Stratford (East London) - Stadtentwicklung durch Olympia - heute

London - Stadtentwicklung

978-3-14-100870-8 | Seite 131 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 20.000
Stratford (East London) | Stadtentwicklung durch Olympia | London - Stadtentwicklung | Karte 131/3

Überblick

Die Innenstadtkarte zeigt die funktionale Gliederung von "Central London" und die westlichen Teile der Docklands an der Themse. Die römische Siedlung, der historische Kern der Metropole, war annähernd flächenidentisch mit der "City of London", die trotz ihrer überschaubaren Größe zu den wichtigsten Wirtschafts- und Finanzzentren der Welt zählt.

Zwischen der City und dem politischen Zentrum Großbritanniens, der "City of Westminster", befinden sich Wohn- und Büroviertel mit Funktionsdurchmischung, durchzogen von Geschäftsstraßen. Neben den königlichen Palästen im Stadtteil St. James"s befinden sich hier zahlreichen Ministerien, das Parlamentsgebäude (Westminster) und, wie vor allem in Mayfair, diverse diplomatische Vertretungen. Überdies gibt es im nahen Soho eine große Anzahl von Theatern und in Marylebone viele Hotels und Restaurants. Ein nicht unbedeutender Teil der Fläche von Central London wird von Parks eingenommen, die häufig historische Repräsentationsbauten beherbergen.

Während sich in der Nähe der innerstädtischen Grünflächen und flussaufwärts am Nordufer der Themse die traditionellen Wohnquartiere der Oberschicht befinden, dominierten in den Gebieten südlich der Themse und im Osten der Stadt früher Arbeiterviertel. Angesichts der exorbitanten Immobilienpreise, die in der britischen Hauptstadt um ein Vielfaches über dem Landesdurchschnitt liegen, sind die einstmals ärmeren Bezirke stark von Gentrifizierung betroffen, was dazu führt, dass einkommensschwache Haushalte verdrängt wurden.

Über Jahrzehnte war die Londoner Innenstadt extrem durch den Pkw-Verkehr belastet. 2003 wurde eine Citymaut-Zone eingerichtet, die 2007 auf Westminster, Kensington und Chelsea ausgedehnt wurde. Das Durchfahren des Gebietes ist heute nur noch gegen eine Tagesgebühr von 10 Pfund (ca. 11,55 Euro) erlaubt. Der Autoverkehr hat dadurch stark abgenommen zugunsten des öffentlichen Nahverkehrs; auch Fahrräder werden wieder stärker genutzt.

Nirgendwo in London war der Funktionswandel in den letzten Jahrzehnten so einschneidend wie in den Docklands, dem östlich des Towers gelegenen Hafenviertel. Die überalterten Hafenanlagen wurden angesichts der zunehmenden Konkurrenz neuer Hafenstandorte zwischen 1967 und 1981 stillgelegt. Zehntausende Arbeiter verloren ihre Jobs, die Docklands entwickelten sich zum innerstädtischen Problemgebiet.

Ab 1981 wurde die Infrastruktur modernisiert, partiell auch neu aufgebaut. Teile der Isle of Dogs wurden zur "Enterprise Zone" erklärt, in der Unternehmen - vor allem aus den Bereichen Leichtindustrie, Großhandel und Dienstleistungen - besondere Planungs- und Steuerpräferenzen erhielten. Es entstanden auch Wohngebiete in großer architektonischer Vielfalt, in direkter Ufernähe meist solche der gehobenen Preisklasse. Alte Lagerhäuser wurden durch Umwandlung in Büros oder Luxusappartements neuen Nutzungen zugeführt, an verschiedenen Standorten siedelten sich wasserbezogene Freizeiteinrichtungen an. Das architektonische Flaggschiff der Revitalisierung ist der Hochhauskomplex Canary Wharf an der Westseite der Isle of Dogs, der die Skyline Londons veränderte. Verkehrlich erschlossen wurden die Docklands durch die auf einem Stelzenbau verlaufende Docklands Light Railway. Diente die Isle of Dogs zunächst als Erweiterungsgebiet von Citynutzungen, so hat sie sich mittlerweile durch die Konzentration hochrangiger Finanzdienste zu einem Konkurrenzstandort der City of London entwickelt.

Mit der Aufgabe der gewerblichen Wasser- und Uferbereiche in den Docklands wurden auch oberhalb des Towers alte Gewerbe-standorte für Büro-, Handels- oder Wohnnutzungen frei. Zeitgleich hat sich südlich der Themse seit den 1970er-Jahren mit der Tate Gallery an der Vauxhall Bridge, dem London Eye vor der Old County Hall, der Royal Festival Hall, dem National Theatre, dem Globe Theatre sowie der Tate Modern ein imageträchtiges Ensemble von Kultureinrichtungen etabliert.

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