Venedig - Stadt auf dem Wasser

Italien - Venedig

978-3-14-100800-5 | Seite 135 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 50.000
Venedig | Stadt auf dem Wasser | Italien - Venedig | Karte 135/2

Überblick

Die Lage Venedigs mitten in einer Lagune der nördlichen Adria ist ein Relikt der späten Völkerwanderungszeit. Die romanische Bevölkerung der Region suchte im 6. Jahrhundert Schutz vor den einwandernden Langobarden auf den Inseln in der Lagune und gründete hier eine Stadt. Die Lage erwies sich in der Folgezeit für das vom Fernhandel mit der Levante lebende Venedig als außerordentlich vorteilhaft. In der Mittlerrolle zwischen Orient und Okzident entwickelte sich die Stadt zu einer der wirtschaftlich und politisch bedeutendsten Mächte Europas. Eine Fülle kunst- und kulturgeschichtlich herausragender Bauwerke bezeugen ihre einstige Bedeutung.

Stadtgeschichte

Von Anbeginn an haben die Einwohner und Herrscher Venedigs ihren Siedlungsraum gestaltet. Die ganze Altstadt ruht auf Millionen Holzpfählen, die in den schlammigen Untergrund gerammt wurden. Durch Landgewinnung, Zuschüttung von Kanälen, Abriss und Neubebauung usw. hat sich die Stadt immer wieder verändert.

Bereits im Mittelalter wurde Venedig in sechs Stadtteile („Sestieri“) aufgeteilt, wobei San Polo mit dem Mercato di Rialto daswirtschaftliche Zentrum bildete, während San Marco mit Dogenpalast und Markusdom als politisches und kulturelles Zentrum fungierte. Zu Dorsoduro zählt auch La Giudecca, die kleine Inselgruppe südlich der Altstadt. In einem Ghetto im Norden der Stadt lebten die Juden Venedigs, die einen großen Anteil an der städtischen Wirtschaft hatten. Napoleon gründete nach der Säkularisierung von Klöstern das Städtische Krankenhaus Santi Giovanni e Paolo und ließ im Osten Altvenedigs den Stadtpark anlegen, der seit 1895 Standort der im zweijährigen Turnus stattfindenden Biennale ist.1846 wurde der Inselcharakter Venedigs aufgehoben: Die Eisenbahnbrücke vom Festland her ging in Betrieb. Um diese Zeit wurde das nördlich gelegene San Michele zur Friedhofsinsel erklärt, erweitert und mit baulichen Maßnahmen gegen Hochwasser geschützt.

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Strukturprobleme der Lagunenstadt

Die Inselsituation Venedigs lässt in wirtschaftlicher Hinsicht fast nur eine tertiäre, touristische Nutzung. Dieser Wirtschaftszweig stellt jedoch nur einequantitativ und qualitativ begrenzt Zahl von Arbeits- und Ausbildungsplätzen bereit. Gleichzeitig führt er dazu, dass sich die Infrastruktur des täglichen Bedarfs für die Wohnbevölkerung permanent verschlechtert, weil kleine Lebensmittelläden, Facheinzelhändler und Handwerker zunehmend durch Andenkenläden und andere touristische Angebote verdrängt werden.

Hinzu kommt, dass die Wohnverhältnisse schwierig sind. Die meisten unteren Geschosse in der Altstadt sind aufgrund der häufigen Hochwasser unbewohnbar, überdies ist die sanitäre und heizungstechnische Ausstattung vieler Altbauwohnungen mangelhaft.

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Konzepte für die Zukunft

Um Venedig langfristig vor dem Verfall zu schützen, muss die Stadt ihre lebensfähigen Funktionen behalten und der Bevölkerung Wohnraum und Arbeitsplätze bieten. Erfolgversprechend erscheint die Stärkung ihrer Funktionen als Kultur-, Verwaltungs- und Versorgungszentrum.

Gegen die Vereinnahmung der Stadt durch den Tourismus und die damit verbundene Verschlechterung der Lebensbedingungen sowie ökologische Probleme regt sich zunehmend Widerstand. Nach vehementen Protesten der Bevölkerung hat die Stadt die Zahl der Kreuzfahrtschiffe, die gleichzeitig anlegen dürfen, im April 2014 auf maximal fünf limitiert; unterstützt wurde die Initiative von ansässigen Hoteliers, die ebenfalls unter dem Kreuzfahrttourismus leiden. Ab November 2014 will Venedig die größten Kreuzfahrtriesen (über 96 000 Bruttoregistertonnen) ganz aus der Stadt verbannen.

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Tourismus und Entwicklung der Einwohnerzahlen

Die gesamte Stadt, die weitgehend aus historischer Bausubstanz besteht, wurde 1987 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Zu den bekanntesten und prächtigsten Bauwerken zählen neben dem Dogenpalast und der Markuskirche die am Canale Grande aufgereihten Palazzi, die früher zumeist als Wohn- und Geschäftshäuser der venezianischen Fernhändler dienten.

Die Lagunenstadt gilt heute als eines der schönsten und bedeutendsten Reiseziele weltweit; allein die Zahl der Tagesbesucher liegt bei fast 30 Mio. pro Jahr. Die Hotels, die sich vor allem am Bahnhof und in der Nähe des Markusplatzes konzentrieren, stehen exemplarisch für die enorme wirtschaftliche Bedeutung des Tourismus. Auch die ausgedehnten Parkplatzflächen im Westen der Stadt weisen auf die große Zahl der Kurzurlauber hin, die mit Bussen oder Pkws in die Lagunenstadt kommen und dabei die 1933 eröffnete Straßenbrücke nutzen.

Der boomende Tourismus hatte allerdings auch maßgeblich Anteil daran, dass sich die Lebensbedingungen in der Altstadt für die Einheimischen immer mehr verschlechtert haben, weshalb vor allem junge Menschen und Familien mit Kindern in den letzten Jahrzehnten verstärkt auf das Festland abwandert sind. Die Folgen für das historische Zentrum sind schrumpfende Einwohnerzahlen bei einer tendenziell ungünstigen Altersstruktur. Hatte die Altstadt 1951 noch 174 800 Einwohner, sank deren Zahl bis 2010 auf nur noch rund 60 000 Menschen.

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Kampf gegen die Hochwassergefahr

Hochwasser ist ein periodisch auftretendes Problem in Venedig. Da das natürliche Regulierungssystem der Lagune gestört ist, wird die Situation seit Jahrzehnten immer bedrohlicher. In den 1950er-Jahren gab es etwa sieben Hochwassertage pro Jahr, mittlerweile sind es bereits bis zu 50 Tage.

Überdies droht die Stadt zu versinken. Früher sank Venedig um zwei Millimeter pro Jahr, heute sind es effektiv vier bis sechs Millimeter; in diesem Wert enthalten ist der weltweite Meeresspiegelanstieg von ein bis zwei Millimetern pro Jahr. Um die Gefahr in Zukunft einzudämmen, wurde 2003 mit dem Bau von drei großen Hochwassertoren begonnen (vgl. 135.3), die bei Bedarf die Lagune von der Adria abriegeln können. Dieses Jahrhundertprojekt soll die Lagune nach seiner Fertigstellung 2016 vor weiteren Hochwassern schützen.

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Materialien zu dieser Karte

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Wohin zieht Familie Morelli? Methode Planen und Entscheiden

2 Arbeitsblätter Eine Charakteristik fast aller Lernmethoden aus dem Ansatz "Denken lernen mit Geographie" ist, dass die Aufgaben KEINE allgemeingültige Lösungen haben.
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