USA - Entwicklung der Automobilindustrie

Nordoststaaten der USA - Wirtschaft

978-3-14-100700-8 | Seite 201 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 18.000.000
USA | Entwicklung der Automobilindustrie | Nordoststaaten der USA - Wirtschaft | Karte 201/2

Informationen

Der Automobilbau und die zuliefernde Industrie gehören mit 1,1 Mio. Beschäftigten und 13,2 Mio. produzierte Fahrzeuge (2005) zu den Schlüsselbereichen der amerikanischen Wirtschaft. Zusätzlich wurden etwa 3,7 Mio. Fahrzeuge importiert, was einem Anteil von 22 Prozent aller verkauften Neufahrzeuge entspricht.

Zu den Standortmustern
Die Automobilindustrie ist abhängig von der Zulieferindustrie einerseits und den Absatzmärkten andererseits, daher haben die Standortfrage und der Versuch zur Minimierung der Transportkosten immer zentrale Bedeutung. Die Absatzmärkte ergeben sich aus den Ballungsräumen. Wie auf der Karte gut zu erkennen ist, weist die Standortverteilungen der amerikanischen und ausländischen Automobilwerke durchaus Unterschiede auf: Während die amerikanische Automobilindustrie noch stark den traditionellen Standorten des "Manufacturing Belt", insbesondere dem Großraum Detroit verhaftet ist bzw. sich in jüngerer Zeit wieder dort konzentriert, zeigt vor allem das Vordringen der japanischen Automobilkonzerne auch eine starke Einbindung anderer Teilräume, die sich vom Großraum Detroit in einem Konzentrationsband nach Süden ziehen.
Hintergründe dieser unterschiedlichen Verteilungsmuster sind abweichende Unternehmensentscheidungen und Markterschließungsphilosophien sowie der Bedeutungswandel von Standortfaktoren. Bei der amerikanischen Automobilindustrie waren transportorientierte Entscheidungen in Bezug auf Rohstoffe, zuliefernde Industrien und Absatzmärkte immer maßgeblich, vor allem seit dem Beginn der Massenproduktion. Waren die ersten zehn Jahre der amerikanischen Automobilindustrie noch durch viele kleine Werke im Nordosten gekennzeichnet, begann nach der Gründung von Ford (1903) und General Motors (1908) mit der Fließbandproduktion die Massenfertigung. 1929 wurden bereits 4,5 Mio. Pkws in den USA hergestellt; das ergab ein Verhältnis von 190 Pkws pro 1000 Einwohnern, welches in Westeuropa erst in den ausgehenden 1960er-Jahren erreicht wurde.
Die Massenfertigung und der Massenbesitz des Automobils — schon in den 1920er-Jahren hatte jeder vierte amerikanische Haushalt ein eigenes Automobil — führte zum einen zu einer Verteilung der Produktion auf die großen Ballungszentren der USA — mit Schwerpunkt in der Küstenregion von Boston bis Norfolk, Virginia und Atlanta —, zum anderen kristallisierten sich in dieser Zeit die "Big Three", die drei Konzerne im Großraum Detroit, als Marktführer heraus, weil sie bewusste Produktdifferenzierung betrieben und jährlich neue Modelle bei gleichbleibend niedrigem Preisniveau vorstellten. Ferner investierten sie stark in die Werbung und unterhielten große Händlernetze.
Mit den Importen preiswerter Kleinwagen aus Europa und Japan verstärkte sich ab Mitte der 1960er-Jahre die Notwendigkeit zur Rationalisierung. Die Automobilkonzerne entwickelten eigene "Compacts", handliche und preiswerte Kleinwagen, die bevorzugt als Zweitwagen dienten. Die Rationalisierungen führten auch zu Werksschließungen oder der Umstellungen auf die Lkw-Produktion. Allerdings öffneten auch neue amerikanische Produktionsstätten für Compacts. Diese Werke entstanden bevorzugt verkehrsgünstig an Eisenbahnstrecken, in fünf bis zehn Kilometer Entfernung zum nächsten Highway oder in einem Radius von 50 bis 75 Kilometern bis zum nächsten Flughafen mit internationalen Verbindungen.
Die Zulieferindustrie konzentrierte sich allerdings weiter auf das Gebiet um die Großen Seen. Die wirtschaftliche Monostruktur in Städten wie Akron in Ohio mit dem Reifenhersteller Goodyear führte seit den 1970er-Jahren zu erheblichen wirtschaftlichen Krisen.
W. H. Berentsen, R. Schneider-Sliwa

Graphiken

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Standorte der Zulieferindustrie des BMW-Werks in Spartanburg (North Carolina)

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Produktionsweisen der Automobilindustrie (Modelle)

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Wertschöpfung und Entwicklungsanteile von Automobilherstellern und Zulieferern

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Organisationsschema der Automobilwirtschaft

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