Vereinigte Staaten von Amerika (USA)/Kanada - Wirtschaft

USA/Kanada – Wirtschaft

100750 | Seite 156 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 16.000.000
Vereinigte Staaten von Amerika (USA)/Kanada | Wirtschaft | USA/Kanada – Wirtschaft | Karte 156/3

Informationen

Die Karte gibt einen Überblick über die wirtschaftliche Bedeutung von Landwirtschaft, Bergbau und Industrie in den USA, in Kanada und im nördlichen Teil von Mexiko. Obwohl diese Wirtschaftssektoren zwar nach wie vor landschaftsprägend sind, darf ihre gesamtwirtschaftliche Bedeutung nicht überschätzt werden. Die USA und Kanada sind seit langem als nachindustrielle Gesellschaften bekannt, auch in Mexiko trägt der tertiäre Sektor inzwischen zu annähernd 70 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei.

Die Industrieregionen im Norden
Hinsichtlich der räumlichen Verteilung der Industriestandorte lassen sich mehrere große Zentren unterscheiden, die zum Teil von den USA nach Kanada übergreifen.
Die nach wie vor bedeutendste Industrieregion Nordamerikas ist der Manufacturing Belt, der sich von Quebec in Kanada bis zum nördlichen Mississippi um St. Louis erstreckt. Für seinen Aufstieg waren mehrere Gunstfaktoren ausschlaggebend. Zunächst entwickelte sich die Industrie im östlichen Teil, den Neuenglandstaaten, wobei die Lage an der Hauptschifffahrtsroute nach Europa und die Funktion des Gebietes als Haupteinfallstor für die Einwanderer eine wichtige Rolle spielte. Weitere Standortvorteile waren der Holzreichtum und die Verfügbarkeit von Wasserkraft. Später erfolgte die Ausweitung der Industrieregion nach Westen. Dabei bildeten die Agrarerzeugnisse aus dem Mittelwesten die Grundlage für die auch heute dort stark vertretene Nahrungs- und Genussmittelindustrie.
Die Schwerindustrie gründete sich auf die Kohlevorkommen in den Appalachen und die Erze im oberen Ohiotal. Als die Erzlager erschöpft waren, wurde durch den Abbau der Erze in der Mesabi Range am Oberen See Ersatz geschaffen. Für mehrere Jahrzehnte war der Raum um Pittsburgh die "Stahlküche Amerikas". Im Raum Detroit ist die Automobilindustrie mit ihren Zulieferern konzentriert. Auf kanadischer Seite gilt Entsprechendes für den Raum um Toronto.
In jüngerer Zeit hat der Manufacturing Belt an Bedeutung eingebüßt, weil durch technologische Veränderungen die alten Standortvorteile weniger bedeutsam wurden und neue Hüttenindustrien beispielsweise in Küstenlage entstanden. Der allgemeine Niedergang der Altindustrien hat diesem Raum die Bezeichnung "Rostgürtel" (Rust Belt) eingetragen. Neuere Industrien wurden hingegen vornehmlich im südlichen "Sonnengürtel" (Sun Belt) aufgebaut. Durch gezielte Förderung der öffentlichen Infrastruktur und neuer Wirtschaftszweige aus den Bereichen Hightech, Biotechnologie und Medizin ist vielerorts die Überführung einer Altindustrieregion in einen neuen Standort zukunftsorientierter Branchen eingeleitet oder sogar bereits vollzogen worden.
Im pazifischen Nordwesten bildet der Raum um Seattle und Vancouver einen weiteren industriellen Schwerpunkt. Neben der nach wie vor bedeutsamen Holzindustrie ist aufgrund der vorhandenen Wasserkraft die Aluminiumindustrie angesiedelt worden, an die sich der Flugzeugbau, vertreten etwa durch Boeing in Seattle, als Großabnehmer angeschlossen hat. Dieser Raum profitiert ebenso wie Kalifornien von dem stark angestiegenen transpazifischen Handel. In Kanada hat sich im Raum Edmonton/Calgary auf der Basis der Erdöl- und Kohleverarbeitung und der chemischen Industrie ein größerer Industriestandort entwickelt.

