Weltmeere - Meeresspiegeländerung

Erde - Klimadynamik und Weltmeere

978-3-14-100803-6 | Seite 251 | Abb. 6 | Maßstab 1 : 200.000.000
Weltmeere | Meeresspiegeländerung | Erde - Klimadynamik und Weltmeere | Karte 251/6

Überblick

Die Karte zeigt die durchschnittliche jährliche Veränderung des Meeresspiegels im Zeitraum 1993–2010 dar. Eine Einordnung über einen größeren Zeitraum ermöglicht das Diagramm. Es zeigt, dass der Meeresspiegel seit 1880 um mehr als 20 Zentimeter gestiegen ist – allerdings im weltweiten Durchschnitt. Regional werden weit höhere Anstiege erreicht. Allein im Zeitraum 1993–2010 wurden zum Beispiel in großen Teilen des Westpazifiks Werte von mehr als 15 Zentimetern erreicht.

In der Gegenwart werden präzise Meeresspiegelmessungen mithilfe von Satelliten durchgeführt. Dies ermöglicht ein flächendeckendes Messnetz mit einer hohen zeitlichen Dichte der Messungen. Durch Modellrechnungen können Veränderungen bestimmten Ursachenkomplexen zugeordnet werden.

Ursachen und Entwicklung des Meeresspiegelanstiegs

Der Meeresspiegelanstieg wird vor allem auf zwei Ursachenkomplexe zurückgeführt. Zum einen führen die gegenwärtig zunehmenden Lufttemperaturen zu einer parallelen Erwärmung vor allem des oberflächennahen Meerwassers. Das Wasser dehnt sich dabei aus, was zu einem steigenden Meeresspiegel führt (thermische Expansion). Zum anderen schmelzen infolge der zunehmenden Lufttemperaturen Gletschereis und Eisschilde (Eisschmelze). Dies führt zu einem erhöhten Eintrag an Wasser in die Ozeane. Dadurch steigt deren Wassermenge und in der Folge auch der Meeresspiegel. Zu den weiteren Einflussgrößen zählen Landhebungen und -senkungen.

Die gegenwärtigen Anteile lassen sich anhand der Periode 2003–2008 abschätzen. Der durchschnittliche Meeresspiegelanstieg betrug in diesem Zeitraum 2,5 Millimeter pro Jahr. Davon entfielen auf die thermische Expansion rund ein Viertel und auf die Eisschmelze rund der drei Viertel der Zunahme. Die großen Eiskörper der Erde sind in unterschiedlichem Maße daran beteiligt. Rund zwei Viertel des Meeresspiegelanstiegs sind auf die Schmelze polarer Eiskappen und -schilde zurückzuführen, rund ein Viertel auf sonstige Inlandsgletscher außerhalb der Polarregionen. Zu beachten ist ein zeitlicher Wandel: In den letzten Jahrzehnten hat sich der Anteil der thermischen Expansion verringert, der Anteil der Eisschmelze ist gestiegen.

Das Zusammenspiel verschiedenster Faktoren – beispielsweise der weltweite unterschiedliche Anstieg der Lufttemperatur, die Dichteanomalie des Wassers, Veränderungen im Salzgehalt des Meerwassers und die Dynamik der Meeresströmungen, die wiederum von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird (s.205.2, 250.1, 247.2) – führt dazu, dass der Anstieg des Meeresspiegels weltweit nicht einheitlich ausfällt.

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Folgen des Meeresspiegelanstiegs

Nach aktuellen Prognosen wird sich im 21. Jahrhundert der Meeresspiegelanstieg infolge des Klimawandels fortsetzen. Bei den gegenwärtigen Veränderungsraten ist mit einer Zunahme um mindestens 30 Zentimeter bis 2050 zu rechnen. Modellrechnungen ergeben eine – wegen der Dynamik der Entwicklungen und Prozesse – große Spannweite an Prognosen zwischen 60 Zentimetern und zwei Metern bis zum Jahr 2100.

Zu den am stärksten gefährdeten Gebieten zählen die Niederlande, Florida, Bangladesch sowie die kleinen, flachen Inseln des Indischen und Pazifischen Ozeans.

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