Thailand - Entwicklung einer Tourismus-Destination

Erde - Tourismus

978-3-14-100803-6 | Seite 273 | Abb. 4
Thailand | Entwicklung einer Tourismus-Destination | Erde - Tourismus | Karte 273/4

Überblick

Das Modell beschreibt, wie es über die Entfaltung der Tourismuswirtschaft in einem Entwicklungsland schrittweise zu einem Abbau regionaler Disparitäten und zu einer Mobilisierung bislang ungenutzter Ressourcen kommen kann. Unter Fokussierung auf die für die Tourismuswirtschaft wichtigsten Zulieferindustrien und Dienstleistungen und unter Einbeziehung der mobilen Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital wird der Entwicklungsprozess über einen unbestimmten Zeitraum in seinen Auswirkungen auf eine funktional dominante Kernregion und eine Peripherieregion mit einem in der Entwicklung begriffenen touristischen Zentrum beleuchtet. Der Prozess ist in vier Phasen gegliedert, die in Einteilung und Benennung Kongruenzen zum Destinationslebenszyklusmodell nach Butler zeigen.

1. Vortouristische Phase. Die Situation in der vortouristischen Phase ist durch extreme Disparitäten zwischen der Kernregion und einer exemplarischen Peripherieregion gekennzeichnet und weist damit eine Struktur auf, die für viele Entwicklungsländer charakteristisch ist. Die in der Kernregion gelegene Stadt trägt als Primatstadt in der Regel die Hauptstadtfunktion und ist mit einem großen Flug- und / oder Seehafen ausgestattet. Die Hauptstadt ist Hauptzielgebiet der Abwanderung vom Land. Hier konzentrieren sich zudem ausländische Kapitalzuflüsse für die Tourismuswirtschaft, die auch aus dem Ausland mit Waren und höherrangigen Dienstleistungen versorgt wird.

2. Initialphase. Die noch zu entfaltende touristische Destination in der Peripherieregion bildet einen Wachstumspol, der in der Initialphase noch in starker Abhängigkeit, so vor allem über Lieferbeziehungen, zum dominanten Zentrum steht. Die wirtschaftlichen Verflechtungen mit ihrem Umland sind gering. Eigenständige wirtschaftliche Beziehungen zum Ausland unterhält der modellhafte Tourismusort nicht.

3. Wachstumsphase. In dieser Phase wird die touristische Infrastruktur des peripheren Tourismusortes stark ausgebaut. Dieser Expansionsprozess stützt sich überwiegend auf die Zuflüsse (Zulieferungen) von Waren, Knowhow, Kapital und Arbeitskräften aus dem Zentrum. Ein geringerer Teil der zum Wachstum benötigten Ressourcen wird auch aus dem Umland und in Form von Direktinvestitionen aus dem Ausland eingespeist. Die Verflechtungen werden qualitativ und quantitativ intensiviert. Die Bauwirtschaft spielt hierbei eine besonders wichtige Rolle. In der Peripherieregion kommt es in dieser Phase zur Ausprägung bzw. Verstärkung einer intraregionalen Polarisation. Das Wachstum konzentriert sich zunächst auf das neue touristische Zentrum, das jedoch (zunehmend) die Rolle eines Gegengewichts zur Kernregion übernimmt. So absorbiert es bereits in der Wachstumsphase zumindest einen Teil der Land-Stadt-Wanderung und wird zum Abwanderungsziel für qualifizierte Arbeitskräfte aus der Primatstadt.

4. Konsolidierungsphase. In dieser Phase kommt es zu einer erheblichen Abschwächung der Abhängigkeit der Peripherie von der Kernregion, deren Dominanz zurückgeht. Demgegenüber verstärken sich die Verflechtungen zwischen dem Tourismusort und seinem Umland. Die heimische Landwirtschaft profitiert sehr von der steigenden Nachfrage in der Tourismusdestination, wo nicht nur Gäste, sondern auch eine wachsende Wohn- und Arbeitsbevölkerung zu ernähren ist (Rückwärtskopplungseffekte). Die lokalen Betriebe stellen sich nach Art und Menge der Produkte auf diese Nachfrage ein und können ihre Waren direkt über den sich ausbreitenden Agrargroßhandel absetzen. Erwirtschaftete Kapitalüberschüsse fließen nun auch in die Peripherieregion und sorgen hier für weitere Wachstumsimpulse. Insgesamt kommt es durch die beschriebenen Ausbreitungseffekte (Polarization-Reversal-Effekte) zu einem Abbau der inter- und intraregionalen Disparitäten.

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