Tourismusformen und Reiseziele

Erde - Tourismus

978-3-14-100700-8 | Seite 246 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 120.000.000
Tourismusformen und Reiseziele |  | Erde - Tourismus | Karte 246/1

Überblick


Der Massentourismus hat sich in den wenigen Jahrzehnten seines Bestehens zu einem mächtigen Wirtschaftszweig entwickelt. Nach Angaben der Welttourismusorganisation UNWTO werden im Tourismusgeschäft jährlich rund 2,8 Billiarden Euro umgesetzt.
Touristen sind Menschen, die zu Erholungs-, Geschäfts- oder sonstigen Zwecken an einen Ort außerhalb ihres gewöhnlichen Lebensumfelds reisen und sich dort für einen Zeitraum von mindestens 24 Stunden bis maximal einem Jahr aufhalten.

Arten des Tourismus
Grundsätzlich wird zwischen Urlaubs- und Geschäftsreisetourismus unterschieden. Beide Formen sind stark von der jeweiligen wirtschaftlichen Lage eines Landes abhängig. So hat der Geschäftsreiseverkehr als Folge der Öffnung internationaler Warenmärkte seit den frühen 1990er Jahren stark zugenommen.
Auch der Urlaubstourismus wird durch die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes beeinflusst. Je schlechter die wirtschaftliche Situation umso weniger geben die Menschen für Erholungsurlaube aus.
Rückläufig ist der klassische Jahresfamilienurlaub, denn der Trend geht zu kürzeren, aber häufigeren Reisen zu verschiedenen Destinationen. Der Städte- und Kulturtourismus hat, auch dank gezielter Vermarktung, stark zugelegt.
In Ferienregionen, die nach wie vor auf den Familienurlaub setzen, ist das Beschäftigungs- und Unterhaltungsangebot in den letzten Jahren konsequent erweitert worden, z. B. durch Sport- und Wellness-Angebote, angegliederte Freizeitparks oder die Ausweisung spezieller Radsport- und Wanderstrecken.

Urlaubsverhalten
Winterskigebiete werben heute mit einem vielseitigen Angebot an Trendsportarten. Kreuzfahrten waren jahrzehntelang ein regelrechtes Statussymbol und nur den Wohlhabenden vorbehalten. Inzwischen werden auch sie zu durchschnittlich erschwinglichen Preisen angeboten.
Aufgrund des allgemeinen Trends hin zum Abenteuer- oder Erlebnistourismus, der das Erleben „exotischer Ziele“ anstrebt, schlagen Umweltschützer Alarm. Einige Regionen versuchen daher verstärkt, einen nachhaltigen Naturtourismus zu fördern, der die natürlichen Ressourcen schont.

Reiseziele weltweit
Die Übersicht über die Reisegebiete belegt, dass Europa nicht nur die meisten Touristen stellt, sondern auch im Hinblick auf den Tourismus der mit Abstand am stärksten erschlossene Kontinent ist.
Auch weite Teile der nordamerikanischen Pazifik- und Atlantikküsten, die Karibischen Inseln, einige Gebiete in Ost- und Südostasien, die Malediven sowie Teile Australiens und Neuseelands führen die Liste der Gebiete mit der höchsten touristischen Dichte an.
Von den mehr als 50 afrikanischen Ländern gehören nur Teilabschnitte in Marokko, Tunesien, Ägypten und Südafrika zu den für den Tourismus besser erschlossenen Gebieten. Weite Teile Afrikas, Asiens und Südamerikas sind jedoch touristisch unerschlossen und werden nur wenig bereist.

K. Lückemeier, J. Seibel

Info Plus

Der Massentourismus ist eine historisch junge Erscheinung, die sich in den wenigen Jahrzehnten ihres Bestehens zu einem mächtigen Wirtschaftszweig entwickelt hat. Nach Angaben der Welttourismusorganisation UNWTO werden im Tourismusgeschäft inzwischen jährlich rund 2,8 Billiarden Euro umgesetzt. Als Touristen definiert werden Personen, die zu Erholungs-, Geschäfts- oder sonstigen Zwecken an einen Ort außerhalb ihres gewöhnlichen Lebensumfelds reisen und sich dort für einen Zeitraum von mindestens 24 Stunden, maximal einem Jahr, aufhalten.

