Weimarer Republik 1932

Deutschland - staatlicher Wandel 1815 bis 1942

978-3-14-100770-1 | Seite 61 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 9.000.000
Weimarer Republik 1932 |  | Deutschland - staatlicher Wandel 1815 bis 1942 | Karte 61/3

Informationen

Die Staatsgrenzen der Weimarer Republik waren bei den Verhandlungen zur Beendigung des Ersten Weltkriegs beschlossen und am 28. Juni 1919 in dem vom Deutschen Reich und von 27 Alliierten unterzeichneten Versailler Vertrag ratifiziert worden. Die Waffenstillstandsbedingungen waren der deutschen Seite ultimativ zugestellt worden, Gegenvorschläge wurden von vornherein abgelehnt.
Der Vertrag enthielt 15 Teile mit 440 Artikeln. Neben der Verpflichtung zur Entmilitarisierung aller deutschen Rheinlande und zu Reparationszahlungen u. a. in der Form einer anteiligen Abgabe der Jahresproduktion der Eisen- und Stahlerzeugung und der landwirtschaftlichen Produktion gab es umfangreiche Gebietsabtretungen, durch die das Deutsche Reich etwa 70 000 km² seines Territoriums und mehr als 6 Mio. Einwohner verlor.

Territoriale Neuordnung
Danzig wurde vom Deutschen Reich abgetrennt und mit Teilen der umgebenden Landkreise dem Schutz des Völkerbunds unterstellt. Luxemburg schied aus dem Deutschen Zollverein aus und schloss mit Belgien eine Wirtschaftsunion. Elsass-Lothringen fiel an Frankreich. Im Norden des Reiches entstand auf dem Gebiet Westpreußens der sogenannte Polnische Korridor, der aus dem größten Teil der Provinz Posen, dem Gebiet um Soldau und aus Teilen Pommerns bestand. Ostpreußen war damit auf dem Landweg vom Reich abgetrennt. Das Hultschiner Ländchen ging an die Tschechoslowakei. Neben diesen Landesteilen, über deren Abtretung von den Alliierten entschieden worden war, gab es die Abstimmungsgebiete, in denen die Bevölkerung über ihre zukünftige nationale Zugehörigkeit selbst entscheiden sollte. Zu ihnen zählten Nordschleswig, Westpreußen östlich der Weichsel, das südliche Ostpreußen (Bezirk Allenstein), Eupen-Malmedy an der belgischen Grenze, Oberschlesien und das Saargebiet. Eupen-Malmedy fiel an Belgien und Nordschleswig an Dänemark. Oberschlesien wurde geteilt, wobei die kohlereichen Gebiete des Südostens polnisch wurden. Das Saargebiet wurde der Verwaltung des Völkerbundes unterstellt.

Weimarer Republik
An die Stelle der Königreiche, Herzog- und Großherzogtümer traten die 17 Länder Anhalt, Baden, Bayern, Braunschweig, Bremen, Hamburg, Hessen, Lippe, Lübeck, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Oldenburg, Preußen, Sachsen, Schaumburg-Lippe, Thüringen und Württemberg.
Die "Goldenen Zwanziger" waren Ausdruck des Durchbruchs der modernen Massenkultur, der zwischen 1924 und 1929 infolge einer relativen inneren Ruhe und eines leichten Wirtschaftsaufschwungs durch den Zufluss ausländischen Kapitals begünstigt wurde. Unter dem Schein äußerster Prosperität spitzten sich entscheidende Konflikte zu. Die Demokratie konnte keine überzeugten Anhänger gewinnen, zunehmend entwickelte sich der neue Staat zu einer "Republik ohne Republikaner". Häufige Regierungswechsel — elf Kabinette allein in den zehn Jahren nach 1923 —, eine kontinuierliche Schwächung der parlamentarischen Kräfte, die durch eine populistische Presse angeheizte Diffamierung der politischen Auseinandersetzungen als "Parteiengezänk" und eine Reihe propagandistisch gezielt aufgebauschter Skandale führten zu einer Entfremdung der Bürger von ihrer Republik. Gegen sie formierte sich eine radikalisierte Jugend- und Naturbewegung.
Als die große Koalition im März 1930 wegen der Frage der Arbeitslosenversicherung auseinanderbrach, war dies de facto das Ende des parlamentarischen Systems. Reichspräsident Hindenburg (ab 1925) bzw. die von ihm berufenen Kanzler Brüning, von Papen und von Schleicher regierten von nun an mithilfe von Notverordnungen. Bei den Reichstagswahlen 1928 hatten die Nationalsozialisten 2,6 % der Stimmen erhalten, 1930 waren es schon 18,2 % und bei den im Juli 1932 schließlich 37,3 %. Mit insgesamt 13,7 Mio. Stimmen stellten sie nun die stärkste Fraktion. Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler vom Reichspräsidenten Hindenburg zum neuen Reichskanzler eines rechten Koalitionskabinetts ernannt.
K. Lückemeier

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