Wirtschaft/ Naherholungsraum

Alpenvorland

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Wirtschaft/ Naherholungsraum |  | Alpenvorland | Karte 34/1

Informationen

Aufgrund ihres hohen wirtschaftlichen Potenzials und ihrer enormen Wettbewerbsfähigkeit zählt die Region um das Städtedreieck München-Augsburg-Ingolstadt (nicht vollständig im Kartenbild) zu den leistungsfähigsten Regionen Europas. 1995 gründeten die Städte München, Augsburg und Ingolstadt den Verein "Wirtschaftsraum Südbayern. Greater Munich Area e.V.", der sich seitdem als regionale Kooperation kommunaler und privater Wirtschaftsakteure für die Förderung der Metropolregionen München engagiert. Zu den Mitgliedern des Vereins zählen neben den Gründerstädten zahlreiche Städte und Landkreise, Industrie-, Handels- und Handwerkskammern, Regionale Planungsverbände, Unternehmen und Banken.

Der Wirtschaftsstandort München
Das Umland von München wird durch ausgedehnte Wald-, Dauergrünland- und Ackerlandflächen geprägt (Abfolge in der Karte von Süden nach Norden). Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das einst primär durch Agrar-, Tourismus- und Naherholungsfunktionen geprägte Alpenvorland zu einer multifunktionalen Raumeinheit. Neben Einrichtungen mit Versorgungsfunktionen — etwa zur Energiegewinnung — schoben sich im Laufe der Zeit auch die Industrieansiedlungen immer weiter nach Süden in Richtung Alpen vor. Dies galt in den letzten Jahrzehnten vor allem auch für Unternehmen aus den innovativen Hightechbranchen wie der Luft-, Raumfahrt- und Elektronikindustrie und aus dem Informations- und Kommunikationssektor, die sich in großer Zahl in Südbayern angesiedelt haben. Die Region München hat sich dadurch zu einem bedeutendem Zentrum des Fahrzeug- und Flugzeugbaus sowie der Rüstungsindustrie entwickelt.
München ist mit derzeit 1,29 Mio. Einwohnern die drittgrößte Stadt in Deutschland nach Berlin und Hamburg. Die Wirtschaft in der Metropolregion München zeichnet sich durch eine große Branchenvielfalt aus. Neben einigen Großunternehmen gibt es auch viele kleinere und mittlere Unternehmen. Innerhalb der Stadtgrenzen der bayerischen Landeshauptstadt haben sich zahlreichen Hauptsitze nationaler und internationaler Konzerne angesiedelt. Durch Unternehmen wie Siemens, BMW und EADS (dem Nachfolgekonzern der Deutschen Aerospace) und eine Vielzahl von Versicherungsgesellschaften und Banken ist in München eine Wirtschaftskraft konzentriert, wie man sie in kaum einer anderen deutschen Großstadt findet.
Von allen deutschen Städten hatte München in den 1970er- und 1980er-Jahren das höchste industrielle Wachstum zu verzeichnen. Noch Mitte der 1990er-Jahre lag die Stadt bei den Industriebeschäftigten trotz der teuersten Gewerbeflächen bundesweit auf dem dritten Platz nach Berlin und Hamburg. Allerdings werden gegenwärtig durch Rationalisierungen, Produktionsverlagerung und Strukturanpassung zahlreiche Arbeitsplätze abgebaut. Allein zwischen 2004 und 2005 gingen 28 000 Stellen im produzierenden Gewerbe verloren. Die gleichzeitige Schaffung von etwa 10 000 neuen Arbeitsplätzen im Dienstleistungsbereich konnten diese Verluste dämpfen, aber nicht vollständig kompensieren.

Forschung und Verkehr
Der Wirtschaftsraum Südbayern weist eine ungewöhnlich hohe Dichte und ein breites Spektrum an Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen auf. Neben den fünf Universitäten — der Technischen Universität München, der Ludwigs-Maximilians-Universität in München, der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, der Universität Augsburg und der Universität der Bundeswehr in Neubiberg — gibt es in der Region eine ganze Reihe von Hochschulen und Akademien, die Hauptsitze und mehrere Institute der Max-Planck-Gesellschaft und der Fraunhofer-Gesellschaft sowie zahlreiche technologie- und wissensorientierte Unternehmen. Die Förderung und Vernetzung wissensbasierter Einrichtungen ist ein zentrales Anliegen des "Wirtschaftsraum Südbayern. Greater Munich Area". Die Forschungs- und Innovationsstandorte sind in der Metropolregion weitflächig gestreut, die Universitäts- und Hochschulschwerpunkte liegen in München — der hinsichtlich der Zahl der eingeschriebenen Studenten größten Hochschulstadt Deutschlands — sowie in Ingolstadt, Augsburg, Eichstätt, Freising, Landshut, Oberschleißheim, Garching und Rosenheim.
Durch Autobahnen, Bundesstraßen, ICE-Verbindungen, einen modernen Rangier- und Umschlagbahnhof und die neue moderne Messe auf dem alten Flughafenareal in Riem ist München zu einer wichtigen Drehscheibe für die wachsenden Märkte im Osten und Südosten Europas geworden. Zahlreiche Bahnlinien verknüpfen die Orte und Städte in der Metropolregion und sorgen so für schnelle Anbindungen an das europäische Schienennetz. Der Flughafen München ist der zweitgrößte Deutschlands und zugleich einer der größten in Europa. Durch sein überproportionales Wachstum bei Passagieren und Flugbewegungen hat er eine enorme Bedeutung für die bayerische Wirtschaft.

