Stralsund heute

Geschichtliche Entwicklung

978-3-14-100759-6 | Seite 10 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 50.000
Stralsund heute |  | Geschichtliche Entwicklung | Karte 10/3

Informationen

Stralsund blickt auf eine rund achthundertjährige Geschichte zurück. Die weithin sichtbaren Türme der drei gotischen Pfarrkirchen zeugen von der einstigen Macht der Hafenstadt, deren historischer Stadtkern gemeinsam mit dem von Wismar seit 2002 als repräsentatives Beispiel für das kulturelle Erbe der Hanse zum Welterbe der UNESCO gehört.

Stadtgründung und Hansezeit
Zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstand neben dem slawischen Fischerdorf Stralow am Strelasund eine deutsche Kaufmannssiedlung, der 1234 das lübische Stadtrecht verliehen wurde. Begünstigt durch den leichten Zugang zur Ostsee und die gewährte Zollfreiheit, nahm die Stadt einen rasanten Aufschwung — sehr zum Missfallen der Lübecker Bürger. Sie sahen ihre Privilegien in Gefahr und brannten die Konkurrenz 1249 nieder. Doch Stralsunds wirtschaftlicher Aufstieg schritt unaufhaltsam voran. 1293 trat die Stadt dem Hansebund bei und wurde im 14. Jahrhundert neben Lübeck zur einflussreichsten Hansestadt im sogenannten wendischen Quartier.
Der florierende Schiffsbau und Zwischenhandel mit Tuchen, Pelzen, Erzen, Wein, Salz, Getreide und Fisch bescherte der Hansestadt Reichtum und Wohlstand, der sich u. a. in einer regen Bautätigkeit niederschlug. Bereits Mitte des 13. Jahrhunderts hatten die Stralsunder mit dem Bau einer Stadtmauer begonnen, die neben der Altstadt mit dem Alten Markt, dem Rathaus und der Nikolaikirche auch die 1256 gegründete Neustadt mit dem Neuen Markt und der Marienkirche sowie die Jacobikirche umschloss. Ergänzt wurde die Befestigungsanlage durch einen Ring von Stadtteichen. Während der Blütezeit der Hanse entstanden Handelskontore und Speicher neben Patrizierhäusern in norddeutscher Backsteingotik, die Sakralbauten wurden erweitert, der Hafen ausgebaut, die Stadtbefestigung verstärkt.

Schwedenzeit und Preußenzeit
Dank der wehrhaften Stadtbefestigung und mithilfe von Schwedenkönig Gustav Adolf konnte Stralsund 1628 der Belagerung des kaiserlichen Heeres unter Wallenstein trotzen. Die politische Eigenständigkeit ging trotzdem verloren: Die Stadt wurde — wie ganz Vorpommern — im Westfälischen Frieden 1648 dem Königreich Schweden zugesprochen und avancierte 1720 zum Regierungssitz von Schwedisch-Vorpommern. Aus der "Schwedenzeit" stammen einige herausragende Barockbauten wie das Schwedische Regierungspalais. 1807 von Napoleons Truppen besetzt, fiel die Stadt bei der Neuordnung Europas auf dem Wiener Kongress 1815 an Preußen.
Preußen machte Stralsund zur Garnisonsstadt und errichtete 1848 auf der vorgelagerten Insel Dänholm den ersten deutschen Kriegshafen (bis 1871). 1863 wurde Stralsund an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Nachdem 1873 der Festungscharakter der Stadt aufhoben wurde, entstanden rund um die Stadtteiche neue Wohnviertel mit prachtvollen Villen und Gewerbebetrieben.

Plattenbau und Welterbe
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs nahm Stralsund eine sprunghafte Entwicklung, die es vor allem dem Aufbau der Volkswerft verdankte. Der Hafen erlangte wieder eine große Bedeutung für den Ostseehandel und jenseits der Vorstädte entstanden zahlreiche Plattenbausiedlungen.
Heute ist auch der Tourismus eine tragende Säule der Wirtschaft. Aushängeschild ist die denkmalgeschützte Altstadt, die trotz erheblicher Verluste im Zweiten Weltkrieg und Vernachlässigung während der Zeiten der DDR, in neuer Pracht erscheint. Zu den bedeutendsten Museen der Stadt gehören das Deutsche Meereskundemuseum und das Kulturhistorische Museum. Außenstellen des Museums sind u. a. das Marinemuseum auf der Insel Dänholm und das 2008 eröffnete Ozeaneum auf der Stralsunder Hafeninsel. Zur Entlastung des Rügendamms, der seit 1936 die Ferieninsel über den Dänholm mit dem Festland verbindet, wurde 2007 eine neue, 4 km lange Strelasundquerung fertiggestellt.
U. Kleinelümern

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