Tinajones (Peru) - Bewässerung

Südamerika - Landwirtschaft

978-3-14-100700-8 | Seite 217 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 1.000.000
Tinajones (Peru) | Bewässerung | Südamerika - Landwirtschaft | Karte 217/1

Informationen

Durch ihren Nord-Süd-Verlauf bilden die Anden südlich des Äquators eine markante Klimascheide. Einer trockenen Westabdachung steht im tropischen Bereich eine feuchte Ostabdachung mit allen Auswirkungen auf den Landschaftscharakter gegenüber; in den außertropischen Anden ist es umgekehrt. In Peru zeigt sich dies an dem eklatanten Gegensatz zwischen der Pazifikabdachung mit wüstenhafter Ausprägung im Küstengebiet (Costa) und den tropischen Berg- und Tieflandswäldern auf der amazonaswärtigen Flanke (montaña/selva); die inneren Gebirgsbereiche (Sierra) nehmen eine vermittelnde Stellung ein. Überprägt wird dies zusätzlich durch den Wandel mit der Höhe und die Auswirkungen der Luv-/Lee-Effekte.

Vegetation und Klima
Die Niederschläge in den angrenzenden Bereichen der Anden fallen vor allem zwischen November und Mai, die anderen Monate gehören zur Trockenzeit. Entsprechend ungleichmäßig sind die Abflussregime der zum Pazifik abfließenden Flüsse. Landwirtschaft ist im Küstenbereich nur mit Bewässerung möglich, die Flüsse — sie sind dort Fremdlingsflüsse — stellen die dafür benötigten Wasserressourcen bereit. Begünstigt sind diese Lagen durch ihr flächenhaftes Gelände und die nährstoffreiche Feinmaterialauflage.
In der Vegetationsgliederung spiegeln sich diese klimatischen Gegebenheiten wider. Sie beginnt im Westen mit der vegetationslosen, tropenheißen Tieflandwüste mit nur episodischem Pflanzenwuchs im Küstenbereich unterhalb der 200-Millimeter-Isohyete. Fortgesetzt wird sie über die meist mit Kakteen bestandene Halbwüste, die auf Anhöhen und exponierten Lagen von einer nebelgespeisten Vegetation durchdrungen ist. Diese geht über in den weitständigen sommergrünen Dornstrauchbuschwald in mittleren Höhenlagen. Darauf folgt an der Pazifikabdachung zunächst im Lee feuchter Luftströmungen die trockene Puna der andinen Strauch- und Grasstufe, die jenseits der Wasser- und Klimascheide in den Typ der feuchten Puna der Sierra übergeht, die beide vereinzelt noch das nur in den Anden vorkommende, immer stärker gefährdete Polylepisgehölz aufweisen. An exponierten und damit luvseitigen Hängen isoliert aufragender Berggruppen im Osten erreicht sie bei zunehmend längerer Regenzeit und nicht ganz niederschlagsloser Trockenzeit fast das Artenspektrum der Paramo der inneren Tropen.
Diese typische Höhenvegetation der Anden geht an der Ostabdachung über die epiphytenreiche Nebelwaldstufe um 3000 Meter zum tropischen Bergwald über, der in den stärker eingetieften und regenabgeschirmten Tälern mit meist eigenen Windsystemen im innerandinen Trockenwald eine zusätzliche Variante mit vielen laubwerfenden und lichten Bäumen erreicht und schließlich außerhalb der Karte in die Amazonastieflandswälder (Selva) überleitet.
Allerdings ist im alten Kulturland der Sierra- und Selvaregion diese natürliche Vegetation nur noch in Relikten weit abseits der Wege vorhanden. Sie ist dort durch entwaldete Kulturlandschaftsflächen und Hangterrassen mit vereinzelt uniformen Eukalyptusanpflanzungen ersetzt. Diese Vegetationsabfolge erfährt in Abständen von fünf bis zehn Jahren auf der trockenen Pazifikabdachung während der Regenzeit eine einschneidende Veränderung durch ungewöhnlich ergiebige Niederschläge, die durch das Klimaphänomen El Niño verursacht werden (vgl. Karte 216.4). In solchen Jahren wird die sonst ausgedörrte Costa-Region kurzzeitig von einem grünen Vegetationsteppich bedeckt.

Bewässerungsfeldbau heute
Die Bewässerungswirtschaft der Region stand vor den beiden Herausforderungen, das Wasserangebot insgesamt zu erhöhen, um die Bewässerungsflächen ausweiten zu können, und seine natürlichen Schwankungen im Jahresverlauf dem Wasserbedarf für den Anbau anzugleichen (vgl. Diagramm). Diese Aufgaben wurden im Rahmen eines Entwicklungsprojektes durch Überleitungen aus der Montana/Selva und durch Speicherbauten zur Wasserregulierung (Tinajonesstausee) gelöst.
Über diese wasserwirtschaftlichen Fragen hinaus waren bei dem Bewässerungsausbau eine Reihe weiterer Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Da die Drainagesysteme im früheren Bewässerungsbau häufig zu wenig Beachtung fanden, kam es im Laufe der Zeit wegen der hohen Verdunstung zu einer Bodenversalzung, die zu erheblichen Ertragsminderungen führte. Deshalb kam dem gleichrangigen Ausbau der Be- und Entwässerung eine große Bedeutung zu. Unter diesen Vorgaben entwickelte sich das Tinajonesprojekt zu einem der größten Bewässerungsvorhaben der Erde mit einer Bewässerungsfläche von 80 000 Hektar (bei einem Stauraum im Tinajonessee von 300 Mio. Kubikmetern und einer Überleitung von rund 100 Mio. Kubikmetern pro Jahr aus den Anden).
Viele Maßnahmen wurden nicht nur nach Kostengesichtspunkten, sondern in ausgewogenem Verhältnis zwischen der Notwendigkeit der Arbeitsplatzbeschaffung und dem Kostenaufwand durchgeführt. Hauptziel war es, die örtliche und regionale Nahrungsmittelversorgung durch den Anbau von Reis und Mais zu sichern, dem Staat dadurch Ausgaben für Nahrungsmittelimporte zu ersparen und ihm durch den Export von Spargel und Zuckerrohr Devisen einzubringen. Der Bevölkerung sollte der Bewässerungsfeldbau eine Basisbeschäftigung und ein Einkommen sichern.
Hinsichtlich der Betriebsstrukturen dominieren klein- und mittelbäuerliche Betriebe mit Betriebsgrößen bis 20 Hektar, die gut 60 Prozent der Bewässerungsfläche kultivieren. Die größeren Betriebe nutzen ihre finanziellen Möglichkeiten, um ihre wirtschaftlichen Erträge durch Mechanisierung zu optimieren.
E. Jordan, W. Linder

Graphiken

Bild

Höhenstufen der Vegetation im Hochgebirge der Außertropen und Tropen

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