Tourismus

Alpenraum – Tourismus und Umwelt

978-3-14-100782-4 | Seite 28 | Abb. 1
Tourismus |  | Alpenraum – Tourismus und Umwelt | Karte 28/1

Informationen

Die Karte zeigt den Alpenbogen von Grenoble und Lyon im Westen bis zum Salzkammergut und den Klagenfurter Seen im Osten. Im Norden begrenzen München und der Schwarzwald und im Süden die Meeralpen und die Apenninen bis Florenz und Pisa den Kartenausschnitt. Verkehrsachsen mit Tunneln und Pässen zeigen die Transportwege, die das Hochgebirge überwinden. Anhand der Staatsgrenzen sind solche touristische Entwicklungen zu beobachten, die auf historische, politische, raumplanerische, kulturelle und wirtschaftliche Unterschiede der Alpenstaaten zurückzuführen sind. Zwischen der Bodenbedeckung und der Lagesituation einzelner Orte und Regionen lassen sich Zusammenhänge zu den Tourismusorten sowie deren Kategorisierung und den jährlichen Übernachtungszahlen herstellen.
Der engere Alpenraum ist aufgrund des Reliefs weniger für Ackerbau, wie es in der Poebene der Fall ist, sondern eher für Wälder, Wiesen, Weiden und Almen geeignet. Die Höhenlagen sind durch Gletscher und Felsregionen geprägt, die zunehmend in die touristische Nutzung mit einbezogen werden, um der vermehrten Nachfrage nach Trendsportarten begegnen zu können.

Aspekte des saisonalen Tourismus
Neben der hohen Konzentration an Sommererholungsorten am Mittelmeer, am Gardasee, in Südtirol und im südlichen Bayern fallen die weniger stark konzentrierten Seeregionen wie die der Kärntner Seen, des Lago Maggiore und des Bodensees auf. Mischnutzungen sowohl im Sommer als auch im Winter sind in weniger schneesicheren Übergangsbereichen wie den Dolomiten, den Kalkalpen oder südlich des Allgäu zu finden. Vereinzelte exklusive schweizerische Orte wie Zermatt, Saas Fee oder in Frankreich im Bereich des Mont Blanc ergänzen das Angebot im westlichen Teil der Alpen.
Die typischen Wintererholungsorte konzentrieren sich wegen der Schneefallsituation auf die höheren Lagen Tirols, die Hohen Tauern sowie Teile Südtirols und die französischen Alpen. Hier lässt sich die für Frankreich typische Entwicklung ablesen: Im Sommer wählen die französischen Touristen das Meer und im Winter die Berge. In den 1970er-Jahren entwickelte sich der Wintertourismus, der in dieser Wachstumsphase zum schnellen Bau von Touristenzentren mit großen Liftanlagen und platzsparender Hochhausstruktur geführt hat, die sich nicht in das traditionelle Landschafts- und Kulturbild einfügen.

Kurorte und Besichtigungstourismus
Die Kurorte und Heilbäder finden sich in jedem Land eher in mittleren Höhenlagen. Hinsichtlich der Übernachtungszahlen ragen Villach, Bad Gastein und Bad Hofgastein, Meran und Schenna, die Thermenorte bei Padua sowie Sirmione am südlichen Gardasee heraus. Die Orte, die vom Besichtigungstourismus profitieren, sind in erster Linie große Städte und zentrale Orte, die sehr gut durch das Auto- und Eisenbahnnetz zu erreichen sind. Hier fallen die Städte auf, die mehr als 1 Mio. Übernachtungen pro Jahr oder 10 000 Zimmer/Unterkünfte haben, wie München, Mailand, Turin oder Lyon. Dicht gefolgt werden diese von Städten mit 400 000 bis 1 Mio. Übernachtungen pro Jahr oder 4000 bis 10 000 Zimmern/Unterkünften, wie Genf, Luzern, Zürich, Freiburg, Salzburg oder die norditalienischen Städten Venedig, Padua, Florenz und Pisa mit hohem kulturellen bzw. historischen Besichtigungswert.

Probleme und Nachhaltigkeit
Ähnlich wie in den Küstenorten des Mittelmeeres übersteigen die Übernachtungszahlen in den Touristenzentren der Alpen die Einwohnerzahlen um ein Vielfaches. Probleme wie Flächenverbrauch durch Zersiedlung, Zerstörung der sensiblen Alpenflora und -fauna, Bevölkerungsverlust einerseits und kurzzeitige Überlastung der Kapazitäten andererseits, Wasserverschmutzung, Luft- und Lärmbelästigung sowie Abfallwirtschaft werden häufig durch wirtschaftliche Interessensschwerpunkte hervorgerufen. Hier ist sowohl bei den Gastgebern als auch bei den Touristen ein Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit erforderlich.

Sylvia Jakuscheit