Zahl der ariden Monate/Dürrewahrscheinlichkeit

Afrika – Klima

100750 | Seite 102 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 72.000.000
Zahl der ariden Monate/Dürrewahrscheinlichkeit |  | Afrika – Klima | Karte 102/4

Überblick


Die Karte gibt einen Überblick über die mittlere Anzahl arider Monate pro Jahr und die Dürrewahrscheinlichkeiten in den Regionen Afrikas. Hinsichtlich der räumlichen Verteilung der Anzahl arider Monate zeigen sich Ähnlichkeiten zur Verteilung der Jahresniederschläge (vgl. Karte 102.3).

Zusammenhang zwischen Anzahl arider Monate und Dürrewahrscheinlichkeit
Zwischen der mittleren Anzahl der ariden Monate und der Dürrewahrscheinlichkeit besteht ein enger Zusammenhang. Die geringste Dürrewahrscheinlichkeit (selten bis nie) ist in den Regionen anzutreffen, die sechs oder weniger aride Monate im langjährigen Mittel haben. Die Abgrenzung des Raumes mit sechs ariden Monaten entspricht dabei ungefähr dem Verlauf der so genannten „klimatologischen Trockengrenze“. An dieser Trockengrenze fällt im Jahresdurchschnitt genauso viel Niederschlag wie Wasser potenziell verdunstet. Die klimatologische Trockengrenze trennt somit Gebiete mit Niederschlagsüberschüssen (positive Wasserbilanzen) von Gebieten mit Niederschlagsdefiziten (negative Wasserbilanzen).
Mit zunehmender Entfernung vom Äquator nehmen nicht nur die Zahl arider Monate, sondern auch die Schwankungen der Niederschläge innerhalb des Jahres zu. Damit steigt gleichzeitig die Dürrewahrscheinlichkeit. Bei mehr als zehn ariden Monaten im langjährigen Mittel wird die Wahrscheinlichkeit von Dürren sehr groß (sehr häufig), sofern Vegetation in diesen Trockenräumen überhaupt noch bestehen kann.

Entwicklung der Dürrewahrscheinlichkeit in den Trockenräumen
Gefährlich für den Menschen sind die Dürren vor allem in Regionen mit intensiver Nutzung durch Ackerbau und Viehzucht. Hiervon ist zum Beispiel die Sahelzone stark betroffen. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es dort wiederholt längere Dürreperioden, etwa 1910 und 1923. Allerdings konnte sich die Vegetation in den nachfolgenden (feuchteren) Jahren immer wieder erholen (siehe Diagramm zur Niederschlagsvariabilität bei Karte 105.5). Da die Sahelzone jedoch immer trockener wird und feuchtere Jahre seltener werden, können viele Pflanzen in der Sahelzone nicht mehr dauerhaft überleben. So wird die Lebensgrundlage für Mensch und Tier zunehmend entzogen.
Im Gegensatz zu den ariden Gebieten der tropischen Sahelzone lässt sich in den subtropischen Trockenräumen gegenwärtig kein Trend zu verstärkten Dürren erkennen. Beispielsweise wurden im Südosten Tunesiens vor allem in den 1940er und 1960er Jahren wiederholt Dürreperioden festgestellt. Allerdings pendelten sich die Niederschläge in den Folgejahren wieder auf einem höheren Niveau ein.
Experten rechnen jedoch damit, dass im Zuge der weltweiten Erderwärmung auch in Nordafrika die Niederschläge zurückgehen werden. Als Ursache hierfür werden veränderte Bedingungen innerhalb der Westwindzirkulation angenommen – dem Windsystem, das für die Verteilung der Niederschläge in den gemäßigten Breiten maßgeblich verantwortlich ist. Eine Zunahme der Dürrewahrscheinlichkeit ist also zukünftig auch in Nordafrika zu erwarten.

