Brandenburg - Nordische Vereisung

Brandenburg und Berlin - Landschaftsentwicklung

978-3-14-100380-2 | Seite 26 | Abb. 1
Brandenburg | Nordische Vereisung | Brandenburg und Berlin - Landschaftsentwicklung | Karte 26/1

Überblick

Das norddeutsche Tiefland erstreckt sich von der Nord- und Ostseeküste bis zu den deutschen Mittelgebirgen. Die Oberflächenformen des norddeutschen Tieflandes wurden maßgeblich durch die Eismassen der letzten Kaltzeiten (Eiszeiten) und ihre Schmelzwasser geprägt. In drei aufeinanderfolgenden Eiszeiten schoben sich skandinavische Inlandgletscher weit nach Süden vor und transportierten dabei große Mengen Gesteinsmaterial bis nach Norddeutschland. Benannt wurden die einzelnen Eiszeiten nach den Flüssen, die die weiteste Ausdehnung der jeweiligen Eisschilde markieren: Elster, Saale und Weichsel.

Glaziale Serie

Bei den einzelnen Gletschervorstößen entstand in Norddeutschland ein regelmäßiger eiszeitlicher (glazialer) Formenschatz. Diese glaziale Serie besteht aus der Grundmoräne, der Endmoräne, die bogenförmig um das Becken der Grundmoräne angeordnet ist, und den davor liegenden Sandern. Die Grundmoräne führt große Mengen Gesteinsmaterial (sogenanntes Geschiebe) mit sich, welches am Ende des Gletschers zur wallartigen Endmoräne zusammengeschoben wird. Sander sind weite Schotterebenen, die durch austretende Schmelzwasser der Gletscher entstanden sind. Die Schmelzwasser sammelten sich in breiten Urstromtälern und flossen mit dem Wasser der von Süden kommenden Flüsse parallel zum Eisrand nach Nordwesten ins Meer ab. Die Gletscher der ältesten Eiszeit (Elstereiszeit, vor ca. 350 000 Jahren) drangen bis an den Rand der deutschen Mittelgebirge vor. Die Spuren dieser Eiszeit wurden allerdings von den nachfolgenden Eiszeiten (Saale- und Weichseleiszeit) und den dazwischen liegenden Warmzeiten, den sogenannten Interglazialen, weitgehend überformt. Die typische Abfolge der glazialen Serie ist daher meist nur in Landschaften erhalten, die während der letzten Eiszeit, der Weichseleiszeit, geprägt wurden. Diese Landschaften nennt man Jungmoränengebiete. Das Inlandeis der Saaleeiszeit (vor ca. 230 000 bis 130 000 Jahren) blieb in Nordostdeutschland hinter dem Gletschervorstoß der Elstereiszeit zurück. Die Gletscher der Weichseleiszeit (vor ca. 115 000 bis 10 000 Jahren) drangen auch in ihrer weitesten Vorstoßphase nicht über die Saale hinaus.

Großlandschaften in Brandenburg

Hinter der Ostseeküste erstreckt sich eine hügelige Jungmoränenlandschaft. Dort verläuft vom östlichen Schleswig-Holstein bis zur Grenze nach Polen der Nördliche Landrücken. Seine höchste Erhebung sind die Helpter Berge (179 m). Der Nördliche Landrücken und das nordöstlich davon liegende hügelige Jungmoränengebiet entstanden während der Weichseleiszeit vor etwa 18 000 Jahren. Die wellige Hügellandschaft der Prignitz bildet ein nach Westen zur Elbe geneigtes Plateau (Abdachung). Im Osten wird dieses von einem Ausläufer der Mecklenburgischen Seenplatte begrenzt. Weiter im Osten schließen sich das große Waldgebiet der Schorfheide und bis zur Oderniederung die Uckermark an. Den großen mittleren Teil Brandenburgs nehmen die drei großen Urstromtäler Thor-Eberswalder Urstromtal, Warschau-Berliner Urstromtal und Glogau-Baruther Urstromtal ein. Landschaftlich ergänzt werden die Urstromtäler durch die von ihnen gebildeten Niederungen oder Flusstäler (Rhinluch, Havelländisches Luch, Oderbruch, Spreewald) und den zwischen ihnen aufragenden Platten. Zu ihnen zählen unter anderem der flachwellige Barnim mit der Märkischen Schweiz sowie Teltow mit seinen Sand- und Lehmböden. Oderbruch und Spreewald sind die größten Flusstäler, sogenannte Niederungsgebiete. Der Süden wird vom Altmoränengebiet des Südlichen Landrückens geprägt. Er entstand bereits während der vorletzten Eiszeit, der Saaleeiszeit. Altmoränenlandschaften sind im Vergleich zu Jungmoränenlandschaften weit länger der Abtragung ausgesetzt gewesen und daher meist flachwellig bis hügelig. Zum Südlichen Landrücken gehört im Westen auch der sich über etwa 100 Kilometer erstreckende Höhenrücken des Fläming. Der 200 Meter hohe Hagelberg im Fläming ist die höchste Erhebung Brandenburgs. Ganz im Süden hat Brandenburg noch Anteil am Lausitzer Urstromtal, das von der Schwarzen Elster durchflossen wird.

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