Wasserstraßen

Deutschland – Verkehr

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Wasserstraßen |  | Deutschland – Verkehr | Karte 48/4

Überblick


Wasserstraßen sind schiffbare Flüsse und Kanäle. In Deutschland werden derzeit etwa 7 354 Kilometer Fluss- und Kanalstrecken als Bundeswasserstraßen eingestuft.Durch Stauregulierung sind Mosel, Saar, Main, Neckar, Ems und die Mittelweser für die Binnenschifffahrt ganzjährig nutzbar. r>
Internationale Verbindungen
Der Main-Donau-Kanal oder Europakanal wurde bereits 1992 fertig gestellt. Die Wasserstraße verbindet den Main bei Bamberg mit der Donau bei Kelheim und ermöglicht auf diese Weise eine schiffbare Verbindung vom Schwarzen Meer bis zur Nordsee. Der Kanal verläuft über 171 Kilometer und muss in 16 Schleusen einen maximalen Höhenunterschied von 175 Metern überwinden. Der geplante weitere Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen ist umstritten.
In Westdeutschland wurde mit dem seit 1976 schiffbaren Elbe-Seitenkanal eine Alternative zum Verkehr auf der oft von Niedrigwasser betroffenen Elbe geschaffen. Damit hatte der bedeutende Seehafen Hamburg einen ganzjährigen Anschluss an das westdeutsche Binnenschifffahrtsnetz.
Der Mittellandkanal ist mit einer Gesamtlänge von 326 Kilometern die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands. Seit 2003 ist auch der Ausbau des östlichen Mittellandkanals und des Elbe-Havel-Kanals mit Kanalbrücke und Schiffshebewerk bei Magdeburg abgeschlossen. Damit kann die Ost-West-Verbindung im Bereich zwischen Hannover und Berlin besser genutzt werden.
Der Dortmund-Ems-Kanal verläuft seit seiner Fertigstellung im Jahr 1899 zwischen den Häfen Dortmund und Papenburg/Ems. Danach beginnt der Ems-Seitenkanal, der beim Binnenhafen Emden an der Nordsee endet.

Zwischen Rhein und Oder
Auch der Rhein spielt für die Binnenschifffahrt eine besondere Rolle. Etwa 883 Kilometer sind für die Großschifffahrt nutzbar. Er verbindet unter anderem die umschlagstarken Häfen Duisburg und Köln mit dem Hafen Rotterdam in den Niederlanden.
Der zu DDR-Zeiten zur Versorgung des an der deutsch-polnischen Grenze gelegenen Standortes Eisenhüttenstadt gebaute Oder-Spree-Kanal ist hingegen nach der Wiedervereinigung in 1990 wirtschaftlich bedeutungslos geworden.
Daneben spielen die deutschen Kanäle auch für die Wasserwirtschaft eine Rolle. So kann Wasser aus Donau und Altmühl über den Main-Donau-Kanal in das wasserarme Flusssystem von Regnitz und Main gepumpt werden. Das Westdeutsche Kanalnetz dient bei Bedarf als Fernwasserleitung, ebenso der Oder-Spree-Kanal.

R. Löttgers, B. Richter, J. Seibel

Info Plus

In Deutschland werden derzeit 7354 Kilometer Fluss- und Kanalstrecken als Bundeswasserstraßen eingestuft, von diesen gelten 6545 Kilometer als Binnenschifffahrtsstraßen. Zusammen mit 761 Kilometern Seeschifffahrtsstraßen verfügt Deutschland damit über ein Schifffahrtsstraßennetz von 7306 Kilometer.

Das deutsche Binnenschifffahrtsnetz
Durch Stauregulierung wurden Mosel, Saar, Main, Neckar, Ems und die Mittelweser für die Binnenschifffahrt ganzjährig nutzbar gemacht. Elbe und Oder hingegen sind in geringerem Maße ausgebaut. Dies schränkt ihre Befahrbarkeit während der sommerlichen Niedrigwasserperioden deutlich ein. Ein Ausbau würde aber ökologisch wertvolle Gebiete in den Flußauen zerstören und die bei Überschwemmungen wichtigen Überflutungsräume beiderseits des Flusslaufes reduzieren. Der Main-Donau-Kanal wurde bereits bis 1992 fertiggestellt, der Saar-Ausbau etappenweise bis 2001. Der umstrittene Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen steht noch aus.
Die Errichtung des Main-Donau-Kanals war nicht nur für die Binnenschifffahrt, sondern auch für die Ökologie ein einschneidendes Ereignis, denn durch seine Fertigstellung wurden die Einzugsgebiete des Rheins (199 000 km²) und der Donau (796 000 km²) miteinander verbunden. Der Kanal verläuft über 171 Kilometer und muss in 16 Schleusen einen maximalen Höhenunterschied von 175 Metern überwinden. Bislang sind etwa 20 Arten wirbelloser Tiere sowie eine Reihe von Fischen rheinwärts bis in den Bodensee eingewandert. Donauwärts tritt neben der Asiatischen Körbchenmuschel und der Süßwassergarnele seit 2002 auch die Chinesische Wollhandkrabbe auf, deren Ausbreitung in den Niederlanden und USA bereits zu Problemen führte.
In Westdeutschland wurde mit dem seit 1976 schiffbaren Elbe-Seiten-Kanal eine Alternative zum Verkehr auf der oft von Niedrigwasser betroffenen und seinerzeit noch durch den Ostblock fließenden Elbe geschaffen. Damit hatte der bedeutende Seehafen Hamburg wieder einen ganzjährigen Anschluss an das westdeutsche Binnenschifffahrtsnetz; für die bremischen Häfen hingegen bestand diese Hinterlandanbindung über das Wasserstraßenkreuz Minden auch nach 1945 unvermindert fort. An der unteren Oder wurde mit der parallel geführten Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße (vgl. 57.9) bereits in den Jahren von 1914 bis 1926 ein Ostseezugang mit konstantem Wasserstand für Berlin erbaut.
Seit 2003 ist auch der Ausbau des östlichen Mittellandkanals und des Elbe-Havel-Kanals mit Kanalbrücke und Schiffshebewerk bei Magdeburg ("Wasserstraßenkreuz") abgeschlossen. Damit kann die Ost-West-Verbindung im Bereich zwischen Hannover und Berlin besser genutzt werden.
Der Mittellandkanal ist mit 326 Kilometern die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands und verfügt nur über drei Schleusen, die einen Höhenunterschied von maximal 19 Metern ausgleichen. Der ehemals vor allem zur Versorgung des Standortes Eisenhüttenstadt dienende Oder-Spree-Kanal ist hingegen nach 1990 zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken. Viele kleinere Wasserstraßen im nördlichen Brandenburg und in Mecklenburg-Vorpommern haben heute vor allem Bedeutung als reizvolle Freizeitgewässer.
Neben der Funktion als Verkehrsweg spielen die deutschen Kanäle auch noch für die Wasserwirtschaft eine Rolle. So wird über den Main-Donau-Kanal Altmühlwasser in das Regnitz-Main-Gebiet gepumpt. Das Westdeutsche Kanalnetz dient bei Bedarf als Fernwasserleitung, ebenso der Oder-Spree-Kanal.
R. Löttgers, B. Richter