Temperaturen im Januar

Europa - Klima

978-3-14-100770-1 | Seite 98 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 36.000.000
Temperaturen im Januar |  | Europa - Klima | Karte 98/1

Überblick


Das Klima Europas wird sehr stark vom Meer geprägt. Auffällig ändert sich das Klima von West nach Ost, also mit zunehmender Entfernung zum Atlantik. Im Westen Europas ist der Einfluss des Meeres sehr groß – das Klima ist maritim geprägt. Je weiter man nach Osten kommt, desto kontinentaler wird das Klima: Der Einfluss des Meeres wird also immer geringer, je weiter man in den Kontinent hineinkommt (Zunahme der Kontinentalität).
Ein maritimes Klima zeichnet sich dadurch aus, dass die Temperaturschwankungen im Jahr eher gering ausfallen. In einem hochkontinentalen Klima sind die jährlichen Temperaturschwankungen dagegen groß – typisch sind kalte Winter und heiße Sommer.

Das Meer als Wärmespeicher
Im Januar erkennt man die Unterschiede zwischen kontinentalem und maritimem Klima sehr gut. Der Winter an den Küsten ist im Gegensatz zu den weiter im Osten liegenden Regionen sehr mild. Selten fallen die Temperaturen hier unter Null Grad. Der Grund liegt insbesondere darin, dass Land und Wasser Wärme unterschiedlich speichern können. Aufgrund der tief stehenden Sonne in den Wintermonaten ist die Strahlungsbilanz in den meisten Teilen Europas überwiegend negativ. Das heißt, dass mehr Strahlungsenergie (Wärmestrahlung) von der Erde ins Weltall abgegeben wird, als Sonnenstrahlung auf die Erde triff.
Das Meer speichert jedoch einen großen Teil der Wärme, die es in den Sommermonaten aufgenommen hat. Daher kühlt das Meer im Winter nicht so schnell ab wie das Land. Die Wärme wird im Winter nach und nach abgegeben. Diese Wärmezufuhr vom Atlantik hat also eine wichtige Bedeutung für das Klima in Europa.

Einfluss des (West-)Windes
In Europa herrscht eine ausgeprägte Westwindlage – der Wind weht vorwiegend aus Westen. So führen die westlichen bis südwestlichen Windströmungen über Europa im Winter relativ milde, feuchte Luft vom Atlantik mit sich. Der maritime Einfluss ist dabei in Westeuropa am stärksten ausgeprägt.
Mit zunehmender Entfernung zum Atlantik verlieren die westlichen Luftströmungen ihre Wärme. Daher kommt die negative Strahlungsbilanz Richtung Osteuropa immer stärker zum Tragen. Die Temperaturen fallen durch die abnehmende Zufuhr milder Luftmassen auf deutlich unter Null Grad. Die 0-°C-Isotherme (also die Linie, auf deren Höhe die Temperaturen bei Null Grad liegen) verläuft im Januar etwa auf einer Linie von Westskandinavien über Hamburg bis zu den Französischen Kalkalpen.
Während die mittlere Januartemperatur im unmittelbaren Küstenbereich Westeuropas zumeist zwischen 5 und 10 °C liegt, fallen die Temperaturen in Nordosteuropa bis unter minus 15 °C. Dieser Unterschied lässt sich auch in den abgebildeten Klimadiagrammen ablesen. Vergleicht man zum Beispiel Sevilla (Spanien, maritimes Klima) und Kiew (Ukraine, kontinentales Klima), wird der Temperaturunterschied im Winter sehr deutlich: In Kiew liegt die Temperatur im Januar bei etwa minus 6 °C, während es in Sevilla gut 10 °C warm ist.

P. Frankenberg, A. Siegmund, D. Volz, M. Schneider, S. Lemke

Info Plus

Das Klima Europas wird in starkem Maße vom Meer geprägt. So stellt sich über dem Kontinent ein meridionaler, von West nach Ost gerichteter Klimawandel zwischen Maritimität und Kontinentalität ein, der im Winter (Januar) besonders ausgeprägt ist.
Die Karte der Temperaturen im Januar beruht auf dem langjährigen Mittel der von der World Meteorological Organization (WMO) festgelegten Standardperiode von 1961 bis 1990. Die Temperaturverteilung zeigt dabei deutlich den von West nach Ost zunehmenden Grad der thermischen Kontinentalität über Europa. Durch die in den Wintermonaten tief stehende Sonne ist die Strahlungsbilanz überwiegend negativ (Ausstrahlung). Der Wärmezufuhr vom Atlantik kommt daher eine wichtige Bedeutung zu. Der an den Westwindjet und die sich unter ihm bildenden dynamischen Hoch- und Tiefdruckgebiete gebundene Luftmassenaustausch steuert diesen Prozess. So führen die vorherrschenden westlichen bis südwestlichen Strömungen über Europa im Winter zur Zufuhr relativ milder, feuchter Luft vom Atlantik. Der maritime Einfluss ist dabei in Westeuropa am stärksten ausgeprägt.
Mit zunehmender Entfernung vom Atlantik nimmt der Grad der Kontinentalität nach Osten immer mehr zu. Die negative Strahlungsbilanz kommt hier immer stärker zum Tragen und lässt die Temperaturen durch die abnehmende Zufuhr milder Luftmassen von Westen her fallen. So verläuft die 0-°C-Isotherme im Januar etwa auf einer Linie von Westskandinavien über Hamburg bis zu den Französischen Kalkalpen. Während das Januarmittel im unmittelbaren Küstenbereich Westeuropas zumeist zwischen 5 und 10 °C liegt, fallen die Temperaturen in Nordosteuropa bis unter minus 15 °C.
Der von West nach Ost zunehmende Kontinentalitätsgrad kommt auch durch eine Zunahme der Jahresamplitude der Temperatur zum Ausdruck. Sie beträgt im maritimen Plymouth nur wenig mehr als 10 °C, während sie im kontinentalen Bereich von Petrosawodsk und Kiew Werte von über 25 °C erreicht (vgl. Klimadiagramme im Atlas).
P. Frankenberg, A. Siegmund, D. Volz

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Klima- und Thermoisoplethendiagramm der Borealen Zone (Beispiel Helsinki)

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Luftmassen in Europa und deren Eigenschaften

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