Tourismusformen
Im Tourismus lassen sich verschiedene Formen unterscheiden. Die grundsätzlichste Differenzierung ist diejenige zwischen dem Urlaubs- und dem Geschäftsreiseverkehr. Beide Formen sind stark von wirtschaftlichen und konjunkturellen Entwicklungen abhängig. So hat der Geschäftsreiseverkehr durch die Öffnung der internationalen Warenmärkte seit den frühen 1990er-Jahren in der Summe stark zugenommen, er unterliegt aber gewissen Schwankungen, da konjunkturelle Einbrüche im Bereich der Weltwirtschaft oder bei einzelnen Branchen viele Firmen dazu zwingen, Mehrausgaben für aufwändige Tagungen und dergleichen zu verringern. Auch auf Seiten des Privattourismus machen sich die ökonomischen Entwicklungen stark bemerkbar, da sich ein wirtschaftlicher Niedergang meist in rückläufigen Ausgaben für den Reiseverkehr niederschlägt.
Der Vorläufer des Tourismus im frühen 19. Jahrhundert war die Sommerfrische, der verlängerte Erholungsaufenthalt des privilegierten Bürgertums und der Aristokratie auf dem Lande oder an der See. Gegen Ende dieses Jahrhunderts setzte langsam auch der Wintertourismus in den Alpen ein (vgl. 102.1). Diese beiden klassischen Formen gibt es in modifizierter Form noch immer, allerdings haben sie durch eine konsequente Ausdifferenzierung des touristischen Angebots an Bedeutung verloren. Rückläufig zumal ist der klassische Jahresfamilienurlaub, denn der Trend geht einerseits zu kürzeren, aber häufigeren Reisen zu verschiedenen Destinationen, zum anderen hat der Städte- und Kulturtourismus, auch dank gezielter Vermarktung, stark zugelegt.
In Ferienregionen, die nach wie vor auf den Familienurlaub setzen, ist das Beschäftigungs- und Unterhaltungsangebot in den letzten Jahren konsequent erweitert worden, sei es durch Sport- und Wellness-Angebote, angegliederte Freizeitparks, die Ausweisung spezieller Radsport- und Wanderstrecken oder durch kulturelle Informations- und Besichtigungsangebote in der Umgebung. Winterskigebiete werben heute mit dem Angebot diverser Trendsportarten und mit "Schneesicherheit" durch Schneekanonen. Kreuzfahrten, jahrzehntelang ein regelrechtes Statussymbol, werden inzwischen von Hunderten Kreuzschiffen auch in erschwinglichen Preislagen angeboten. Dass Kreuzfahrtschiffe inzwischen in so großer Zahl auch äußerst abgelegene Erdregionen wie die Antarktis erreichen, dass die Umweltschützer schon Alarm schlagen, ist Ausdruck des allgemeinen Trends hin zum Abenteuer- oder Erlebnistourismus, der auch dem Safaritourismus eine neue Massenakzeptanz verschafft hat. Auch "exotische" Ziele in ärmeren Entwicklungsländern werden immer stärker für das touristische Massenangebot erschlossen.

Reiseziele weltweit
Die Übersicht über die Reisegebiete belegt, dass Europa nicht nur die meisten Touristen stellt, sondern dass es auch im Hinblick auf den Tourismus der mit Abstand am stärksten erschlossene Kontinent ist. Zu den touristischen Verdichtungsgebieten weltweit zählen überdies weite Teile der nordamerikanischen Pazifik- und Atlantikküste, die Karibischen Inseln, einige Küstengebiete und Metropolregionen in Ost- und Südostasien, die Malediven sowie Teile Australiens und Neuseelands. Von den mehr als 50 afrikanischen Ländern haben nur Marokko, Tunesien, Ägypten und Südafrika einige Küstenregionen, die zu dieser Kategorie gehören, während weite Teile des Kontinents für den Tourismus ebenso wenig erschlossen sind wie weite Gebiete Asiens und Südamerikas.
Zentren des Städtetourismus sind außer den europäischen und nordamerikanischen Metropolen überwiegend Städte, die entweder eine lange Geschichte haben oder, wie etwa Dubai oder Hongkong, erst in den letzten Jahrzehnten in Rekordzeit in den Rang von Weltstädten aufgestiegen sind. Angebote für den Erlebnis- und Abenteuerurlaub finden sich — aus nahe liegenden Gründen — bevorzugt in Regionen, die wirtschaftlich schwach und touristisch wenig erschlossen sind, wodurch sich Relikte ihres einstigen Naturreichtums erhalten konnten. In einigen dieser Gebiete, etwa in Afrika, wird in jüngster Zeit verstärkt der Versuch unternommen, einen nachhaltigen Naturtourismus aufzubauen, der, anders als so häufig im Massentourismus, der Erhaltung der natürlichen Ressourcen dient und zugleich der ansässigen Bevölkerung eine neue Einnahmequelle beschert.
K. Lückemeier

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Reiseströme des internationalen Tourismus

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