Türkei - Bevölkerung und Wirtschaft

Türkei - Brücke zwischen Europa und Asien

978-3-14-100803-6 | Seite 140 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 8.000.000
Türkei | Bevölkerung und Wirtschaft | Türkei - Brücke zwischen Europa und Asien | Karte 140/1

Überblick

Die Bevölkerungsentwicklung in der Türkei wird wesentlich durch drei sich teilweise überlagernde Tendenzen bestimmt: erstens durch eine allgemeine Ost-West-Wanderung, zweitens durch eine Land-Stadt-Wanderung und schließlich durch die Wanderungsgewinne einzelner ländlicher Gebiete, die aus jeweils unterschiedlichen Gründen resultieren.

Räumliche und wirtschaftliche Entwicklungen

Die innertürkischen Bevölkerungswanderungen vollziehen sich derzeit weiterhin nach dem Muster der letzten Jahrzehnte. Bevorzugte Abwanderungsgebiete sind die strukturschwachen ländlichen Gebiete vor allem im Osten und Südosten, in denen die Arbeitslosigkeit nach wie vor ein gravierendes Problem darstellt, speziell für junge Menschen. Der deutliche Ost-West-Gegensatz zeigt sich auch bei der Verteilung der Beschäftigten über die drei Wirtschaftssektoren: Nach Osten nimmt die Bedeutung der Landwirtschaft immer stärker zu. Problematisch ist die Nähe der Osttürkei zu politisch instabilen Konfliktregionen in Syrien und dem Irak.

Zielgebiete der Wanderungsbewegungen sind vor allem die wirtschaftlich prosperierenden Metropolen im Westen, insbesondere die Großräume Istanbul, Bursa und Izmir, die auch die größte sozioökonomische Entwicklungsdynamik haben. In diesen Regionen und in einigen ihrer Nachbarprovinzen ist der Anteil der Beschäftigten in der Landwirtschaft am weitesten zurückgedrängt; im Durchschnitt sind in der Westtürkei deutlich weniger als ein Drittel der Erwerbsbeschäftigten noch im primären Sektor tätig. Dafür ist die Leicht- und Schwerindustrie relativ stark vertreten; die Textil-, Fahrzeug-, Chemie-, Maschinen- und Elektrobranche trugen 2013 etwa 25 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Den größten Anteil am BIP hatte jedoch der Dienstleistungssektor mit rund 60 Prozent. Das wichtigste Wirtschaftszentrum der Türkei ist die Region Istanbul, wo 20 Prozent der Bevölkerung rund 40 Prozent der nationalen Wertschöpfung generieren.

In West- und Mittelanatolien haben in den letzten Jahren die Gebiete um die Städte Konya und Kayseri trotz infrastruktureller Nachteile einen Aufschwung erlebt; mithilfe einer strengen Arbeitsethik und einer religiös fundierten Unternehmerführung hat sich hier ein neuer Mittelstand entwickelt. Viele Unternehmen dieser Region, die Handelsbeziehungen vor allem zur arabischen Welt und dem Nahen bzw. Mittleren Osten unterhalten, konnten ihre Exporte in den letzten Jahren signifikant steigerten. Wachstumstendenzen verzeichnete zuletzt auch die Provinz Gaziantep, die von den Handelsbeziehungen in den nahen Irak profitiert.

Einen wichtigen Anteil am Aufstieg des Dienstleistungssektors vor allem in Westen des Landes hatte der Tourismus, der sich zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt hat. 2012 verzeichnete die Türkei mit 36,8 Mio. ausländischen Besuchern einen neuen Rekord. Die größte nationale Gruppe unter den Türkei-Reisenden stellten die Deutschen (4,4 Mio.), gefolgt von den Russen (2,8 Mio.) und Engländern (2,2 Mio.). Touristische Zentren sind die südliche Ägäis-Küste, die türkische Riviera und Istanbul.

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