Veränderung der Bevölkerungsdichte 1990-2004

Deutschland - Bevölkerungsdynamik

978-3-14-100700-8 | Seite 72 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 6.000.000
Veränderung der Bevölkerungsdichte 1990-2004 |  | Deutschland - Bevölkerungsdynamik | Karte 72/1

Informationen

Diese und die folgende Karte "Erwartete Veränderung der Bevölkerungsdichte 2004-2020" (72.2) zeigen denselben Sachverhalt mit unterschiedlichem Zeitbezug. Zwei Merkmale werden miteinander verknüpft: die zeitlich eher stabile Bevölkerungsdichte, gemessen in Einwohnern je Quadratkilometer, und die Veränderung der Bevölkerungsdichte als absolute Differenz zweier Zeitpunkte. Da die Gebietsstände sich nicht verändern, sind die Karten auch zu interpretieren als eine Gruppierung der Bevölkerungsdynamik nach Dichteklassen. Allerdings sagen sie nichts aus über die relative Veränderung der Bevölkerungszahl.

Demographische Entwicklung der 1990er-Jahre
Die Dynamik einer Bevölkerung wird aus zwei Quellen gespeist: den natürlichen Bewegungen durch Geburten und Sterbefälle einerseits und den räumlichen Bewegungen durch Zuzüge und Abwanderungen andererseits. In den ersten 15 Jahren nach der Wiedervereinigung 1990 zeigte sich in der Bundesrepublik ein buntes Nebeneinander von Kreisen mit Geburtenüberschüssen oder Sterbeüberschüssen, von Wanderungsgewinnen oder Wanderungsverlusten. In dieser Vielfalt lassen sich indes einige räumliche Muster erkennen.
Zwei politische Ereignisse, das Verschwinden des Eisernen Vorhangs und die Wiedervereinigung, prägten auch die demographische Entwicklung der 1990er-Jahre. Unmittelbare Folgen der Grenzöffnung und des Transformationsprozesses waren zunächst ein massiver Geburtenrückgang in den neuen Ländern, starke Binnenwanderungsbewegungen von Ost nach West und hohe internationale Wanderungsgewinne, vorzugsweise in den wirtschaftsdynamischen Agglomerationen im Westen. Daneben vollzog sich — im Westen wie gehabt, im Osten sprunghaft und nachholend — ein Suburbanisierungsprozess von den Kernstädten in das mehr oder weniger verdichtete Umland. Seit Mitte der 1990er-Jahre verlangsamten sich diese Prozesse oder kehrten sich gar um. Die Fertilität stieg im Osten wieder an, die bis zu diesem Zeitpunkt niedrigere Lebenserwartung holte stark auf. Die Binnenwanderungsverluste des Ostens wurden geringer, die internationalen Wanderungsgewinne pendelten sich auf niedrigem Niveau ein. Der Suburbanisierungsprozess kam im Osten zeitweilig zum Erliegen, dann stabilisierte er sich auf einem mittleren Niveau.
Das räumliche Muster der Bevölkerungsdynamik in Ost- und Westdeutschland zeigt in der Vergangenheit deutliche Unterschiede mit Verdichtungstendenzen in den alten und Entdichtungsprozessen in den neuen Ländern. Auf beiden Seiten gab es auch Ausnahmen von diesem allgemeinen Trend. Im Westen verloren einige altindustrialisierte Städte an Ruhr und Saar Teile ihrer Bevölkerung, im Osten konnten einige Kreise in der Nachbarschaft größerer Städte einen Zuwachs verzeichnen. In der Summe hatten die Kernstädte des Westens zwar Sterbeüberschüsse, zugleich aber noch größere Wanderungsgewinne, mit denen die Bevölkerungszahl mehr als gehalten werden konnte. Das Umland der Kernstädte und auch die ländlichen Kreise verzeichneten — nicht zuletzt aufgrund ihrer günstigen Altersstruktur — geringe Geburtenüberschüsse und kräftige Wanderungsgewinne. Für alle Raumkategorien der neuen Länder waren die Sterbeüberschüsse prägend. Die Kernstädte hatten dabei — im krassen Gegensatz zum Westen — die geringsten Sterbeüberschüsse, in den geringer verdichteten Kreisen waren sie hingegen fast allein die Ursache der Bevölkerungsschrumpfung.
H. Bucher

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