USA - Bevölkerungsgruppen

USA - Bevölkerung

978-3-14-100803-6 | Seite 210 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 36.000.000
USA | Bevölkerungsgruppen | USA - Bevölkerung | Karte 210/2

Überblick

Die amerikanische Nation begreift sich als „Nation of Immigrants“ bzw. „Melting Pot“, und in der Tat ist der Strom der Einwanderer seit der Ankunft der ersten Siedler nie abgerissen. Erst für die Zeit ab 1820 liegen zuverlässige statistische Angaben zur Zahl und Herkunft der Immigranten vor. (Daher sind in der Karte keine Angaben für die Zeit davor enthalten.) Seit diesem Zeitpunkt sind bis heute knapp 80 Mio. Menschen in die USA eingewandert; von diesen sind allerdings etwa 20 Prozent wieder in ihre Herkunftsländer zurückgekehrt.

Einwanderung und ethnische Minderheiten

Bis zum Ersten Weltkrieg stellten die Europäer mit Abstand das Hauptkontingent der Einwanderer. Unter ihnen dominierten bis etwa 1880 die West-, Nord- und Mitteleuropäer, einschließlich der Deutschen, während ab etwa 1880 die Immigranten aus Süd- und Osteuropa – darunter zahlreiche Juden, die vor den Pogromen im zaristischen Russland flohen – die Mehrheit bildeten.

Nach einer vier Jahrzehnte dauernden Phase mit vergleichsweise niedrigen Einwandererzahlen kam es mit der Reform der Immigrationsgesetze 1965 zu einem neuen, bis in die Gegenwart anhaltenden Einwanderungsstrom. Dabei änderte sich allerdings die Zusammensetzung der Immigranten grundlegend: Neben der stark nach Herkunftsländern differenzierten Gruppe der Asiaten dominieren gegenwärtig die Zuwanderer aus Lateinamerika, vor allem aus dem benachbarten Mexiko. Neben den offiziellen Immigranten gibt es eine wachsende Zahl von Menschen, die auf der Suche nach Arbeit und einer Verbesserung ihrer Lebensumstände „illegal“ ins Land gekommen sind. Ihre Zahl in den USA wurde 2012 auf 11 Millionen geschätzt. Für etwa die Hälfte dieser Menschen wurden 2014 eine Amnestie und ein Abschiebestopp in Aussicht gestellt, zum Beispiel Immigranten, die als Kinder in die USA kamen oder deren Kinder US-Staatsbürger sind.

Die starke Einwanderung nach 1960 hat zu einer tief greifenden Umgestaltung der Bevölkerungsstruktur der Vereinigten Staaten geführt. Stellten die Europäischstämmigen 1970 noch 83,2 Prozent der Einwohner, so sank ihr Anteil bis 2012 auf 63,0 Prozent (s. Diagramm); nach Prognosen wird ihr Anteil bis Mitte des 21. Jahrhunderts auf 50 Prozent fallen.

Wachsende Anteile verzeichnen die Asiaten und Hispanics. Letztere haben bereits zahlenmäßig die Afroamerikaner übertroffen (2012: 16,9 % bzw. 12, 3 %). Unter Hispanics wird die Bevölkerung mit Spanisch als Muttersprache verstanden, unabhängig von ihrer Nationalität. Entgegen dem Image der USA als „Nation of Immigrants“ bzw. „Melting Pot“ bestehen zum Teil große Probleme hinsichtlich der Gleichberechtigung und der Teilhabe am öffentlichen und wirtschaftlichen Leben (s. Diagramm zur Arbeitslosigkeit).

Die Veränderungen der Bevölkerungsstruktur stehen auch Beziehung zur Altersstruktur und zum demographischen Verhalten. Wie in vielen anderen Industriestaaten auch, nimmt in den USA der Anteil junger Menschen ab, der Anteil älterer Menschen nimmt zu. Der Altersaufbau der USA zeigt auch Unterschiede hinsichtlich der Bevölkerungsgruppen. Der Altersaufbau der europäischstämmigen Bevölkerung zeigt die Form einer Urne (d. h., die zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer TFR liegt unter 2,1 Kindern pro Frau), der der afroamerikanischen Bevölkerung dagegen die Form eines Bienenstocks (d.h., die zusammengefasste Fruchtbarkeitsziffer TFR liegt bei etwa 2,1).

Gegenwärtig erhalten rund 500 000 bis 600 000 Menschen pro Jahr offiziell die US-Staatsbürgerschaft. Zwischenschritte auf dem Weg dahin sind der Erhalt eines befristeten Einwanderungsvisums und die Erlangung einer dauerhaften Aufenthaltserlaubnis für die USA („Green Card“). Eine Green Card kann man zum Beispiel als hochqualifizierte Fachkraft oder Familienangehöriger eines US-Staatsbürgers erhalten, in geringem Umfang auch im Rahmen einer Verlosung oder als Flüchtling.

