Wattenküste

Küstenlandschaften/Küstenformen

100750 | Seite 24 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 500.000
Wattenküste |  | Küstenlandschaften/Küstenformen | Karte 24/1

Überblick


Die Karte zeigt das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer und die nordfriesische Wattenküste mit ihren Deichverläufen. Außerdem ist die Bodennutzung in Marsch und Geest dargestellt.
Marsch und Geest
Bei genauer Betrachtung lässt sich vor der Festlandsküste im Wattenmeer eine zweite, unterbrochene Küstenlinie erkennen, die aus Marschinseln, Geestinseln und Halligen besteht. Die flachen Marschgebiete und Marschinseln haben sich unter dem Einfluss von Ebbe und Flut durch Meeresablagerungen gebildet und liegen kaum über dem Meeresspiegel. Die höher gelegenen Geestgebiete und Geestinseln sind dagegen älteren Ursprungs. Sie sind aus Sandablagerungen früherer Eiszeiten hervorgegangen, als große Teile Norddeutschlands von Gletschern bedeckt waren.
Halligen sind aus Marschland entstandene Inseln im Wattenmeer. Im Vergleich zu den anderen Inseln sind Halligen nicht durch Deiche geschützt und werden bei starken Fluten überspült (mit Ausnahme der so genannten „Warften“ oder „Wurten“, das sind künstlich aufgeschüttete Erdhügel).

Natürliche Veränderungen der Küste
Die Wattenküste ist ständigen Veränderungen unterworfen. Neben dem ständigen Wechsel der Gezeiten (Ebbe und Flut) wirken auch einzelne Sturmfluten sowie langfristige Meeresspiegelschwankungen auf die Gestalt und den Verlauf der Küste. Der Vergleich des Küstenverlaufs um 1634 mit dem heutigen Küstenverlauf zeigt diesen Wandel eindrucksvoll.
Zahlreiche Gebiete, die früher Land- oder Inselflächen waren und über dem Meeresspiegel lagen, sind heute Watt- oder Meeresflächen und umgekehrt. Gegenwärtig steigt der Meeresspiegel wieder an. Dadurch sind die flachen, tief gelegenen Inseln und festländischen Gebiete – vor allem bei höher auflaufenden Fluten (Springtiden) und Stürmen – zunehmend gefährdet. Dies erfordert besondere Maßnahmen der Küstensicherung.

Umformung durch den Menschen
Unter menschlichem Einfluss wurden Marsch und Geest im Laufe der Zeit zu einem dicht besiedelten Gebiet. Aufgrund der Überschwemmungsgefahr, aber auch, um die Flächen optimal für die Landwirtschaft nutzen zu können, lagen die Siedlungen meist an den höher gelegenen Rändern der Geest. Die Marsch dient dagegen bis heute vorwiegend der Viehzucht, auf besseren Böden ist auch Ackerbau möglich.
Das stete Vordringen des Meeres erforderte zunehmend Maßnahmen zum Küstenschutz: In der sturmflutgefährdeten Marsch wurden zunächst Warften beziehungsweise Wurten künstlich aufgeschüttet, auf denen man die Häuser errichtete (so genannte „Wurtensiedlungen“). Es folgte der Bau von Deichen (Eindeichungen). Zum besseren Schutz wurden die Deiche in der Höhe und im Profil schließlich immer weiter ausgebaut.
Mit der späteren Eindeichung des seewärts gelegenen Deichvorlandes schuf man Neulandflächen zur landwirtschaftlichen Nutzung. Gleichzeitig konnten dadurch landwärts die alten Deichanlagen gesichert werden, die so zu „Binnendeichen“ wurden. Auch heute werden noch Eindeichungen vorgenommen. Hierbei kommt es zu so genannten „Deichverkürzungen“, also einer Verkürzung der Küstenlinie, insbesondere durch das Errichten von Vordeichen und Dämmen im Bereich von Flussmündungen. Allerdings steht mittlerweile weniger die Neulandgewinnung, sondern vor allem der Küstenschutz im Vordergrund.

