Zeitungsmeldungen prägen das Weltbild - Häufigkeit von Berichten über Länder (2006) in der Zeitschrift "Time"

Weltbild

978-3-14-100700-8 | Seite 258 | Abb. 2
Zeitungsmeldungen prägen das Weltbild | Häufigkeit von Berichten über Länder (2006) in der Zeitschrift

Informationen

Zeitungen und Zeitschriften sind schon seit Jahrhunderten, wenn auch inzwischen ergänzt durch Internet und Fernsehen, die wichtigsten Organe der öffentlichen Meinung. Zugleich aber sind sie — etwa seit der Entstehung der ersten Massenblätter um die Mitte des 19. Jahrhunderts — auch ganz normale Waren, die, ebenso wie alle anderen Gebrauchsgüter des täglichen Bedarfs, mit einer Vielzahl vergleichbarer Produkte um die Gunst der potenziellen Käufer konkurrieren.

Mediale Aufmerksamkeit
Um bei der "Abstimmung am Kiosk" erfolgreich zu sein, unterliegt die Nachrichtenauswahl in allen Medien einer Reihe selektiver Kriterien, die sich ihrerseits stark an den Vorlieben und Interessen der avisierten Käufer- und Leserschichten orientieren. Ob ein Ereignis als berichtenswert eingestuft wird, hängt zunächst stark von seinem Sensationswert ab, gleich ob dieser eher katastrophischer, politischer, kultureller oder ökonomischer Natur ist; weitere Kriterien sind seine weltpolitische Bedeutung, seine innenpolitische Tragweite, der Grad der Betroffenheit der eigenen Leserschichten, seine thematische Nähe zu anderen aktuellen Ereignissen oder öffentlichen Gegenständen, sein Unterhaltungswert und nicht zuletzt auch die Möglichkeiten, die es für eine anschließende und vertiefende Berichterstattung bietet.
Wie die schematischen Übersichten über die Nachrichtenschwerpunkte zweier renommierter Nachrichtenmagazine, des Hamburger "Spiegel" und des "Time Magazin" aus New York, deutlich zeigen, gibt es auch in der Berichterstattung ein klares Nord-Süd-Gefälle. Wie schon vor Jahren das "Dritte-Welt-Journalistennetz" bemängelte und wie zahlreiche Untersuchungen zu den Nachrichtenschwerpunkten vieler Medien belegen, spielen arme Weltregionen — gemessen an der Zahl der dort lebenden Menschen — in der Berichterstattung der reichen Industrienationen nur eine marginale Rolle.
Deutlich mehr Aufmerksamkeit wurde den Ländern im Nahen Osten und Afghanistan zuteil. Zum Teil machten sie sogar politische Schlagzeilen, und zwar vor allem deshalb, weil in ihnen die Großmacht USA entweder direkt als Konfliktpartei oder mittelbar als Schutzmacht Israels betroffen war. Zu den Regeln der Nachrichtenauswahl zählt auch, dass Konflikte enorm an öffentlichem Interesse gewinnen, wenn eine Industrienation in die Auseinandersetzungen involviert ist.
Der Vergleich der Nachrichtenschwerpunkte von "Time" und "Spiegel" offenbart mithin viele Gemeinsamkeiten, abgesehen davon, dass beide dem jeweils eigenen und den benachbarten Ländern eine größere Aufmerksamkeit schenken. Im Falle der "Time" waren es vor allem die mittelamerikanischen, im Falle des "Spiegel" die europäischen Staaten.
K. Lückemeier

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