Bitterfeld-Wolfen 1989/2007

Wirtschaft

978-3-14-100761-9 | Seite 8 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 200.000
Bitterfeld-Wolfen 1989/2007 |  | Wirtschaft | Karte 8/1

Informationen

Heute wirbt die Stadt Bitterfeld-Wolfen mit dem Slogan "Ein hochmoderner Industriestandort im Grünen" um Investoren. Als Standortvorteile werden bei der Selbstdarstellung u. a. die Lage "im Herzen von Europa" und eine "nahezu einzigartige Symbiose aus Natur und Industrie" geltend gemacht. Bis zum Ende der DDR konnte von diesen Labels allerdings nicht die Rede sein.
Die Industriegeschichte des Standorts reicht bis in die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück: Bedeutend beim Wandel von der durch Bauern, Tuchmacher und Töpfer geprägten Wirtschaftsstruktur war der Braunkohletagebau, der 1839 südlich von Bitterfeld begann. Zwei Jahrzehnte später erhielt Bitterfeld Anschluss an die Eisenbahn, was die Industrialisierung vorantrieb. Mit den Konzernen AEG, Griesheim Elektron und AGFA wurde die Region an der Wende zum 20. Jahrhundert ein Zentrum der Chemieindustrie und der Elektrochemie. Vor dem Zweiten Weltkrieg kamen eine Aluminiumhütte und die IG Farben hinzu.

Bitterfeld-Wolfen in der DDR
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Unternehmen in Volkseigene Betriebe (VEB) der DDR umgewandelt. Das Elektrochemische Kombinat Bitterfeld wurde 1969 zum Chemiekombinat Bitterfeld. Zusätzlich existierten der VEB Industrie- und Kraftwerksrohrleitungsbau Bitterfeld und das Braunkohlenkombinat Bitterfeld. In Wolfen gab es daneben das Film- und Chemiefaserwerk Agfa Wolfen. Produziert wurde meistens an der Grenze der Kapazitäten, notwendige Modernisierungen und Belange des Umweltschutzes wurden nicht beachtet. Am Ende der DDR wurden die Ausmaße der Ausbeutung bekannt, Bitterfeld galt als "dreckigste Stadt Europas".

Bitterfeld-Wolfen nach der Wiedervereinigung Deutschlands
Ab 1990 zeigte sich, dass die Industriestruktur in den beiden noch eigenständigen Städten Bitterfeld und Wolfen (Fusion 2007) hoffnungslos überaltert war und einer kompletten Modernisierung bedurfte: Die Betriebe wurden geschlossen, der Abbau von Braunkohle beendet. Der auf der Karte sichtbarste Hinweis auf diese Zeit ist der Goitzschesee, der durch die Flutung der alten Tagebaugrube entstand.
Zum aufwändigen Strukturwandel zählten die Altlastensanierung und die Privatisierung der Industrieflächen. 1997 entstand der Chemiepark Bitterfeld-Wolfen, auf dessen über 1000 ha sowohl große Konzerne als auch mittelständische Firmen ihren Sitz haben. 2001 kam für die Hightech-Branche der Technologiepark Mitteldeutschland hinzu. 2009 standen in allen Industrie- und Gewerbegebieten von Bitterfeld-Wolfen mehr als 16 Mio. m² Nutzfläche zur Verfügung, was der Stadt eine herausragende Position als Industriestandort in den neuen Bundesländern sicherte. Zahlreiche renommierte Konzerne haben hier ihren Standort, darunter Akzo Nobel Base Chemicals, Bayer und Evonik. Mit Q-Cells hat sich 2001 der weltgrößte Produzent von Solarzellen angesiedelt. Dank weiterer Betriebe der Branche sieht man sich in Bitterfeld-Wolfen als "Solar Valley" (angelehnt an Silicon Valley in Kalifornien). Die tiefe Krise von 1990 ist überwunden: Im Chemiepark arbeiten 11 000 Beschäftigte, im Technologiepark sind es 2000 ? mit steigender Tendenz.
D. Falk

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