Türkei - Bevölkerungswachstum/Bevölkerungswanderung

Türkei

978-3-14-100700-8 | Seite 127 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 8.000.000
Türkei | Bevölkerungswachstum/Bevölkerungswanderung | Türkei | Karte 127/2

Informationen

Die Bevölkerungsentwicklung in der Türkei wird wesentlich durch drei sich teilweise überlagernde Tendenzen bestimmt: erstens durch eine allgemeine Ost-West-Wanderung, zweitens durch eine Land-Stadt-Wanderung und schließlich durch die Wanderungsgewinne einzelner ländlicher Gebiete, die aus jeweils unterschiedlichen Gründen resultieren.

Räumliche Entwicklungen
Die innertürkischen Bevölkerungswanderungen vollziehen sich immer noch nach dem Muster der letzten Jahrzehnte. Bevorzugte Abwanderungsgebiete sind weiterhin vor allem die nordostanatolischen Provinzen; dort fallen die Abwanderungsraten so hoch aus, dass in einigen Provinzen sogar die Gesamtbevölkerung abnimmt. Der deutliche Ost-West-Gegensatz zeigt sich auch bei der Verteilung der Beschäftigten über die drei Wirtschaftssektoren: Nach Osten nimmt beispielsweise die Bedeutung der Landwirtschaft immer stärker zu.
Zielgebiete der Wanderungsbewegungen sind vor allem die fünf Räume Istanbul, Ankara, Izmir, Adana-Mersin und Bursa, die auch die größte sozioökonomische Entwicklungsdynamik haben. In diesen Regionen und in einigen ihrer Nachbarprovinzen, in die die Entwicklungsimpulse bereits hineingetragen wurden, ist der Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft am weitesten zurückgedrängt.
In vielen Provinzen zeigt sich aber auch ein Gegensatz zwischen Gesamtwachstum und Wachstum der ländlichen Bevölkerung dahingehend, dass dort die Verstädterungstendenzen besonders stark ausgeprägt sind. Während in den 1980er-Jahren in den meisten Provinzen die Bevölkerung in den ländlichen Gebieten noch wuchs, ist dies jetzt nur noch in bestimmten Gebieten der Fall: In der Region ¸Sanliurfa aufgrund der Bewässerungsprojekte, im Bereich der Südküste dank der Intensivkulturen und des Tourismus, im Bereich der Verdichtungsräume Istanbul, Ankara, Izmir und Bursa aufgrund einer Tendenz zur Suburbanisierung.
Die Auswanderung — ehemals im Westen der Türkei sehr hoch — hat ihren Schwerpunkt nach Mittel- und Ostanatolien verlagert. Viele Türken, die über Jahre im Ausland gelebt und gearbeitet haben, sind inzwischen wieder in die Türkei zurückgekehrt. Sie gehen zu großen Teilen nicht mehr in ihre alten Berufe zurück. Wie das Beispiel der Provinz Trabzon zeigt, werden nach der Remigration Tätigkeiten im tertiären Sektor und gewinnbringende Kapitalanlagen stärker wahrgenommen als vor der Ausreise aus der Türkei.

Remigranten als Wirtschaftsfaktor
Wie sich die unterschiedlichen Rahmenbedingungen in den Provinzen auf das berufliche und monetäre Verhalten der Provinzbewohner auswirken, lässt sich — wie die drei Beispiele Antalya, Bursa und Trabzon zeigen — besonders gut bei den Remigranten aus Westeuropa erkennen.
Da in der Provinz Antalya der Fremdenverkehr eine bedeutende Rolle spielt, ist dort bei der Berufsstruktur der Anteil der aus dem tertiären Sektor stammenden Remigranten im Vergleich zur Provinz Trabzon höher. Die Bedeutung der Stadt Bursa als Industrie- und Dienstleistungszentrum wirkt noch weit in die ländlichen Bereiche der Provinz hinein; so ist es nicht verwunderlich, dass auch bei den Remigranten der Provinz Bursa ein großer Teil den Sektoren Industrie, Handel und Dienstleistungen entstammt. Ein relativ großer Teil der Remigranten der agrarisch geprägten Provinz Trabzon hingegen entstammt ursprünglich der Landwirtschaft.
Es wird deutlich, dass die Remigranten nach der Rückkehr in die Türkei die gesamte Breite der ökonomischen Möglichkeiten in der jeweiligen Provinz, in die sie zurückkehren, auszuschöpfen versuchen. Sie sind somit ein tragendes Element bei der Veränderung der Berufsstruktur in den drei Provinzen.
H. Toepfer

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