshintergrund in Gemeinden über 50 000 Einwohnern häufig durchschnittlich ein Viertel der Bevölkerung.

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Herkunftsländer der Migranten

Mehr als die Hälfte aller Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland sind Europäer. Vor allem Personen mit eigener Migrationserfahrung stammen zu fast 70 Prozent aus einem europäischen Land. Nach Ländern gerechnet, ist die Türkei das mit Abstand wichtigste Herkunftsland. (18,5 Prozent aller Personen mit Migrationshintergrund stammen von dort.) Rund 9 Prozent sind als Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland gelangt. Unter den nichteuropäischen Ländern lag Kasachstan 2011 mit einem Anteil von 5,8 Prozent an der Spitze. Bei 8 Prozent der betreffenden Personen ist die Staatsangehörigkeit unklar.

Jede fünfte Person mit Migrationshintergrund zählte 2011 zum Personenkreis der Aussiedler oder Spätaussiedler. Die meisten kamen aus Nachfolgestaaten der früheren UdSSR nach Deutschland, vor allem aus Russland (612 000) und Kasachstan (575 000).

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