Vianden - Wasserwerk

Wirtschaft

978-3-14-100757-2 | Seite 11 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 40.000
Vianden | Wasserwerk | Wirtschaft | Karte 11/1

Informationen

Die 78 km lange Our, ein Zufluss der Sauer, die wiederum bei Wasserbillig in die Mosel mündet, bildet die Grenze zwischen Rheinland-Pfalz und Belgien (im Norden) sowie Luxemburg (im Süden). Sie entspringt am 653 m hohen Eichelsberg in den östlichen Ardennen und mündet nach einem mäanderreichen Lauf bei Wallendorf in die Sauer. Die Flussstrecke, die die Grenze zwischen Deutschland und Luxemburg bildet, wird von beiden Ländern gemeinsam verwaltet. Die gleiche Rechtslage gilt für den Grenzverlauf von Sauer und Mosel. Beiderseits der Our liegt das malerische, von einer mächtigen Burg überragte Vianden, Kantonshauptstadt und eine bedeutende Touristengemeinde Luxemburgs. Oberhalb von Vianden staut die Talsperre Lohmühle die Our auf einer Länge von 8 km bis nach Stolzemberg. Der Stausee, der den 338 m hohen Umlaufberg Kop fast umschließt, hat ein Fassungsvermögen von 6 Mio. m³. Für die Flutung musste der Ortsteil Putscheid-Bivels verlegt werden.

Das Pumpspeicherwerk Vianden
Mit einer Leistung von 1096 MW ist das Pumpspeicherwerk Vianden eines der größten seiner Art in Europa. Pläne für den Bau der Kraftwerksanlage reichen bis ins Jahr 1925. Die Bauarbeiten begannen 1959, nachdem zuvor die Betreibergesellschaft SEO (Société Electrique de l'Our) gegründet worden war. Hauptaktionäre der SEO sind der Staat Luxemburg mit 60 % und die RWE Power AG mit 40 % Beteiligung. Nach fünfjähriger Bauzeit konnte die Anlage 1964 in Betrieb genommen werden. Vom Kavernenkraftwerk (900 MW) am Ende des Stausees aus wird nachts in etwa sieben Stunden unter Ausnutzung des billigen Nachtstroms Wasser aus dem Stausee in die beiden auf dem 510 m hohen Nëklosbierg liegenden Oberbecken, die eine Speicherkapazität von ebenfalls 6 Mio. m³ haben, gepumpt. Bei Bedarf an Spitzenstrom fließt das Wasser zurück auf neun Maschinengruppen, die jeweils aus einer Turbine, einem Generator und einer Pumpe bestehen.
Der Wassertransport läuft über ein System von Druckschächten mit Längen von 625 m und 856 m ab. Die 330 m lange Maschinenhalle liegt im Innern des Nëklosbierges. 1976 wurde in einem Seitental bei Vianden ein zweites Kraftwerk (Schachtkraftwerk) mit einer Leistung von 200 MW in Betrieb genommen, das durch einen 1375 m langen Druckschacht mit den Oberbecken verbunden ist. Die durchschnittliche Fallhöhe beträgt rund 280 m bei beiden Kraftwerkstypen. Täglich werden bis zu 6,8 Mio. m³ Wasser bewegt.
Das Pumpspeicherwerk erzeugt maximal 1600 GWh Energie im Jahr. Der Pumpstrom wird in das Hochspannungsnetz der RWE Power AG eingespeist, die Bestandteil des westeuropäischen Verbundsystems ist. Die RWE liefert den für den Betrieb erforderlichen Pumpstrom und nimmt den in Luxemburg erzeugten Spitzenstrom ab. Die unterirdische Kaverne und ein Besucherstollen sind täglich frei zugänglich und können besichtigt werden. Eine elfte Maschinenanlage mit 200 MW Leistung ist zurzeit in Planung und soll 2012 in Betrieb gehen.
E. Astor

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