Zum Dienstleistungssektor
Im sehr dynamischen tertiären Sektor behauptet München unter den deutschen Großstädten nach wie vor einen Spitzenplatz. Die bayerische Landeshauptstadt ist
• zweitgrößter deutscher Bankenplatz nach Frankfurt am Main,
• der drittwichtigste Versicherungsstandort in Europa hinter London und Paris und damit die Nummer Eins in Deutschland,
• bei Softwareanbietern und Unternehmensberatern bundesweit an der Spitze,
• eine wichtige Medienstadt und
• nach New York der bedeutendste und größte Verlagsstandort der Welt.
Ergänzt wird die Spitzenstellung Münchens noch durch den Aufstieg zu den fünf großen nationalen Messeplätzen (von hoher nationaler und internationaler Bedeutung) sowie durch die Ansiedlung internationaler Behörden (z. B. Europäisches Patentamt). Aufgrund der Funktion als Oberzentrum bzw. Landeshauptstadt besitzt München zahlreiche bayerische Verwaltungseinrichtungen, die sowohl größter Arbeitgeber als auch wichtiger Auftraggeber sind.
Als Standort hochrangiger Dienstleistungen ist München bei den Finanzdienstleistungen sowie den sonstigen unternehmens- und produktionsbezogenen Dienstleistungen besonders stark (Verflechtung mit der Industrie der Region). Gerade in der Fülle und der arbeitsteiligen Differenzierung des Dienstleistungsangebotes liegt die Qualität und die Wachstumskraft großer Verdichtungsräume. Dies ist in München besonders stark ausgeprägt.

Naherholungsraum
Der Naherholungsverkehr ist derjenige Teil des Freizeit- und Erholungsverkehrs, der durch die Fahrt vom Wohnort in den Naherholungsraum und durch Fahrten in diesem verursacht wird. Der Naherholungsverkehr ist besonders stark auf das Wochenende konzentriert und erreicht sein größtes Volumen zwischen den großstädtischen Verdichtungsräumen und den ihnen nahe gelegenen Erholungsgebieten. Für München sind das Seengebiet um Starnberger See, Ammersee, Wörthsee und Pilsensee sowie die großen Forste im Süden von besonderer Bedeutung. Aufgrund der günstigen Erreichbarkeit und der Attraktivität der Alpen mit ihrem Vorland liegt der Schwerpunkt bei den Nahverkehrszielen im weiteren Umland von München eindeutig in Richtung Süden.
Fast die gesamte oberbayerische Bevölkerung beteiligt sich am Ausflugsverkehr, der im Alpenvorland stärker ausgeprägt ist als in den meisten anderen Regionen in Deutschland. Im Winter spielen hierbei die näheren Skigebiete in den Alpen eine große Rolle. Die Freizeitinfrastruktur ist mit Golfplätzen, Skigebieten und Badeseen stark ausgebaut, was allerdings in der Hochsaison an stark frequentierten Ausflugszielen auch zu Flächennutzungskonflikten führt. Die Masse der Erholungssuchenden bringt starke Umweltbelastungen mit sich, vor allem durch den Autoverkehr und ein gigantisches Aufkommen an Freizeitmüll.
Nach den Plänen der Stadt München soll der unmittelbar um die bayerische Landeshauptstadt gelegene Grüngürtel in Zukunft vor weiterer Bebauung geschützt, qualitativ aufgewertet und in ein stadtübergreifendes Landschaftskonzept eingebunden werden. Ein wesentliches Ziel des Münchener Grüngürtel-Projektes ist es, einen Ausgleich zwischen Landwirtschaft, Erholung und Naturschutz zu erzielen und wertvolle Lebensräume für Tiere und Pflanzen durch die Schaffung stadteigener Biotopentwicklungsflächen stärker zu schützen.
H.-D. Haas

Graphiken

Bild

Siedlungswachstum in München (1948,1972,2005)

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