West- und Südasien - Wirtschaft

West- und Südasien – Wirtschaft

100750 | Seite 128 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 16.000.000
West- und Südasien | Wirtschaft | West- und Südasien – Wirtschaft | Karte 128/1

Informationen

Die Karte zeigt wirtschaftlich sehr gegensätzliche Räume. Den arabischen Golfstaaten und Indien, die — auf unterschiedliche Weise — stark in die globalisierte Wirtschaft eingebunden sind, stehen riesige naturnahe Räume bzw. ausgedehnte landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaften gegenüber, z. B. die Wüsten, Stromoasen, Gebirge und peripher gelegenen Hochländer im Inneren des Kontinentes. Teilräume wie das Gangesdelta sind durch Naturgefahren bedroht.

Westasien
Westasiens Wirtschaft wird in überragendem Maße durch die Erdöl- und Erdgasförderung und die Verarbeitung von Erdöl geprägt. Eine solche Konzentration innerhalb eines Subkontinentes ist weltweit ohnegleichen. In zunehmendem Maße greifen Bemühungen zur Diversifizierung der Wirtschaftsstruktur, sodass man nicht mehr von einer Monostruktur sprechen kann. In Industriebranchen wie die Chemie oder die Aluminiumerzeugung, vor allem aber in den Dienstleitungssektor flossen hohe Investitionen, zum Beispiel an Standorte wie Dubai.
Innerhalb Westasiens dominieren zwei große Wirtschaftsräume: Im und um den Persischen Golf liegen die Schwerpunkte der Erdölförderung, an die Raffinerien und petrochemische Industrie anknüpfen. Hinzu kommen die Gasförderung (Grundlage der Energieversorgung) sowie Standorte energieintensiver Industrie (Metallverhüttung). Diese Branchenstruktur wird zunehmend ergänzt durch Dienstleistungen. Die Wirtschaftsstruktur der Küstenräume am Mittelmeer ist vielfältiger. Israel ist hier die leistungsstärkste Volkswirtschaft, deren Palette von einer exportorientierten Bewässerungslandwirtschaft über die Chemische und Hightechindustrie bis hin zum Tourismus reicht. Küstenorte, die über Pipelines mit den Erdölfördergebieten (Mittelasien, Irak, Persischer Golf) verbunden sind, sind in dieser Region bevorzugte Standorte von Raffinerien und Chemischer Industrie.
Die bergbauliche Nutzung des Kuhrudgebirges und die zahlreichen Standorte der Textilindustrie machen die Randlagen der großen Becken im Landesinneren des Iran zu einem wichtigen Wirtschaftsraum.
Zu den bedeutendsten Agrarlandschaften des Kontinents zählen die großen Stromoasen (Zweistromland, Mittelasien), die Oasen der Arabischen Halbinsel, die israelische Küstenebene, das südliche Vorland des Kaukasus und das Südufer des Kaspischen Meeres. Besonders im Iran und dem Kaukasusvorland spiegelt die Landnutzung günstige naturräumliche Gegebenheiten wider, v. a. relativ hohe Niederschläge.

Südasien
Massenarmut und Hochtechnologie — für beides steht Indien, die aufstrebende und in Südasien bei weitem wichtigste Volkswirtschaft. In den Nachbarstaaten Indiens sind nur die großen Städte (Rangun, Dhaka, Karachi, Lahore) Industriestandorte. Nepal und Sri Lanka sind bedeutende Ziele des internationalen Tourismus.
Heute gehört Indien zu den größten Industrieländern der Erde und hat — wie auch Pakistan — Zweige der Hochtechnologie entwickelt, etwa in der Atomwirtschaft, im Raketenbau oder im Computerbereich. Zunehmend wird Indien auch als Dienstleistungsstandort bedeutsam (z. B. Softwareproduktion). Das räumliche Verteilungsmuster der Industrie zeigt eine Konzentration auf einige große Städte und ihr Umland (Bombay, Delhi, Bangalore, Madras u. a.). Industrielles Wachstumszentrum ist der Bundesstaat Maharashtra mit Bombay (Mumbai) als Mittelpunkt. Traditionell von großer Bedeutung ist, wie auch in Pakistan, die Textilindustrie.
Ein Strukturproblem Indiens ist der hohe Staatsanteil an der Wirtschaft. Interventionen des Staates waren an der Tagesordnung und führten mitunter zu falschen Standortentscheidungen, z. T. vor dem Hintergrund des Zieles einer möglichst autarken Entwicklung und einer auf Grundstoffe ausgerichteten Industrialisierung. Nichts sollte eingeführt werden, was auch in Indien hergestellt werden konnte. Ausländische Einflüsse, etwa multinationaler Konzerne, wurden gezielt von Indien ferngehalten, um eine Entwicklung aus eigener Kraft zu ermöglichen.
Anfang der 1990er-Jahre kam es zu Wirtschaftsreformen. Mehrheitsbeteiligungen ausländischen Kapitals sind seitdem möglich; der indische Markt geöffnet. Im Ergebnis dieser Reformen haben die ausländischen Direktinvestitionen stark zugenommen.
M. Felsch, W. Storkebaum

Graphiken

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Der Nahe Osten und der kaukasisch-kaspische Raum

Im Nahen Osten und kauaksisch-kaspischen Raum befinden sich die bedeutendsten Erdöl- und Gasreserven der Erde.
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