Stuttgart - Verkehrsbelastung

Metropolregion Stuttgart

978-3-14-100803-6 | Seite 49 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 50.000
Stuttgart | Verkehrsbelastung | Metropolregion Stuttgart | Karte 49/4

Überblick

Obwohl der öffentliche Nahverkehr das Stuttgarter Zentrum sehr gut erschließt und hohe Nutzerzahlen erreicht werden, gibt es in der Innenstadt ein sehr großes Kfz-Aufkommen, das sich wegen der Beckenlage der Stadt auf wenige mehrspurige Achsen konzentriert (z. B. B10/B14 entlang des Neckar, B14 Cannstatter Str., Bahnhofstr., B27 Heilbronner Str., Hohenheimer Str.). Der Autoverkehr führt nicht nur zu erheblichen Lärmbelastungen entlang der teils engen, schluchtartig wirkenden Straßen, sondern ist als Hauptverursacher von Emissionen auch für Grenzwertüberschreitungen bei Luftschadstoffen wie Feinstaub und Stickstoffdioxid mitverantwortlich. Exemplarisch sind in der Karte die drei Messstationen Am Neckartor, Arnulf-Klett-Platz und Hohenheimer Straße eingetragen. Die Luftbelastung in Stuttgart wird durch die Kessellage verstärkt, die den Luftaustausch in Abhängigkeit von der Wetterlage stark behindern kann.

Zur Belastung mit Feinstaub und Stickstoffdioxid

Während bei vielen Luftschadstoffen in den letzten Jahrzehnten ein deutlicher Rückgang der Belastungen festzustellen ist, kommt es in Großstädten insbesondere bei Stickstoffdioxid und Feinstaub (PM10) gegenwärtig noch zu deutlichen Überschreitungen von Grenzwerten, v. a. an Hauptverkehrsstraßen.

Stickoxide stammen zum überwiegenden Teil aus Verbrennungsprozessen von Verkehr, Kraftwerken, Industrie und privaten Haushalten. Sie erhöhen das Risiko von Atemwegsinfektionen und schwächen das Immunsystem. Feinstaub (PM10) wird zum einen bei Verbrennungsprozessen von Kfz gebildet (Dieselruß), entsteht aber auch durch Abrieb von Reifenmaterial und durch Aufwirbeln. Feinstaub ist chemisch nicht homogen. Seine Krebs erzeugende Wirkung wird durch die Eigenschaft verstärkt, dass Schwebstaub als Trägersubstanz für Dioxin oder aromatische Kohlenwasserstoffe, wie z. B. Benzol, dient.

Um Ursachenforschung zu betreiben, wird durch ein Netz von Messstellen zuerst die Hintergrundkonzentration eines Schadstoffes ermittelt, wie sie auch am Stadtrand und im Umland auftritt. Dann wird in normalen Wohn- und Mischgebieten gemessen, in einem dritten Schritt dann in der Nähe von Hauptverkehrsstraßen. Aus den Messwerten und weiteren Untersuchungen ergibt sich, dass der Straßenverkehr gegenwärtig etwa zur Hälfte für die Stickoxidemissionen und zu einem Drittel für die Feinstaubemissionen in Großstädten verantwortlich ist.

Grenzwerte zu beiden Luftschadstoffen werden EU-weit einheitlich festgelegt. Neben Jahresmittelwerten muss jeweils auch ein zweiter Grenzwert zu Kurzzeitbelastungen beachtet werden. Bei Feinstaub darf ein Tagesmittelwert von 50 µg/m3 nicht öfter als 35-mal pro Jahr überschritten werden, bei Stickstoffdioxid sind nicht mehr als 18 Stunden mit Messwerten von mehr als 200 µg/m3 zulässig. (Im Jahr 2006 galt bei Stickstoffdioxid noch ein anderer Grenzwert: 175 Stunden mit Messwerten von mehr als 200 µg/m3; siehe Karte.)

Die Daten in der Karte zeigen: Während 2006 die Grenzwerte an keiner der drei Messstellen eingehalten wurden, war dies 2012 zumindest am Arnulf-Klett-Platz der Fall. An den beiden anderen Messstellen ging die Belastung zwar deutlich zurück, die Grenzwerte wurden aber auch 2012 noch nicht eingehalten.

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Maßnahmen zur Luftreinhaltung

Wegen der Grenzwertüberschreitungen bei Stickoxiden und Feinstaub ist das Regierungspräsidium Stuttgart gesetzlich verpflichtet, Maßnahmen zur Luftreinhaltung zu erarbeiten (Luftreinhalteplan), umzusetzen und auf ihre Wirksamkeit hin zu beurteilen. Eine Maßnahme ist zum Beispiel die Einrichtung von Umweltzonen. Fahrzeuge mit sehr hohem Feinstaubausstoß dürfen diese nicht mehr befahren; die Zufahrt ist seit März 2008 nur mit einer Plakette möglich, die an Fahrzeuge mit geringen Feinstaubemissionen vergeben wird. 2010 wurden die Grenzwerte noch einmal verschärft.

Andere Maßnahmen dienen der Förderung des ÖPNV als Alternative zum Auto (Ausgabe von Jobtickets durch Unternehmen, Stellplätze für Carsharing-Fahrzeuge im Stadtgebiet, Mobilitätsberatung, Kapazitätsausbau bei Bussen und Bahnen, Serviceangebote), der Verkehrslenkung oder dem Parkraummanagement.

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Graphiken

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Protokoll zur Lärmuntersuchung

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