S. Lemke, V. Kaminske

Info Plus

Die Karte zeigt vor der Festlandsküste eine zweite, unterbrochene Küstenlinie, die aus Geest-, Marschinseln und Halligen besteht. Über die Bodennutzung lässt sich erkennen, dass neben den Geestinseln im Wattenmeer (Sylt, Föhr, Amrum) auch "Geestinseln" innerhalb der Marsch (z. B. Niebüll, Husum) existieren. Auch diese Gebiete müssen deshalb früher einmal innerhalb eines größeren Wattenmeeres gelegen haben.
Anhand dieser Marsch-Geest-Grenze — der historischen Küstenlinie von Nordfriesland — lässt sich die gesamte nacheiszeitliche Entwicklung rekonstruieren: Die westlich gelegene Geest ist eine ursprünglich festländische, aus Gletscherablagerungen gebildete Landschaft. Das Vordringen des Meeres bis zum heutigen Geestrand, der folgende Meeresrückzug mit der Ablagerung einer Marsch aus Meeressedimenten und der wieder deutliche Meeresspiegelanstieg in heutiger Zeit belegen die fortwährenden Meeresspiegelschwankungen in der Nacheiszeit. Der gegenwärtige Meeresspiegelanstieg von etwa 1,5 Millimeter pro Jahr ist vor allem bei Springtiden und Stürmen Ursache einer stetigen Gefährdung von Inseln und Festland. Die Klimaerwärmung der Erde ist deshalb ein ernstes Problem für diese Landschaft, nicht zuletzt auch wegen des flachen Reliefs und der geringen Höhenlage über dem Meer. Eine bedeutende Folge dieser Konstellation ist das Problem der Küstensicherung.
Bedeutung als Wirtschaftsraum erlangt die Wattenküste nur an Stellen, an denen das Meer durch Abtragung der Geest Sandstrände bilden kann bzw. verfrachteter Sand zur Ablagerung kommt (Tourismus) oder wo Tiefwasserzonen bestehen (Hafenbildung). Als Ökosystem hat das Wattenmeer eine große Bedeutung für den Vogelzug, als Laichgrund vieler Fischarten und wegen seines hohen Stoffumsatzes als Klärbecken der Nordsee.

Anthropogene Umformung
Unter menschlichem Einfluss wurden Marsch und Geest im Laufe der Zeit zu einem dicht besiedelten Gebiet. Aufgrund der Überschwemmungsgefahr, aber auch, um die landwirtschaftliche Nutzfläche optimal nutzen zu können, lagen die Siedlungen meist am Geestrand. Die Marsch dient bis heute vorwiegend der Viehzucht, auf verbesserten Böden ist auch Ackerbau möglich.
Das stete Vordringen des Meeres erforderte zunehmend Maßnahmen zum Küstenschutz: In der Marsch sicherten zunächst Wurtensiedlungen, dann in Höhe und Profil ständig verbesserte Deiche Menschen und Land. Die spätere Eindeichung des Vorlandes schuf Neulandflächen und sicherte die alten Deichanlagen. Obwohl im Zuge einer Extensivierung der Landwirtschaft von der EU keine Gelder mehr für Neulandgewinnung ausgegeben werden, wird diese als Küstensicherung fortgeführt. Die damit verbundene Deichverkürzung schränkt allerdings den Überflutungsraum und damit auch den Stoffumsatz im Ökosystem Watt räumlich stark ein. Eine negative Folge ist z. B. das knappere Nahrungsangebot für Zugvögel. Auch der Tidenhub wird dadurch größer, was vermehrte Gefährdung durch Fluten mit sich bringt.
Die Ausweisung des Wattenmeeres als Nationalpark wurde seinerzeit von Küstenanwohnern heftig bekämpft, lediglich einige Zugangsbeschränkungen zu Brutgebieten konnten durchgesetzt werden. 2005 wurde das Wattenmeer vor der Küste Schleswig-Holsteins von der UNESCO zum Biosphärenreservat ernannt, traditionelle Nutzungsformen wie die Krabben- und Muschelfischerei sind jedoch nach wie vor erlaubt.
V. Kaminske

Materialien zu dieser Karte

Weitere Materialien

PDF-Animation

Die Entstehung der Gezeiten

In dieser interaktiven Animation wird die Entstehung der Gezeiten gezeigt. Je nach Stellung von Sonne und Mond kann auf der Karte der entsprechende Wasserstand abgelesen werden.
Um diese Animation nutzen zu können, benötigen Sie mindestens den Adobe Reader 9.x.
Download

Graphiken

Bild

Landverluste an der Nordseeküste in den letzten 10000 Jahren

Download

Bild

Lahnungen im Wattenmeer

Sie dienen dem Küstenschutz und der Neulandgewinnung.
Foto: V. Kaminske, Pfinztal
Download

Bild

Salzwiese mit blühendem Strandflieder

Foto: Nationalparkamt, M. Stock
Download

Bild

Wattwandern am Westerhever Leuchtturm in Schleswig-Holstein

Foto: Nationalparkamt, M. Stock
Download

Bild

Schafe im Koog

Foto: Nationalparkamt, M. Stock
Download

Bild

Ranger bei der Vogelzählung im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer

Das Wattenmeer ist ein wichtiges Rast- und Brutgebiet für Wat- und Wasservögel.
Foto: Nationalparkamt, M. Stock
Download

Bild

Sandwatt

Foto: Nationalparkamt, M. Stock
Download