Das Wattenmeer - Gezeiten - Ebbe

Norddeutschland - Küstenlandschaften und Küstenschutz

978-3-14-100803-6 | Seite 33 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 500.000
Das Wattenmeer | Gezeiten | Norddeutschland - Küstenlandschaften und Küstenschutz | Karte 33/4

Überblick

Durch das Satellitenbild werden eindrucksvoll die Ausdehnung und der besondere Charakter des Wattenmeers an der Nordsee gezeigt. Bei Ebbe fallen große Flächen trocken oder liegen nur knapp unter dem Wasserspiegel. Sie zeichnen sich im Satellitenbild rechts durch hellgelbe bis gelblich-braune Farbtöne ab. Zwischen den trockengefallenen Gebieten liegen Priele. Durch die Priele fließt das Wasser im Wechsel der Gezeiten aus dem Wattenmeer ab bzw. strömt wieder ein. Lage und Größe der Wattflächen und Priele weisen eine hohe Veränderungsdynamik auf. Am Boden des Wattenmeers lebt eine einzigartige Flora und Fauna, die an die besonderen ökologischen Bedingungen, zum Beispiel den Salzgehalt des Bodens und den Wechsel von Überflutung und Trockenfallen, angepasst ist.

Als Gezeiten werden rhythmische Schwankungen des Meeresspiegels bezeichnet. Sie haben eine Periode von etwa 12,5 Stunden. Mit Flut wird die Phase steigenden Wassers bezeichnet die Phase fallenden Wassers nennt man Ebbe. Der Höhenunterschied von Hoch- und Niedrigwasser ist der Tidenhub; typische Werte an der deutschen Nordseeküste liegen zwischen zwei und drei Metern.

Ursache der Gezeiten sind zum einen die Anziehungskräfte von Sonne und Mond, die auf den Wasserkörper der Erde einwirken. Aufgrund der Rotation von Mond und Erde um einen gemeinsamen Schwerpunkt wirken darüber hinaus auch Zentrifugalkräfte. Sie bewirken, dass ein „Flutberg“ nicht nur auf der mondzugewandten Seite der Erde, sondern auch auf ihrer mondabgewandten Seite entsteht. Durch die Rotation der Erde um sich selbst tritt Ebbe und Flut an den Küsten als periodischer Vorgang auf.

Die Entstehung der Gezeiten wird zwar zum größten Teil durch den Einfluss des Mondes bestimmt, aber auch die Position der Sonne spielt eine Rolle. Bilden Sonne, Mond und Erde eine Linie (bei Neu- und Vollmond), so sind die Anziehungskräfte besonders stark und der Gezeitenhub ist groß.

Vor allem im Herbst und im Frühjahr kann der Fall eintreten, dass auflandiger Wind die Flut verstärkt, sodass die Pegelstände bei Flut mehrere Meter über den normalen Werten liegen. Man spricht dann von einer Sturmflut. Im Zuge des Klimawandels werden sich in Zukunft vor allem der steigende Meeresspiegelanstieg und die Zunahme von extremen Wetterereignissen bemerkbar machen. Die Grafik im Atlas zeigt das daraus resultierende Risiko anhand steigender Sturmfluthöhen. Auf der Sicherung der Deiche liegt daher besonderes Augenmerk.