Wandel in der Landwirtschaft - Entwicklung des Ackerbaus 1990-2005

Europa - Landwirtschaft

978-3-14-100700-8 | Seite 83 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 40.000.000
Wandel in der Landwirtschaft | Entwicklung des Ackerbaus 1990-2005 | Europa - Landwirtschaft | Karte 83/3

Informationen

In den Jahren zwischen 1990 und 2005 hat sich die europäische Landwirtschaft durch eine Vielzahl von Faktoren sehr viel grundlegender gewandelt, als die Veränderungen bei den Anbaufrüchten und Erntemengen auf dem Kartenbild auf den ersten Blick erkennen lassen. Zum einen hat sich die schon seit Jahrzehnten zu beobachtende Tendenz zur Rationalisierung und Automatisierung der Arbeitsvorgänge weiterhin fortgesetzt — was vor allem in West- und Mitteleuropa zu einem weiteren Rückgang der Betriebszahlen und einer verstärkten Konzentration geführt hat — zum anderen haben sich durch einschneidende politische Ereignisse wie den Zusammenbruch des Ostblocks und die Erweiterung der EU die Rahmenbedingungen der landwirtschaftlichen Produktion in weiten Teilen Europas grundlegend verändert.

Wende in der Landwirtschaft
Tiefgreifende Veränderungen in der europäischen Landwirtschaft setzten um das Jahr 1990 ein. Erste Reformschritte hatten die Minister der EG bereits auf dem Brüsseler Sondergipfel von 1988 eingeleitet. Dort einigten sie sich erstmals auf ein jährliches Höchstmaß für die Agrarausgaben und schufen durch Flächenstilllegungs- und Vorruhestandsprogramme den Landwirten einen Anreiz, ihre Produktion zu drosseln.
In den ehemaligen Ländern des Ostblocks änderten sich mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion bzw. des RGW und der staatlichen Unabhängigkeit die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die agrarische Erzeugung grundlegend. Im Übergang zur Marktwirtschaft konnten nicht wenige der neu begründeten Landwirtschaftsunternehmen von dem Umstand profitieren, dass in einigen Ländern mit langjähriger Planwirtschaft die kleinparzelligen Besitzstrukturen, die in den westlichen Ländern über Jahrhunderte gewachsen waren, fehlten. Dadurch gibt es beispielsweise in Ostdeutschland heute erheblich mehr moderne landwirtschaftliche Großbetriebe als in Westdeutschland (vgl. 55.4). Parallel zu dieser landwirtschaftlichen Reorganisation im Osten wurde auf EU-Ebene der Interventionspreis für Getreide bis 1996 in drei Schritten um ein Drittel gesenkt. Dadurch konnten die Exportüberschüsse, die zuvor bei rund 40 Mio. Tonnen lagen, auf ein Niveau von rund 15 Mio. Tonnen gesenkt werden. Zugleich wurden ab den 1990er-Jahren umweltverträgliche Methoden in der Landwirtschaft gezielt immer stärker gefördert.

"Agenda 2000" und EU-Erweiterung
Die 1997 veröffentlichte "Agenda 2000" beschäftigte sich nicht nur mit der Osterweiterung der EU, sondern auch mit der europäischen Agrarpolitik, die noch immer einen Großteil des EU-Budgets verschlang. Erklärtes Ziel war es, die ab 1988 eingeleiteten Reformschritte zu vertiefen. Zum einen sollten regionale Entwicklung und Umweltschutz verstärkt in die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) einbezogen werden, zum anderen sollten für die Landwirte alternative Einkommens- und Beschäftigungsmöglichkeiten, etwa durch "Ferien auf dem Bauernhof", geschaffen werden. Im Zuge der folgenden Reformen kam es zu einem grundlegenden Paradigmenwechsel in der europäischen Agrarpolitik, der sich mit einem Wandel des öffentlichen Bewusstseins deckte. Waren noch bis in die 1980er-Jahre die Subventionen ausschließlich von der Quantität der produzierten Güter abhängig, wurden die Finanzhilfen durch die GAP nun immer stärker davon abhängig gemacht, in welchem Maße die Qualitäts- und Umweltschutzvorgaben der Gemeinschaft eingehalten wurden. Heute steht der Verbraucherschutz in Europa zunehmend auf der Prioritätenliste.
Weitere Veränderungen für die europäische Landwirtschaft brachte 2005 die Osterweiterung der EU, durch die sich die Zahl der Landwirte in der EU von 7 Mio. auf 11 Mio. und die Agrarfläche von 130 Mio. auf knapp 170 Mio. Hektar erhöhte. Da das landwirtschaftliche Produktionspotenzial in den neuen Mitgliedsländern aber keineswegs in vollem Umfang genutzt wird, sind die Gesamterträge im Bereich der EU-25 zwischen 2005 und 2007 nur gering gestiegen. Bei einigen Feldfrüchten wie Zuckerrüben und Kartoffeln gab es seit Mitte der 1990er-Jahre sogar eine rückläufige Entwicklung. Während die Produktionsmengen auf dem Gebiet der älteren Mitgliedsstaaten dank ausgefeilter Regularien nahezu konstant geblieben sind, gab es in den neuen Mitgliedsstaaten sowohl hinsichtlich der Verteilung der Anbaufrüchte als auch der Erntemengen stärkere Veränderungen.
K. Lückemeier

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Entwicklung der GAP

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Flächennutzung in Deutschland 2006

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