Thüringen - Wasser- und Energiewirtschaft

Thüringen - Umwelt und Energie

978-3-14-100385-7 | Seite 25 | Abb. 3
Thüringen | Wasser- und Energiewirtschaft | Thüringen - Umwelt und Energie | Karte 25/3

Überblick

Thüringen gehört zu den führenden Bundesländern, wenn es um die Nutzung erneuerbarer Energien geht. 2016 wurden 57 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen, davon 40 Prozent aus Windenergie, 35 Prozent aus Biomasse, 21 Prozent aus Photovoltaik und 3,5 Prozent aus Laufwasserkraftwerken. Schon seit den 1930er-Jahren wird hier Energie mithilfe der Wasserkraft erzeugt. Damals entstand das Talsperrensystem Saalekaskade, das aus fünf Talsperren und Wasserkraftwerken an der oberen Saale besteht.

Wasserkraftgewinnung

Als Laufwasserkraftwerk oder Flusskraftwerk bezeichnet man Kraftwerke, die zur Stromerzeugung nicht auf eigene Wasserspeicher zurückgreifen können. Sie sind auf den Fluss als Wasserlieferant angewiesen. Dieser wiederum treibt die Turbinen an und setzt die Stromerzeugung in Gang. In Pumpspeicherkraftwerken wird Wasser über Rohrleitungen in ein höher gelegenes Sammelbecken gepumpt. Das dort in ein Unterbecken abgelassene Wasser treibt eine Turbine an, die wiederum einen Stromgenerator antreibt. In Thüringen gibt es drei Pumpspeicherkraftwerke, zwei weitere sind in Planung. Das Pumpwasserspeicherwerk Goldisthal im Thüringischen Schiefergebirge wurde 2003 in Betrieb genommen und erbringt eine Leistung von 1060 MW. Damit ist es das größte Wasserkraftwerk Deutschlands und eines der größten in Europa. Für die Energieerzeugung werden außerdem die Pumpspeicherkraftwerke der Talsperre Hohenwarte (380 MW) und der Bleilochtalsperre (80 MW) eingesetzt.

Wasserentsorgung

Die Reinigung des Abwassers erfolgt in sogenannten Abwasserbehandlungsanlagen oder Kläranlagen. Jede Anlage ist ausschließlich für ein bestimmtes Gebiet zuständig.

Talsperren

In Thüringen gibt es insgesamt 65 Talsperren. Sie dienen der Trinkwasserversorgung, dem Ausgleich der Wasserfüllung, der Brauchwassergewinnung, der Erzeugung von Elektroenergie und der Freizeitgestaltung (siehe auch Karte 25.4 „Talsperre Hohenwarte – Energieversorgung und Tourismus“). 45 Prozent des Trinkwasserbedarfs wird aus Oberflächenwasser der Talsperren Leibis/Lichte, Ohra und Schönbrunn gedeckt. Dieses wird in den beiden Trinkwasseraufbereitungsanlagen in Luisenthal und Zeigerheim aufbereitet und über 551 Kilometer Fernwasserleitungen an die örtlichen Wasserversorger geleitet. Andere Talsperren wie die Talsperre Heyda bei Ilmenau liefern Brauchwasser. Dieses Wasser hat keine Trinkwasserqualität und wird zur Beregnung von Feldern oder für industrielle Zwecke verwendet. Angesichts der mit dem Klimawandel einhergehenden zunehmenden Trockenheit ist der Bau einer 45 Kilometer langen Fernwasserleitung für Brauchwasser aus den Talsperren Schmalwasser und Tambach-Dietharz bis zu den Obstanbau- und Agrarbetrieben im Thüringer Becken geplant. Weitere Talsperren haben ausschließlich oder zusätzlich die Funktion, die Wasserführung auszugleichen. Sie können einerseits Wasser zurückhalten, um Hochwasser im Unterlauf der Flüsse zu verhindern. Andererseits können sie in Niedrigwasserzeiten Wasser an die Flüsse abgeben. In Laufwasserkraftwerken an den Talsperren werden zudem 13 MW Strom erzeugt.