A. Siegmund, P. Frankenberg, D. Volz, S. Lemke

Info Plus

Der Überblick über die mittlere Anzahl arider Monate zeigt ein ähnliches räumliches Verteilungsmuster wie die Karte der Jahresniederschlagssummen. Letztere gibt das maximal mögliche Verdunstungsvermögen einer realen Landschaft bei optimaler Wasserversorgung wieder.
Die Linie der klimatologischen Trockengrenze, bei der der Jahresniederschlag die Höhe der jährlichen potenziellen Landschaftsverdunstung erreicht (Niederschlag = pLV), folgt in etwa der Abgrenzung des Raumes mit sechs ariden Monaten. Dies entspricht dem Bereich mit der geringsten Dürrewahrscheinlichkeit innerhalb Afrikas. Mit zunehmender Entfernung vom Äquator nimmt nicht nur die Zahl arider Monate, sondern auch die interannuäre Niederschlagsvariabilität zu. Damit steigt auch die Dürrewahrscheinlichkeit. Bei mehr als zehnmonatiger Aridität im langjährigen Mittel wird die Wahrscheinlichkeit von Dürren sehr groß, sofern Vegetation in diesen Trockenräumen überhaupt noch bestehen kann.
Gefährlich für den Menschen sind die Dürren vor allem in intensiv genutzten Acker- und Viehzuchtregionen wie der Sahelzone. Auch am Anfang unseres Jahrhunderts waren wiederholt längere Dürreperioden zu beobachten, etwa 1910 und 1923. Nachfolgende feuchtere Jahre führten jedoch — anders als in jüngster Zeit — immer wieder zu einer Regeneration der Vegetation (siehe Diagramm zur Niederschlagsvariabilität bei 105.5).
Die Niederschläge der Sahelzone resultieren nicht aus der ITC (vgl. 102.3), sondern aus Tiefdruckstörungen, "Easterly Waves", die unter der östlichen Höhenströmung des "African Easterly Jets" entstehen. Der Monsun speist von Süden her Feuchtigkeit in diese Wellenströmung ein, die über der Sahelzone ausregnen kann. Ein Großteil des Wasserdampfes stammt dabei aus den äquatorialen Regenwäldern mit ihren hohen Transpirationsraten. Durch die fortschreitende Abholzung dieser Wälder in den vergangenen Jahrzehnten nehmen jedoch der Feuchtigkeitsgehalt der Luft und damit auch die Niederschlagsbereitschaft ab.
Neben diesen anthropogenen Beeinflussungen des Niederschlagsaufkommens der Sahelzone üben aber auch natürliche Prozesse wie Veränderungen bei der Oberflächentemperaturen der Meere, veränderte atmosphärische und ozeanische Zirkulationsbedingungen sowie Variabilitäten der Sonnenaktivität einen Einfluss auf den Temperaturkontrast Guineazone/Sahara und damit auf den "African Easterly Jet" aus, die zu Dürreperioden führen können.
Im Gegensatz zu den ariden Gebieten der tropischen Sahelzone lässt sich in den subtropischen Trockenräumen gegenwärtig kein Trend zu verstärkten Dürren erkennen. Wie beispielsweise die Niederschlagsreihen von Zarzis und Houmt Souk (Djerba) in Südosttunesien zeigen, traten vor allem in den 1940er und 1960er-Jahren wiederholt Dürreperioden auf. Die Niederschläge pendelten sich jedoch in den Folgejahren wieder auf einem höheren Niveau ein.
Modellrechnungen im Zusammenhang mit dem anthropogenen Treibhauseffekt zeigen allerdings, dass bei einem anhaltenden Erwärmungstrend durch veränderte Zirkulationsbedingungen innerhalb der Niederschläge bringenden Westwinddrift auch in Nordafrika mit einem Rückgang der Niederschläge zu rechnen ist.
A. Siegmund, P. Frankenberg, D. Volz

Graphiken

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Die Ausdehnung der Landnutzung

Die weltweite landwirtschaftliche Nutzfläche kann nur noch wenig ausgedehnt werden. Sie ist durch ganzjährige Dauer- oder jahreszeitlich wechselnden Jahreszeitenfeldbau, sowie durch extensive Weide- und Waldnutzung differenziert.
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