Deutschland - Bevölkerungsdichte

Deutschland

978-3-14-100870-8 | Seite 74 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 6.000.000
Deutschland | Bevölkerungsdichte | Deutschland | Karte 74/2

Überblick

Betrachtet man die aktuelle Verteilung der Bevölkerungsdichte in Deutschland, so lässt sich ein Hauptdichteband erkennen. Aus dem Ballungsgebiet Randstad in den Niederlanden kommend, verläuft es ungefähr in Nord-Süd-Richtung entlang der Nieder-, Mittel- und Oberrheinachse bis in das Schweizer Mittelland (s. auch 74.1). In Deutschland finden sich darin zwei besonders verstädterte Abschnitte, zum einen das Rheinland zwischen Duisburg und Bonn und das Ruhrgebiet, zum anderen der nördliche Oberrhein zwischen Wiesbaden und Karlsruhe. Beide Räume sind typische polyzentrische Stadtregionen. Das Hauptdichteband hat bedeutende Seitenbänder, die bis tief nach Deutschland hineinreichen:

• Ein Seitenband erstreckt sich von Köln in Richtung Aachen und von dort aus weiter in das länderübergreifende, hochverdichtete und auf allen Ebenen stark interagierende Städtedreieck Aachen-Maastricht-Lüttich. Der Raum Aachen wird vielfach als Teil des Rhein-Ruhr-Gebietes angesehen, jedoch sind die Verflechtungen in das niederländische Limburg (Heerlen/Sittard, Maastricht) und das belgische Wallonien (Verviers, Lüttich) ebenbürtig, seit mit dem Schengener Abkommen die inner-europäischen Staatsgrenzen ihre trennende Wirkung weitgehend verloren haben.

• Ein weiteres Seitenband erstreckt sich entlang des Neckar von Heidelberg über Heilbronn und Stuttgart nach Reutlingen.

• Ein vom Rhein-Neckar-Gebiet nach Westen abgehendes Seitenband zieht sich über Kaiserslautern in Richtung Saarland und bis zur französischen Grenze. Weiter westlich schließt sich daran ein halbmondförmiger Dichteraum an, der von Trier über Luxemburg, Esch und Thionville (Diedenhofen) bis nach Metz und Nancy reicht.

• Ein vom Rhein-Ruhr-Gebiet ausgehendes Seitenband verläuft entlang des nördlichen Mittelgebirgsrands bis nach Braunschweig, Wolfsburg und Magdeburg. Es wird nach Osten hin deutlich inselhafter als im Westen und weist dort größere Lücken auf. Im Südosten geht es in einen polyzentrischen Verdichtungsraum in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen über. Dieser hat die Form eines ungleichmäßigen Trapezes und wird etwa von den Städten Erfurt, Plauen, Bautzen und Halle markiert.

Außerhalb des Hauptdichtebandes und seiner Seitenbänder gibt es weitere polyzentrische Verdichtungsräume in Deutschland. Bayern weist zwei solche Dichtekonzentrationen auf: Der Main-Korridor westlich und östlich von Würzburg hat untere Dichtewerte, sodass man den dicht besiedelten polyzentrischen mittelfränkischen Kernraum um Nürnberg, Fürth und Erlangen in einer Insellage sehen kann. Ulm, Augsburg und München bilden eine Städtereihe mit hohen Werten der Bevölkerungsdichte im Süden.

Große inselartige Verdichtungsräume mit einer Kernstadt und ins Umland ausgreifenden Bevölkerungsverdichtungen sind zum Beispiel Hamburg und Berlin.

Ursachen der Bevölkerungsdichten in Deutschland

Die Tendenz zur regionalen Bevölkerungskonzentration steht in einem engen Zusammenhang mit den Prozessen der Verstädterung und Industrialisierung und ist insofern ein Resultat des 19. und 20. Jahrhunderts (s. 86.1). Lag in den vorhergehenden Jahrhunderten die Wachstumsrate der Städte kaum über dem allgemeinen Bevölkerungszuwachs, so änderte sich dies mit der Industrialisierung und der räumlichen Konzentration der Industrie. Standortpräferenzen zu Beginn der Industrialisierung waren zunächst Rohstoff- und Energievorkommen, aber auch die Verkehrslage. Das Ruhrgebiet ist ein frühes Beispiel für diese Entwicklung (s. 87.3).

Das schnelle Bevölkerungswachstum in Industriestädten war zum einen das Ergebnis einer ersten großen Wanderungsbewegung, der Landflucht, die zunächst das Umland, dann auch weiter entfernt gelegene Räume umfasste. Zum anderen war es eine Folge der Geburtenraten in den Städten, die in der Gründerzeit überdurchschnittlich hoch waren, nicht zuletzt aufgrund der Altersstruktur der Zuwanderer.

Für Industrieansiedlungen galt in der Phase der Industrialisierung das Prinzip der Selbstverstärkung: Infrastrukturvorteile, die sich mit der Industrialisierung entwickelt hatten, waren attraktiv für weitere Ansiedlungen. Deshalb sollte die Verknüpfung von Bevölkerungskonzentrationen und Industrialisierung nicht als ein monokausaler Prozess betrachtet werden. Die Industrialisierung war vielmehr eingebettet in einen gesellschaftlichen Wandel und eine allmähliche Verbesserung der Lebensverhältnisse. Moderne Massentransportmittel ermöglichten eine größere Konzentration von Menschen auf begrenztem Raum, wodurch sich Stadtregionen unterschiedlicher Verdichtung herausbilden konnten.

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