Zunehmend leben in den USA Menschen, die keiner der großen Bevölkerungsgruppen eindeutig zuzuordnen sind und die bilingual oder gar multilingual aufwachsen.

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Räumliche Verteilungsmuster nach Bevölkerungsgruppen

Die Bevölkerungsstruktur der Teilregionen ist im Laufe der Jahrzehnte zunehmend bunter geworden: Während die Afroamerikaner hauptsächlich im Süden leben, aber auch beachtliche Anteile im Nordosten der USA und im Mittleren Westen stellen, leben die Hispanics vor allem im Südwesten, aber auch im Nordwesten, in Illinois (Chicago) und an der Ostküste.

Die Asiaten sind von allen Bevölkerungsgruppen am stärksten auf die Städte orientiert. Sie sind vor allem in den großen Ballungsräumen der USA zu finden. Eine Ausnahme bildet hier lediglich Kalifornien, wo Asiaten in allen Teilen des Bundesstaats vergleichsweise hohe Anteile haben. Die indigene Bevölkerung stellt in den meisten Bundesstaaten nur eine kleine Minderheit, auch wenn ihre Gesamtzahl mit drei Millionen Menschen (2012) inzwischen wieder den Stand vor Ankunft der Europäer erreicht und vermutlich sogar überschritten hat.

Mittlerweile gibt es neben der Hauptstadt Washington Bundesstaaten wie Kalifornien, Hawaii, New Mexico und Texas, die sich durch eine „Majority of Minorities“ auszeichnen. Typisch für die Bevölkerungsstruktur dieser Staaten ist Kalifornien (s. Diagramm).

Die USA als „Melting Pot of Nations“, wo durch einen Prozess des kulturellen Austauschs und der wechselseitigen Angleichung die Einwanderer zu US-Amerikanern werden, dieses Modell des Zusammenlebens der Menschen unterschiedlichster Herkunft in einer gemeinsamen Nation hat sich zweifellos als Mythos erwiesen. Die soziale Realität der Vereinigten Staaten wurde in der Vergangenheit eher durch die Dominanz einer angelsächsisch geprägten Kultur und Lebensweise bestimmt. Angesichts der sich verändernden Bevölkerungsstruktur spricht Vieles dafür, dass sich die USA in Zukunft stärker in Richtung einer multiethnisch geprägten Gesellschaft hin entwickeln werden und damit einem Modell folgen, das populär als „Salad Bowl“ bezeichnet wird.

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Die afroamerikanische Bevölkerung der USA

Noch um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert konzentrierte sich die Mehrheit der afroamerikanischen Bevölkerung auf die sogenannten Südstaaten im Südosten des Landes. Die Bevölkerung der übrigen Bundesstaaten wurde – von den Indianern, den Nachfahren spanisch-mexikanischer Kolonisten im Südwesten sowie kleineren Gruppen von Chinesen abgesehen – eindeutig von den Nachkommen der europäischen Einwanderer dominiert.

Die Afroamerikaner waren ab dem frühen 17. Jahrhundert als Sklaven in die damaligen britischen Kolonien verschleppt worden, um dort als rechtlose Arbeitskräfte auf den Baumwoll-, Tabak- und Reisplantagen zu arbeiten und den Wohlstand der Kolonien zu sichern. Obwohl bereits 1808 die Einreise von Sklaven gesetzlich verboten wurde, kamen bis 1860 mindestens weitere 250 000 Sklaven illegal in die USA. Auch die am 1. Januar 1863 durch Abraham Lincoln verkündete Sklavenbefreiung verhinderte nicht, dass die Afroamerikaner noch mehr als ein weiteres Jahrhundert lang der sozialen und politischen Diskriminierung und der wirtschaftlichen Benachteiligung ausgesetzt waren und es teilweise bis heute noch sind.

Nach der Wende zum 20. Jahrhundert kam es im Zuge der „Great Migration“ zu einer verstärkten Wanderung von Afroamerikanern aus dem agrarischen Süden in die Industriestädte des Nordens und Westens und in der Folge zur Herausbildung von Stadtvierteln, die überwiegend von Afroamerikanern bewohnt wurden, beispielsweise Harlem in New York. Seit etwa 1990 hat sich jedoch das traditionelle Wanderungsmuster der Afroamerikaner grundlegend gewandelt. Verstärkt wandern sie aus den Städten des Nordostens, des Mittleren Westens und des Westens in den Süden der USA (s. Karte).

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Graphiken

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Ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung in Washington D.C.

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Schwarze Musiker in einem Park in Harlem

Foto: H.-D. Laux, Bonn; G. Thieme, Köln
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Graffito an einer Wand in East Los Angeles

Foto: H.-D. Laux, Bonn; G. Thieme, Köln
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