Tschernobyl - Folgen eines Reaktorunfalls

Osteuropa

978-3-14-100700-8 | Seite 96 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 4.000.000
 Tschernobyl | Folgen eines Reaktorunfalls | Osteuropa | Karte 96/3

Informationen

Das Kernkraftwerk Tschernobyl liegt im Norden der Ukraine, etwa sieben Kilometer vor der Grenze nach Weißrussland (Belarus) und rund 120 Kilometer entfernt von der südlich gelegenen Hauptstadt Kiew mit ihren rund 3 Mio. Einwohnern. In dem Reaktorkomplex am Fluss Pripjat, der bei der Stadt Tschernobyl in den Dnjepr mündet, kam es in der Nacht vom 25. auf den 26. April 1986 infolge einer Kernschmelze im Reaktor zu einem sogenannten Super-GAU, bei dem rund 100-mal mehr Radioaktivität freigesetzt wurde als bei den Atombombenabwürfen von Hiroshima und Nagasaki. Über die Zahl der Opfer gibt es auch mehr als 20 Jahre nach dem Unglück keine genauen Zahlen — auch deshalb, weil viele gesundheitliche Folgeschäden mit den heutigen wissenschaftlichen Methoden nicht zu einhundert Prozent auf das Unglück zurückgeführt werden können und deshalb unterschiedlich erfasst werden. Das "Tschernobyl-Forum", ein Gremium, in dem neben sieben UN-Organisationen wie der Welternährungsorganisation auch Experten aus Russland, Weißrussland und der Ukraine vertreten sind, spricht in seinem Bericht von 2005 von rund 4000 Toten. Viele Wissenschaftler sowie Umwelt- und Hilfsorganisationen haben an dem Bericht kritisiert, dass er das Ausmaß der Katastrophe und die Zahl der tatsächlichen Krebs- und Strahlenopfer aus finanziellen, politischen und/oder juristischen Gründen eklatant untertreibe. Greenpeace beispielsweise spricht von 15 000 Todesopfern allein unter den "Liquidatoren", die in den ersten Tagen als Katastrophenhelfer eingesetzt wurden.

Kontamination und wirtschaftliche Folgen
Die radioaktiv kontaminierten Gebiete in der Ukraine werden heute in vier Zonen eingeteilt. Zone 1 umfasst die Sperrzone, das am stärksten kontaminierte Gebiet. Zur Zone 2 gehören jene Gebiete, in denen die Böden durch langlebige Radionuklide dauerhaft verseucht sind und in denen unmittelbar nach dem Unglück für alle Einwohner eine Zwangsevakuierung angeordnet wurde. Zone 3 wird als Zone der garantierten freiwilligen Umsiedlung bezeichnet; in ihr liegen die Messwerte deutlich über denjenigen vor dem Reaktorunfall. Zone 4 schließlich bezeichnet ein Gebiet mit verschärfter Strahlenkontrolle, in der die Bodenbelastung nur vergleichsweise leicht über den früheren Werten liegt. Die beiden letztgenannten Zonen sind heute wieder für die Landwirtschaft freigegeben, die Anbaufrüchte werden allerdings erst nach strengen Kontrollen für den Verzehr freigegeben. In den Zonen 1 und 2, die allein auf dem Gebiet der Ukraine eine Fläche von 2600 km² umfassen, ist eine landwirtschaftliche Tätigkeit auch in den kommenden Jahren undenkbar. Nach Angaben des zuständigen Ministeriums bestehen Hoffnungen, dass Zone 2 nach entsprechenden Vorkehrungen und Investitionen in einigen Jahrzehnten wieder besiedelt werden kann, was in Zone 1 ausgeschlossen ist.
K. Lückemeier

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Räumliche Verbreitung von Umweltbelastungen in der GUS und in den baltischen Staaten

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