Temperaturen im Juli

Nord- und Mittelamerika – Klima

978-3-14-100782-4 | Seite 146 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 72.000.000
Temperaturen im Juli |  | Nord- und Mittelamerika – Klima | Karte 146/2

Informationen

Nordamerika unterliegt zirkulationsdynamisch überwiegend dem Regime der vorherrschenden Westwinde im Bereich der Polarfront in großer Höhe. Zwischen Alëutentief und Nordpazifischem Hoch sind die bodennahen Westwinde besonders intensiv ausgebildet (vgl. 230/231). Sie werden teilweise durch die Kordilleren abgelenkt und stoßen vor allem auf drei Wegen in das Innere des Kontinents vor.

Einfluss der Windsysteme
Die Höhenströmung des Westwindjets wird durch die Kordilleren so abgelenkt, dass sie über eine Ausbuchtung nach Norden (Rücken) und im Lee des Gebirges eine großräumige Südwärtsausbuchtung (Trog) erfährt, um zum Atlantik hin wieder nach Norden zu pendeln. Der Höhenrücken über den Kordilleren fördert dort das Vordringen warmer Luft nach Norden, der Höhentrog über dem Innern des Kontinents den Vorstoß polarer und arktischer Kaltluft nach Süden. Die unter der Trogvorderseite entstehenden Tiefdruckwirbel (Zyklonen) mit ihren typischen Warm- und Kaltfronten saugen gleichsam tropische Warmluft aus dem Golf von Mexiko an. So entsteht der durch die Juli-Isotherme manifestierte Warmluftlobus über dem Osten der USA, westlich der Appalachen. Das Klima Nordamerikas wird auf diese Weise von den Einflussbereichen und den charakteristischen Eigenschaften verschiedener Luftmassen geprägt.
Obwohl weite Teile Nordamerikas eigentlich im Einflussbereich der Westwinddrift mit ihren von West nach Ost wandernden Tiefdruckgebieten liegen, ist die Witterung durch die Lage und Gestalt des Kontinents, insbesondere aber durch die Nord-Süd-Erstreckung der Gebirgszüge entlang der Westküste, durch einen starken meridionalen Austausch polarer und tropischer Luftmassen geprägt. Dieser direkte Meridionalaustausch feuchtwarmer Luftmassen aus dem Süden und kalter Luftmassen aus dem Norden führt zum Teil zu extremen Witterungserscheinungen und zur Ausbildung charakteristischer regionaler Windsysteme.
Auf der Rückseite winterlicher Tiefdruckgebiete kann es dabei zu raschen Vorstößen polarer Kaltluft aus dem Bereich der Hudson-Bay und des nördlichen Kanada bis weit nach Süden kommen. Die Kaltlufteinbrüche sind insbesondere über den weiten Ebenen der Great Plains mit hohen Windgeschwindigkeiten und kräftigen Schneefällen verbunden. Nach amerikanischer Definition werden diese Schneestürme als Blizzard bezeichnet, wenn während einer Zeitdauer von mindestens drei Stunden die Windgeschwindigkeiten mehr als 35 mph (≈ 56 km/h) betragen hat und die Sichtweite durch das Schneetreiben auf weniger als 400 Meter herabgesetzt war. Die Kaltluftvorstöße erreichen dabei oft die subtropischen landwirtschaftlichen Kulturen an der Golfküste Floridas, wo mit episodisch auftretenden Schadfrösten unter —3 °C gerechnet werden muss.
Als "Northers" erstrecken sich die mit der einbrechenden Polarluft verbundenen Winde sogar bis nach Zentralmexiko. Mittelamerika ist als tropische Region frostfrei. Nur die Höhen der Kordilleren reichen in die Kalttropen, in denen regelmäßig Fröste auftreten.

Klima im Juli
Im Juli sind die Isothermen weit nach Norden ausgebuchtet. Gründe dafür sind die im Vergleich zu den Küsten raschere Erwärmung der Landmassen im Innern des nordamerikanischen Kontinents und die wiederholten Vorstöße tropischer Luftmassen nach Norden. Die 25°C-Isotherme reicht bis zum 40. Breitengrad (vgl. Julitemperaturen in Europa, Karte 80.2). Die mit der Konfrontation von arktisch-kontinentalen und subtropisch-maritimen Luftmassen verbundene starke Labilisierung begünstigt im Frühjahr und Sommer die Ausbildung von Tornados.
Tornados können dort entstehen, wo eine wasserdampfreiche, warme Luftschicht in Bodennähe durch eine Inversion von trockener und kühlerer Luft in der Höhe getrennt ist. Zugleich muss zwischen der unteren und der oberen Luftmasse eine starke Windscherung (Windsprung nach Richtung und Stärke) bestehen. Überschreiten die feuchtwarmen Luftmassen durch Aufheizung vom Boden her eine gewisse Auftriebsschwelle, kann die Inversionssperrschicht durchstoßen werden und es setzt explosionsartig Konvektion bis in große Höhen ein. Durch frei werdende Kondensationswärme und die Windscherung kann es dabei zur Ausbildung eines Aufwindschlauchs kommen. Diese um eine vertikale Achse rotierende Luftsäule erreicht Durchmesser bis über einen Kilometer, ihre Zugrichtung folgt stets der Höhenströmung von Südwest nach Nordost. Am häufigsten treten Tornados vom Frühjahr bis zum Frühsommer auf, wenn die thermischen und hygrischen Gegensätze zwischen trocken-kalter Luft aus dem Norden und feuchtwarmer Luft aus dem Golf von Mexiko maximal sind. Das Kerngebiet der Tornadogefährdung liegt dabei im März zunächst im Bereich der Golfküstenstaaten, von wo es sich dann bis zum Hochsommer in das kontinentale Innere Nordamerikas ausdehnt.
A. Siegmund, P. Frankenberg, D. Volz