Wiesengut bei Hennef/Sieg - ökologischer Landbau

Deutschland – Landwirtschaft

100750 | Seite 43 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 12.500
Wiesengut bei Hennef/Sieg | ökologischer Landbau | Deutschland – Landwirtschaft | Karte 43/2

Überblick


In der konventionellen Landwirtschaft haben sich während der letzten Jahrzehnte eine Produktspezialisierung und eine überwiegende Trennung von Ackerbau und Viehhaltung durchgesetzt.
Im Gegensatz dazu arbeiten die Betriebe, die sich dem ökologischen Landbau verschrieben haben, nach dem Prinzip eines landwirtschaftlichen Gemischtbetriebes. So ein Betrieb wird quasi „organisch“ an die jeweiligen natürlichen Gegebenheiten eines Standortes angepasst. Die bewirtschaftete Fläche ist kleiner als bei konventionellen Betrieben.

Der ökologische Landbau
Der ökologische Landbau hat die Leitlinie, nicht erneuerbare Ressourcen zu schonen, die Ökosysteme zu erhalten und die Natur und Landschaft zu schützen. Der Modellbetrieb Wiesengut bei Hennef/Sieg, eine Lehr- und Forschungsstation für den ökologischen Landbau, hat sich dieser Leitlinie verschrieben.
Im Produktionsablauf werden die Ackerflächen von einer sechsjährigen Fruchtfolge aus Rotkleegras, Kartoffeln, Winterweizen, Ackerbohnen, Sommerweizen und Winterroggen belegt. Winterroggen dient auch als Kraftfutter für die Tiere auf dem Hof. Der Anbau von Rotkleegras im Winterroggen begünstigt die Futtermittelproduktion und erfordert weniger Düngung. So werden die Nährstoffausträge aus dem Boden in das Grundwasser gemindert.
Ökologisch wirtschaftende Betriebe verzichten auf den Einsatz mineralischer Stickstoffdünger, Wachstumsregulatoren und Pestizide. So werden beispielsweise umweltbelastende Stoffeinträge ins Grundwasser weitgehend vermieden. Dieser Vorzug des ökologischen Landbaus kommt vor allem sensiblen Gebieten der Trinkwassergewinnung und des Natur- und Landschaftsschutzes zugute.

Landwirtschaft und Umweltschutz
Eine tiergerechte Haltung und der tägliche Weidegang der Tiere im Sommer verändern die Flächennutzung und das Landschaftsbild. Auf Weiden angepflanzte Baumgruppen dienen als Schattenbäume für das Jungvieh.
Biotope tragen auf vielfältige Weise zur Gestaltung des Landschaftsbildes und zum Umweltschutz bei. Im hofnahen Bereich spenden Obstgehölze und Wildobsthecken Schatten. Gleichzeitig dienen sie dem Vogelschutz, gestalten die Hofstelle kundenattraktiv für die Vermarktung und wirken positiv auf das Landschaftsbild.
Der ökologische Landbau geht somit über das primäre Ziel der Erzeugung hochwertiger Lebensmittel hinaus. Er zeigt auch, dass sich Landwirtschaft, Naturschutz und attraktive Landschaftsgestaltung gegenseitig nicht ausschließen müssen.

Zukunft
Der Markt für Bioprodukte ist – trotz des stark zunehmenden Angebots im Lebensmitteleinzelhandel und in Discountern – noch relativ klein. Bioprodukte haben daher häufig einen höheren Preis als vergleichbare Produkte aus der konventionellen Produktion.
Die Umstellung auf den ökologischen Landbau hat sich dennoch für die Mehrzahl der Betriebe als wirtschaftlich lohnende Alternative erwiesen. Aufgrund ihrer Verdienste für den Natur- und Landschaftsschutz und ihrer Bedeutung für die Sicherung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum erhalten Ökobetriebe finanzielle Beihilfen von der Regierung. Das „Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft“ fördert den ökologischen Landbau mit jährlich 16 Millionen Euro.

U. Köpke, H. Nieberg, J. Seibel

Info Plus

In den zurückliegenden Jahrzehnten haben sich in der konventionellen Landwirtschaft eine hohe spezielle Intensität in durchrationalisierten Betrieben und eine weitgehende Trennung von Feldwirtschaft und Tierhaltung durchgesetzt. Im Zuge dieser Entwicklung sind viele einseitig ausgerichtete Marktfrucht- oder Veredlungsbetriebe entstanden. Aspekte wie der Umwelt- und Naturschutz oder die Landschaftsgestaltung wurden hingegen beim konventionellen Anbau über lange Zeit vernachlässigt. Im Gegensatz dazu arbeitet der Organische Landbau nach dem Organisationsprinzip eines weitgehend in sich geschlossenen Betriebsorganismus. Dies bedeutet, dass im Organischen Landbau landwirtschaftliche Gemischtbetriebe dominieren. Der Betrieb wird quasi "organisch" an die ökologischen Gegebenheiten des jeweiligen Standortes angepasst. Diese Anpassung und das entsprechende standortgerechte Wirtschaften haben individuellen Charakter und sind kleinräumig bestimmt.

