Venezuela - Entwicklungsschwerpunkte

Kolumbien/Venezuela

978-3-14-100700-8 | Seite 211 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 12.000.000
Venezuela | Entwicklungsschwerpunkte | Kolumbien/Venezuela | Karte 211/3

Informationen

Seit dem Regierungsantritt des populistischen, international umstrittenen Präsidenten Hugo Chávez 1999 und der Annahme einer neuen "bolivarischen" Verfassung im Jahre 2000, die die Basis für den Aufbau des Sozialismus in der "Bolivarischen Republik Venezuela" bildet, hat sich die Wirtschaftspolitik und -entwicklung des Landes erheblich gewandelt.

Wirtschaftsmotor Erdöl
Grundlage der venezolanischen Wirtschaft ist seit den 1920er-Jahren die Erdölgewinnung und -verarbeitung: 1980 machten Erdöl und Erdölderivate 93,2 Prozent aller Exporterlöse aus. Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang auf 80,5 Prozent 1990 stieg ihr Anteil bis 1997 wieder auf 82,9 Prozent. Dass die Erdöl-Fördermenge aufgrund nicht mehr modernisierter Anlagen und anderer technischer Probleme von 3,3 Mio. Barrel pro Tag (1997) auf nur noch 2,4 Mio. Barrel pro Tag (2006) zurückgegangen ist, wurde durch die gestiegenen Weltmarktpreise mehr als ausgeglichen. Etwa 50 Prozent der Staatseinnahmen stammten 2005/06 aus dem Erdölsektor, der auch für den Handelsbilanzüberschuss von 32 Mrd. US-Dollar verantwortlich ist.

Regionale Disparitäten
Durch die Inwertsetzung des enormen Energiepotenzials aus Erdöl, Erdgas, Kohle und Wasserkraft sollte ab 1976 ein regionaler Industrialisierungsprozess eingeleitet werden, der zugleich einem Abbau regionaler Disparitäten, auch in der Bevölkerungsverteilung, dienen sollte. Nach einem hohen und stabilen Wachstum in den Anfangsjahren kam es Ende der 1970er-Jahre durch wirtschaftliche Rezession, Inflation, zunehmende Arbeitslosigkeit, negative Handelsbilanzen und die Zunahme der Auslandsschulden zu einem strukturellen Richtungswandel, der eine stringente Umsetzung der Dekonzentrationspolitik zunichte machte.
Aufgrund der Standortvorteile der Küstenregion — etwa im Hinblick auf Verkehrslage, Agglomerationsvorteile und Absatzmärkte — ist es im Nordosten und entlang der Achse Caracas-Valencia zu einer weiteren Bevölkerungsverdichtung und Zunahme der Industrieflächen gekommen. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch gezielte Infrastrukturmaßnahmen etwa im Straßenbau und im Gesundheits- und Bildungssektor unter der Präsidentschaft von Hugo Chávez. Fast 70 Prozent der Industriebeschäftigten konzentrieren sich im Raum Caracas-Valencia, etwa 35 Prozent der Gesamtbevölkerung leben hier. Weitere küstennahe Standorte mit hohem Attraktionswert und starker Bevölkerungskonzentration sind Barcelona und Puerto de la Cruz-Cumaná im Osten sowie — vor allem durch Erdölvorkommen und Petrochemie — die Region um Maracaibo im Westen.
Den regionalen wirtschaftlichen Disparitäten entspricht die ungleiche Verteilung der Bevölkerung, die in den ländlichen Gebieten seit den 1950er-Jahren — und noch einmal verstärkt seit dem Beginn der Chávez-Regierung — auf die pull-Faktoren der Agglomerationen mit einer entsprechenden Abwanderung reagierte.
Mehr als zwei Drittel der venezolanischen Bevölkerung leben in der gut erschlossenen nördlichen Zentralregion. Die weitaus größte Bevölkerungsballung weist der Distrito Federal (Bundesdistrikt) von Caracas mit 2,3 Mio. Einwohnern auf. Hier gibt es eine Bevölkerungsdichte von mehr als 5250 Einwohnern pro Quadratkilometer, während die Bundesstaaten Amazonas und Delta Amacuro Werte von 0,4 bzw. 2,4 Einwohnern pro Quadratkilometer aufweisen.
G. Mertins

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