Temperaturen im Januar

Nord- und Mittelamerika – Klima

100750 | Seite 150 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 72.000.000
Temperaturen im Januar |  | Nord- und Mittelamerika – Klima | Karte 150/1

Informationen

Nordamerika unterliegt zirkulationsdynamisch überwiegend dem Regime der vorherrschenden Westwinde im Bereich der Polarfront in großer Höhe. Zwischen Alëutentief und Nordpazifischem Hoch sind die bodennahen Westwinde besonders intensiv ausgebildet (vgl. 178/179). Sie werden teilweise durch die Kordilleren abgelenkt und stoßen vor allem auf drei Wegen in das Innere des Kontinents vor.

Einfluss der Windsysteme
Die Höhenströmung des Westwindjets wird durch die Kordilleren so abgelenkt, dass sie über eine Ausbuchtung nach Norden (Rücken) und im Lee des Gebirges eine großräumige Südwärtsausbuchtung (Trog) erfährt, um zum Atlantik hin wieder nach Norden zu pendeln. Der Höhenrücken über den Kordilleren fördert dort das Vordringen warmer Luft nach Norden, der Höhentrog über dem Innern des Kontinents den Vorstoß polarer und arktischer Kaltluft nach Süden. Die unter der Trogvorderseite entstehenden Tiefdruckwirbel (Zyklonen) mit ihren typischen Warm- und Kaltfronten saugen gleichsam tropische Warmluft aus dem Golf von Mexiko an. So entsteht der durch die Juli-Isotherme manifestierte Warmluftlobus über dem Osten der USA, westlich der Appalachen. Das Klima Nordamerikas wird auf diese Weise von den Einflussbereichen und den charakteristischen Eigenschaften verschiedener Luftmassen geprägt.
Obwohl weite Teile Nordamerikas eigentlich im Einflussbereich der Westwinddrift mit ihren von West nach Ost wandernden Tiefdruckgebieten liegen, ist die Witterung durch die Lage und Gestalt des Kontinents, insbesondere aber durch die Nord-Süd-Erstreckung der Gebirgszüge entlang der Westküste, durch einen starken meridionalen Austausch polarer und tropischer Luftmassen geprägt. Dieser direkte Meridionalaustausch feuchtwarmer Luftmassen aus dem Süden und kalter Luftmassen aus dem Norden führt zum Teil zu extremen Witterungserscheinungen und zur Ausbildung charakteristischer regionaler Windsysteme.
Auf der Rückseite winterlicher Tiefdruckgebiete kann es dabei zu raschen Vorstößen polarer Kaltluft aus dem Bereich der Hudson-Bay und des nördlichen Kanada bis weit nach Süden kommen. Die Kaltlufteinbrüche sind insbesondere über den weiten Ebenen der Great Plains mit hohen Windgeschwindigkeiten und kräftigen Schneefällen verbunden. Nach amerikanischer Definition werden diese Schneestürme als Blizzard bezeichnet, wenn während einer Zeitdauer von mindestens drei Stunden die Windgeschwindigkeiten mehr als 35 mph (≈ 56 km/h) betragen hat und die Sichtweite durch das Schneetreiben auf weniger als 400 Meter herabgesetzt war. Die Kaltluftvorstöße erreichen dabei oft die subtropischen landwirtschaftlichen Kulturen an der Golfküste Floridas, wo mit episodisch auftretenden Schadfrösten unter —3 °C gerechnet werden muss.
Als "Northers" erstrecken sich die mit der einbrechenden Polarluft verbundenen Winde sogar bis nach Zentralmexiko. Mittelamerika ist als tropische Region frostfrei. Nur die Höhen der Kordilleren reichen in die Kalttropen, in denen regelmäßig Fröste auftreten.

Klima im Januar
Das Vordringen arktisch-kontinentaler Luftmassen nach Süden schlägt sich sowohl in der rascheren Auskühlung der Binnenländer als auch in der Temperaturverteilung im Januar nieder. Im Lee der Kordilleren buchten die Isothermen zum Teil stark nach Süden aus. Durch die küstenparallelen Gebirge im Westen und Osten des Kontinents beschränkt sich der mildernde thermische Einfluss des Meeres nur auf schmale Küstenstreifen, in deren Bereich die Isothermen deutlich nach Norden ausgebuchtet sind.
An der Ostseite der Rocky Mountains tritt der Chinook auf, ein warmer, föhnartiger Fallwind, der in den Wintermonaten zu rascher Schneeschmelze führt. Die mit dem Westwind herangeführten Luftmassen erfahren dabei einen kräftigen dynamischen Erwärmungseffekt, bei dem meist der Gefrierpunkt überschritten wird. Da mit dem Fallwind zudem häufig extrem kalte Kontinentalluftmassen ausgeräumt werden, kommt es innerhalb sehr kurzer Zeit zu großen Temperatursprüngen. Während der Olympischen Winterspiele 1988 in Calgary verursachte der Chinook beispielsweise innerhalb von fünf Stunden einen Temperaturanstieg von —30 °C auf +12 °C. In den Sommermonaten ist der Chinook dagegen weniger spürbar, weil die über den Plains liegenden kontinentalen Luftmassen dann einstrahlungsbedingt heiß sind und die sich ergebenden Temperaturunterschiede bei Einbruch des Fallwindes entsprechend geringer ausfallen.
A. Siegmund, P. Frankenberg, D. Volz