Die Industrieregionen im Süden
Hervorstechend in den Südstaaten sind die südlichen Appalachen mit dem Großraum Atlanta, die durch die Petroindustrie dominierte Küste von Houston bis New Orleans und der Raum um Dallas und Fort Worth. In den Appalachen hatten sich schon frühzeitig Industrieunternehmen aus den Bereichen Eisen- und Stahlerzeugung und Maschinenbau angesiedelt. Der Raum des Piedmont östlich der Appalachen entwickelte sich zu einem Schwerpunkt der Textilindustrie. An den Gefällestufen am Übergang der härteren Gesteine des Piedmont zu den weicheren Sedimenten der Küstenebene siedelten sich auf der Basis der Wasserkraft arbeitende Textilspinnereien an, die die Baumwolle des Südostens verarbeiteten.
In jüngerer Zeit sind aber auch zahlreiche neue Industriestandorte entstanden, etwa im Raum Dallas / Fort Worth der Flugzeugbau und die elektronische Industrie. Von besonderer Bedeutung ist auch der Golfküstensaum von New Orleans in Louisiana bis zum Seehafen Corpus Christi in Texas. Der östliche Teil am Mississippi ist vor allem auf Petrochemie und Aluminiumerzeugung ausgerichtet, der westliche Teil ist stärker differenziert und umfasst auch den Maschinenbau, insbesondere von Maschinen für die Bohrtätigkeit vor der Küste.
Ein weiteres wichtiges Industriezentrum hat sich in Kalifornien entwickelt. Schon 1906 siedelte sich die Flugzeugindustrie im Raum San Diego / Los Angeles im Süden Kaliforniens an, ab 1913 wurde auch die Filmindustrie in Hollywood ansässig. Von großer Bedeutung war und ist die Verarbeitung von Produkten aus der kalifornischen Landwirtschaft. Das starke Bevölkerungswachstum hat stets auch neue Industrien zur Ansiedlung ermuntert. So ist aufgrund der hohen Bevölkerungszahl und des hohen Motorisierungsgrades inzwischen auch der Automobilbau ein wichtiger Industriezweig. Eine bedeutsame Teilregion, die sich durch die Hightechindustrie auszeichnet, ist das südlich von San Francisco gelegene Silicon Valley, das sich nach 1940 zu einer führenden Industrieregion entwickelt hat (vgl. 160.3). Entscheidende Standortfaktoren waren hier der Aufbau militärischer Einrichtungen ab 1940 sowie die Ansiedlung der Flugzeugfirma Lockheed in Sunnyvale und die Eröffnung des Industrieparks der Universität von Stanford in Palo Alto nach 1950. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen der Stanford University und der Industrie entwickelte sich das Silicon Valley zu einem internationalen Zentrum innovativer Technologien, in dem sich zahlreiche neue Firmen ansiedelten.

Dienstleistung und Forschung
Die Karte weist verschiedene Großstädte als Dienstleistungszentren mit internationaler Bedeutung aus. Diese Städte sind zumeist der Sitz großer Unternehmen, Banken oder Börsen; sie beherbergen aber auch Dienstleistungen ganz anderer Art, etwa international renommierte Universitäten und andere Forschungseinrichtungen oder Kliniken mit einem weltweiten Renommee.
Von großer Bedeutung sind die Einrichtungen der Forschung und Anwendung von Hochtechnologie, beispielsweise die staatlichen Einrichtungen in Los Alamos (New Mexico), in Oak Ridge (Tennessee) oder in Kap Canaveral (Florida). Die enge Verbindung von Forschung und industrieller Anwendung hat neben dem Silicon Valley auch in Boston, entlang der sogenannten Route 128, und im Research Triangle Park in North Carolina, der auch als das "Silicon Valley des Ostens" bezeichnet wird, zur Ballung von technologieorientierten Unternehmen geführt. Auch Forschungsgelder des Verteidigungsministeriums, der NASA und der National Science Foundation haben die Spitzenforschung ermöglicht, die dann in der Industrie Anwendung findet.
W. Klohn