Prinzipien des ökologischen Landbaus
Der ökologische Landbau hat die Maxime, bei der Erzeugung von Lebensmitteln die nicht erneuerbaren Energie- und Rohstoffressourcen zu schonen, die Ökosysteme in ihren Funktionen zu erhalten und die Natur und Landschaft zu schützen. Die Flächennutzung des Modellbetriebes Wiesengut zeigt, wie die ökologische Landwirtschaft durch die Einhaltung dieser Prinzipien das Landschaftsbild gestaltet.
Im Produktionsbiotop werden die Ackerflächen von einer sechsfeldrigen, sechsjährigen Fruchtfolge aus Rotkleegras, Kartoffeln, Winterweizen, Ackerbohnen, Sommerweizen und Winterroggen belegt. Die Rinderhaltung und der Anbau von Rotkleegras als Ackerfutter begünstigen diese vielgestaltigen Fruchtfolgen. Durch den Anbau von Untersaaten, etwa Kleegras in Winterroggen oder Gelbsenf/Ölrettich in Kartoffeln, und durch Zwischenfrüchte wie Gelbsenf oder Ölrettich wird eine nahezu ganzjährige Bodenbedeckung mit wachsenden Kulturpflanzenbeständen erreicht. Gleichzeitig werden die Nährstoffausträge in das Grundwasser gemindert.
Ökologisch wirtschaftende Betriebe verzichten auf den Einsatz mineralischer Stickstoffdünger, Wachstumsregulatoren und chemisch-synthetischer Pflanzenschutzmittel; außerdem minimieren sie den Zukauf von Futtermitteln. Damit werden Nährstoffüberschüsse und umweltbelastende Stoffeinträge ins Grundwasser weitgehend vermieden oder mindestens deutlich gesenkt. Dieser Vorzug des ökologischen Landbaus kommt vor allem sensiblen Gebieten der Trinkwassergewinnung und des Natur- und Landschaftsschutzes zugute.

Auswirkungen auf das Landschaftsbild
Tiergerechte Haltungsverfahren fordern den täglichen (Sommer-)Weidegang der Tiere und verändern dadurch sowohl die Flächennutzung als auch Landschaftsbild. Baumgruppen, angepflanzt in den Weideflächen, dienen als Schattenbäume für das Jungvieh. Eine großzügige Auszäunung sichert die breiten, baumbewachsenen Uferzonen.
Landschaftsökologisch wirksame Elemente der Begleitbiotope tragen auf vielfältige Weise zur Gestaltung des Landschaftsbildes auch in den Naherholungsgebieten des stadtnahen Raumes bei:
• Lineare Strukturelemente wie Hecken, die vornehmlich in Nord-Süd-Richtung gepflanzt werden, vermindern die Beschattung der Kulturpflanzenbestände und dienen als Barrieren gegen Westwinde. Die reichhaltig blühenden Gehölze werden von artenreichen, blühenden, nützlingsfördernden Säumen begleitet.
• Feldspitzen verbleiben unbewirtschaftet und bilden als Ruderalflächen Rückzugsräume für Niederwild wie Fasan.
• Breite, wegbegleitende Raine, eine reichhaltige Wildkrautflora in den Feldflächen und gezielt angelegte Krautstreifen dienen als nützlingsfördernde Habitate.
• Dachabwässer gelangen statt in die kommunale Kläranlage in ein Feuchtbiotop.
• Im hofnahen Bereich schaffen Obstgehölze und Wildobsthecken Schatten und ein günstiges Mikroklima; gleichzeitig dienen sie dem Vogelschutz, gestalten die Hofstelle kundenattraktiv für die Direktvermarktung und wirken positiv auf das Landschaftsbild.
Der ökologische Landbau geht somit über das primäre Ziel der Erzeugung hochwertiger Lebensmittel hinaus, indem er beispielhaft die landschaftsprägende Multifunktionalität der Landwirtschaft repräsentiert. Damit entspricht er, wie in Ökobilanzen und Vergleichsstudien wissenschaftlich nachgewiesen wurde, in besonderer Weise den Prinzipien einer nachhaltigen und umweltschonenden Landbewirtschaftung.

Ausblick
Der Markt für Bioprodukte ist — trotz des stark zunehmenden Angebots im Lebensmitteleinzelhandel und bei Discountern — noch relativ klein, wodurch höhere Erfassungs-, Verarbeitungs- und Distributionskosten entstehen. Dies hat zur Folge, dass Bioprodukte häufig einen höheren Preis haben als vergleichbare Produkte aus der konventionellen Produktion.
Die Umstellung auf ökologischen Landbau hat sich in der Vergangenheit dennoch für die Mehrzahl der umgestellten Betriebe als wirtschaftlich lohnende Alternative erwiesen. Der erwirtschaftete Gewinn war in den letzten Jahren deutlich höher als derjenige von vergleichbaren, konventionell bewirtschafteten Betrieben.
Aufgrund ihrer Verdienste für den Natur- und Landschaftsschutz und ihrer Bedeutung für die Sicherung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum erhalten ökologisch wirtschaftende Betriebe Beihilfen für die Einführung und Beibehaltung der ökologischen Wirtschaftsweise; im Jahr 2007 waren es beispielsweise 187 bzw. 137 Euro pro Hektar Ackerfläche. Die im Vergleich zum konventionellen Landbau etwas höheren staatlichen Direktzahlungen resultieren aus den zuvor genannten Zahlungen für Agrarumweltmaßnahmen.
U. Köpke, H. Nieberg

Graphiken

Bild

Bauern und Ökobauern im Vergleich

Download