Trinkwasser

Erde - Böden/Desertifikation

978-3-14-100700-8 | Seite 234 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 180.000.000
Trinkwasser |  | Erde - Böden/Desertifikation | Karte 234/2

Informationen

Trinkwasser ist nach der Definition der EU-Trinkwasserrichtlinie "Wasser für den menschlichen Gebrauch", das bestimmte, rechtlich vorgegebene Güteeigenschaften aufweisen muss. Die wichtigsten Anforderungen sind die Genusstauglichkeit und die Freiheit von Krankheitserregern und anderen gesundheitsschädigenden Stoffen. Nur ein geringer Teil dieser knappen Ressource wird tatsächlich als Trinkwasser genutzt — allenfalls zwei bis drei Liter Wasser nimmt ein Mensch pro Tag zu sich —, eine weitaus größere Menge wird in Haushalten für die Zubereitung von Speisen und Getränken, für Wäsche und Reinigung sowie in Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft verbraucht. Für die Herstellung von einem Glas Apfelsaft beispielsweise werden etwa 190 Liter Wasser benötigt, bei einer Jeans sind es bereits 5000 Liter, bei einem Auto können es sogar 450 000 Liter sein.

Problem der Verteilung
Dabei gibt es rein rechnerisch auf der Erde genug Süßwasservorräte, um selbst das Dreifache der gegenwärtigen Weltbevölkerung hinreichend mit der lebenswichtigen Ressource zu versorgen. Allein die durchschnittlichen Jahresniederschläge in Afrika könnten nach einer Studie des UN-Umweltprogramms von 2006 den Wasserbedarf von 9 Mrd. Menschen decken. Das Problem ist, ähnlich wie bei den Nahrungsmitteln, in erster Linie eines der Verteilung.
Zum einen gibt es auf der Erde aride und semiaride Gebiete, in denen der Mangel an Wasser eine Folge der klimatischen und geographischen Gegebenheiten ist. Verschärft wird das Problem durch die starke Bevölkerungsentwicklung der letzten Jahre. Allerdings gibt es Länder, etwa auf der Arabischen Halbinsel, die ebenfalls unter ungünstigen Naturvoraussetzungen existieren, aber aufgrund ihres gesellschaftlichen Reichtums im Hinblick auf den Wassermangel Handlungsoptionen besitzen. In welchem Maße das Problem der unzureichenden Wasserversorgung eines der Armut ist, belegt der Umstand, dass nach UN-Angaben derzeit mehr als 1,5 Mrd. Menschen in Erdregionen leben, in denen Wasser durchaus in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht, in denen aber die notwendige Infrastruktur an Förderanlagen und Leitungsnetzen fehlt, um es der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Am schwersten betroffen von diesem Problem ist Afrika.
Akuten Wassermangel gibt es derzeit auch in China, Indien, Pakistan, Mexiko und in den Ländern des Nahen Ostens. Dort ist die Aufteilung des Jordanwassers schon seit Jahren ein Streitpunkt zwischen Syrien, Libanon, Israel, Palästina und Jordanien. Seit den 1960er-Jahren leitet Israel Jahr für Jahr mehr als 500 Mio. Kubikmeter Wasser aus dem See Genezareth, der seinerseits vom Jordan gespeist wird, in Richtung Tel Aviv und Beerscheba — etwa die Hälfte des Gesamtvolumens. Aus dem Jarmouk, einem Zufluss des Jordan, entnehmen Jordanien und Syrien weitere 200 Mio. Kubikmeter. In der Folge ist der Wasserspiegel des Toten Meeres seit Anfang der 1990er-Jahre um über zehn Meter gefallen. Auch im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern spielen die Wasserressourcen eine zentrale Rolle. Der durchschnittliche Wasserverbrauch liegt in Israel mit knapp 300 Litern pro Kopf und Tag auf europäischem Niveau; den Palästinensern in den besetzten Gebieten stehen nur etwa 70 Liter zur Verfügung. Im Sommer wird die Westbank mitunter wochenlang von der Wasserversorgung abgeschnitten, im Gazastreifen sickert Meerwasser in die erschöpften Grundwasservorkommen ein.

Extensiver Verbrauch in der Landwirtschaft
Auch andernorts versuchen Regierungen, dem Wassermangel in den trockenen Landesregionen durch die Umleitung großer Flüsse abzuhelfen. In Thailand gibt es Pläne, zwei Nebenflüsse des Mekong umzuleiten, in China soll ein Nebenfluss des Amur in naher Zukunft Wasser für die innere Mongolei liefern. In Spanien wird seit Jahren Wasser aus dem zentralspanischen Tajo in den trockenen Südosten des Landes geleitet. Diese Baumaßnahmen sind ökologisch nicht unumstritten, weil sie die Dynamik der betroffenen Gewässer erheblich verändern. Da die reduzierten Flüsse Schadstoffe schlechter verdünnen und sich zugleich erheblich schneller erwärmen, ist ein Rückgang der ökologischen Vielfalt eine häufige Folge.
Die Nutznießerin solcher Projekte ist die Landwirtschaft, deren Bewässerungsflächen sich in den letzten Jahrzehnten erheblich ausgeweitet haben. In den Ländern des Mittelmeerraumes werden inzwischen zwei Drittel aller Trinkwasservorräte von der Landwirtschaft verbraucht, weil sich die Bewässerungsflächen in den letzten 50 Jahren annähernd verdoppelt haben; insbesondere in Spanien und der Türkei. Der hohe Wasserverbrauch resultiert aber nicht nur aus der größeren Anbaufläche, sondern auch aus veralteten Bewässerungsmethoden und aus der Kultivierung wenig angepasster, stark wasserbedürftiger Anbaufrüchte wie Reis, Baumwolle, Zuckerrohr und Weizen.
Eine andere Methode, die Süßwasserreserven einer Region zu erhöhen, ist der Betrieb von Meerwasserentsalzungsanlagen, die in den Golfstaaten inzwischen einen Großteil des benötigten Trinkwassers liefern, aber auch in China, Spanien und Australien eine Rolle spielen. Die Anlagen haben allerdings zwei großen Nachteile: Zum einen sind sie in der Errichtung teuer, zum anderen ist ihr Betrieb bislang extrem energieintensiv.
K. Lückemeier

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