Tourismus

Alpen – Tourismus und Umwelt

100750 | Seite 78 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 3.000.000
Tourismus |  | Alpen – Tourismus und Umwelt | Karte 78/1

Informationen

Die Karte zeigt die unterschiedliche Struktur des alpinen Fremdenverkehrs. In den französischen Alpen dominieren Stätten für den Wintersport, die überwiegend in den letzten Jahrzehnten und oft ohne Rücksicht auf die historische Siedlungsentwicklung errichtet wurden. Dagegen hat sich der Sommerreiseverkehr in den bayerischen und österreichischen Gebieten vornehmlich auf der Grundlage alter bergbäuerlicher Dörfer entwickelt. Eine weitere Disparität in der Art und Intensität des Fremdenverkehrs gibt es zwischen dem Außen- und Innenbogen der Alpen; im Süden konzentriert sich der Tourismus auf den Bereich der insubrischen Seen sowie auf Südtirol und die Dolomiten. Daneben gibt es im Alpenraum viele kunst- und kulturhistorisch bedeutsame Ortschaften, die eine wichtige Rolle im Kultur- und Städtetourismus spielen. Im Süden sind es besonders die Städte der Poebene von Turin über Mailand und Verona bis Padua mit ihren wertvollen Stadtbildern und Kunstschätzen; am Nordrand der Alpen ragen München, Zürich, Luzern, Bern und die Städte am Genfer See hervor.

Vom Massen- zum Ökotourismus
Um die Mitte der 1950er-Jahre setzte der "Sommermassentourismus" ein. Weite Teile der Alpen wurden für große Gästezahlen erschlossen. Es entstanden Privatzimmer, Pensionen, kleine Hotels und zahlreiche Luftseilbahnen, die auf Aussichtsgipfel führten. Die Ausweitung der touristisch genutzten Fläche betraf etwa die Hälfte des Alpenraumes. Damals wurden weite Teile des westösterreichischen und bayerischen Alpenlandes sowie Südtirol und die Dolomiten für den Massentourismus erschlossen. Die Boomphase lag zwischen 1955 und 1975, dann stagnierten die Übernachtungszahlen. Ab Beginn der 1980er-Jahre verzeichnen Orte mit einem Schwerpunkt auf dem Sommertourismus kontinuierlich Rückgänge in den Gästezahlen, mit einer kurzen Ausnahmephase in den Jahren der deutschen Wiedervereinigung.
Der "Wintermassentourismus", der um 1965 eingesetzt hatte, wies bis Mitte der 1980er-Jahre starke Zuwächse auf. Es entwickelten sich zahlreiche Gemeinden zu Zwei-Saison-Orten mit touristischer Monostruktur. Leitbilder waren mittelgroße Hotels für gehobene Ansprüche und zahllose Skilifte, die über Täler hinweg zu "Skizirkussen" verbunden wurden. Diese Entwicklung vollzog sich vor allem in den mittelgroßen und großen Touristenzentren, da kleine Gemeinden die teurere Infrastruktur nicht finanzieren konnten. Eine Besonderheit dieser Expansionsphase sind die zahlreichen Skistationen, die das Bild in den französischen Alpen, insbesondere in Savoyen prägen.
Mitte der 1980er-Jahre war der Boom vorbei. Weil die touristischen Einrichtungen dennoch weiter ausgebaut wurden, entstanden bedeutende Überkapazitäten. Die schneearmen Winter 1987 bis 1990 verschärften die Konkurrenz, da die Regionen — in Abhängigkeit von ihrer Finanzkraft in unterschiedlichem Ausmaß — durch Beschneiungsanlagen ein attraktiveres Angebot machen konnten. Wintersportzentren wie Sölden, Lech, Engelberg, Zermatt und Sass Fee erlangten dadurch in gewisser Weise eine Monopolstellung. 1987 wurde mit dem Mölltaler Gletscher das bislang letzte Gletscherskigebiet in den Alpen erschlossen.
Die jüngste Phase des alpinen Tourismus zeichnet sich gerade erst ab. Das enorme quantitative Wachstum des Alpentourismus hat in den letzten 50 Jahren zu einer sehr flächenintensiven Nutzung einiger Regionen geführt. Gleichzeitig wächst die Sorge vor einer gravierenden ökologischen Beeinträchtigung der Alpenwelt, insbesondere durch das seit Jahren zunehmende Angebot an "Outdoor-Aktivitäten" im Winter- und Sommertourismus. Charakteristisch für die jüngste Entwicklung ist deshalb der Ruf nach einem "Ökotourismus", der dem Umweltschutz einen höheren Stellenwert einräumt.
F. Forster